Interview: Wie man Rechenzentren energieeffizienter macht

Green-ITInnovation

Das Unternehmenskonsortium The Green Grid will die Energieeffizienz der IT verbessern. Im Interview erklärt Green Grid Topmanager Mark Monroe, wie seine Organisation arbeitet, und wie Unternehmen ihren Stromverbrauch systematisch analysieren und senken können.

Green Grid, so heißt ein internationales Unternehmenskonsortium, das helfen will, die Energieeffizienz in Rechenzentren und in der Unternehmens-IT zu steigern. Dabei begnügt sich die 2007 gegründete Organisation nicht mit guten Ratschlägen. Sie setzt vielmehr darauf, umfassende Messungen des Energieverbrauchs zu sammeln, diese in Formeln zusammenzufassen und daraus eine Kenngröße für die Energieeffizienz zu bilden.

Die Green-Grid-Kennzahl PUE (Power Usage Effectiveness) ist inzwischen eine etablierte Methode, um die Energieeffizienz in der Unternehmens-IT zu bestimmen. Der Wert wird errechnet, indem der Gesamtenergieverbrauch eines Rechenzentrums oder eines Unternehmen mit dem der IT-Systeme in ein Verhältnis gesetzt wird. Je niedriger der PUE-Wert, desto höher die Energieeffizienz.

Ebenso verfährt Green Grid auch bei den CO2-Emissionen und dem Wasserverbrauch und arbeitet hierfür an den Kenngrößen für »Carbon Usage Effectiveness (CUE) und »Water Usage Effectiveness« (WUE). Letztere soll in Kürze eingeführt werden.

Aufgrund der komplexen Messungen und des PUE-Werts können die IT-Verantwortlichen dann Maßnahmen planen, die den gesamten Strom- und Wasserverbrauch ihres Unternehmen senken.

Auch Netzwerk-Spezialisten wie Cisco arbeiten daran, den Strombedarf von Rechenzentren zu senken. (Bild: Cisco)

Im Interview mit eWEEK beschreibt Mark Monroe, Executive Director bei The Green Grid, den aktuellen Status des Projekts und was ein Unternehmen tun sollte, um die Energieeffizienz zu verbessern. Das Interview wurde per E-Mail geführt.

Wie funktioniert das vor kurzem fertiggestellte »Data Centre Maturity Model (DCMM)«?

Das ist ein Leitplan für die Betreiber von Rechenzentren. Der Plan gibt klare Ziele vor und legt die Richtung für eine Verbesserung der Energieeffizienz und einer nachhaltigen Wirkung der Rechenzentren in allen Bereichen fest.

Das DCMM fokussiert die Hauptkomponenten der Rechenzentren inklusive der Energieleistung, der Kühlung, Kalkulation, der Speicherkapazität/Lagerung sowie des (Speicher)Netzwerkes und formuliert verbesserungswürdige Bereiche der Rechenzentren.

Die einzelnen Stufen des Models geben aktuelle Best practices und einen Fünf-Jahres-Plan vor, der sich an die Industrie richtet. Das DCMM stellt Leistungsbeschreibungen für die einzelnen Bereiche der Rechenzentren zur Verfügung, welche die Betreiber als Richtwerte nutzen können, um die eigene derzeitige Leistung mit Hilfe des Data Centre Maturity Model Equalisers anzupassen. Es werden die Laufzeiten angeglichen und die weiteren Schritte und Innovationen festgelegt, die als ein fester Bestandteil des Rechenzentrums sowie seiner IT-Strategie erforderlich ist.

Damit sollen eine größere Energieeffizienz sowie nachhaltige Verbesserungen erreicht werden, sowohl für Heute als auch in der Zukunft.

In welchem Bereich der Rechenzentren lässt sich am meisten Energie einsparen und in welchem Bereich am wenigsten?

Die Energieeinsparung fällt bei den einzelnen Rechenzentren unterschiedlich aus und ist abhängig von verschiedenen Faktoren sowie davon, mit welchem Schwerpunkt die Unternehmen ihre Energie einsetzen. Durch die Nutzung des Data Centre Maturity Model und des Data Centre Maturity Model Equalizers können die Betreiber der Rechenzentren erkennen, wie ihr Rechenzentrum im Vergleich zu den best practices liegt und wo es Verbesserungsmöglichkeiten gibt.

Kann man ungefähr angeben, um wie viel Prozent Energie ein optimiertes Rechenzentrum einsparen kann?

Leider kann The Green Grid hierzu keine Angabe machen, da jedes Rechenzentrum unterschiedlich ist und es sehr viele Einflüsse gibt, die sich auf den genauen Prozentsatz der Energie, die eingespart werden kann, auswirken.

»Ziehen Sie kühlere klimatische Ausgangsbedingungen mit erneuerbaren Energiequellen in Betracht.« Green Grid-Manager Mark Monroe (Foto: Green Grid)

Wie sollte ein Unternehmen vorgehen, das ein neues Rechenzentrum baut oder ein vorhandenes umrüsten will? Was sind die wichtigsten Schritte?

Für bereits bestehende Rechenzentren gilt: Messungen, Messungen, Messungen. Es ist sehr wichtig, die vorhandene Effizienz der Rechenzentren zu ermessen. Dabei ist es ist nicht zwingend notwendig, dass sich diese auf dem höchsten Level befindet, zudem gibt The Green Grid über einen gewissen Zeitraum auch Empfehlungen zur Messung und Nachverfolgung des PUE-Werts, wie auch über den erst kürzlich veröffentlichten Carbon Usage Effectiveness Wert (CUE) und den Water Usage Effectiveness (WUE) Wert.

Ist festgelegt, an welchem Punkt das Unternehmen steht, kann festgelegt werden, welche Effekte einen potenziellen Wandel nach sich ziehen können. Ab diesem Zeitpunkt kann mit diesen Änderungen vorsichtig der Ablaufprozess fortgeführt werden.

Rechenzentren sind sehr komplex und agieren nicht immer intuitiv, deshalb steht die Hilfe von Experten grundsätzlich zur Verfügung, sobald eine Anleitung notwendig wird. Neubauten von Rechenzentren sollten den gesamten Lebenszyklus und besonders die Auswahl des Stellplatzes berücksichtigen.

Was kann man konkret tun?

Bei sehr wenigen Rechenzentren ist es notwendig, dass sie in die unmittelbare Nähe des Head offices gebaut werden. Ziehen Sie kühlere klimatische Ausgangsbedingungen mit erneuerbaren Energiequellen in Betracht.

Im Hinblick auf die Einrichtung des Rechenzentrums, holen Sie das Maximum an Zeit heraus, die sich Ihnen bietet, um ohne Zusatzkosten die Luft zu kühlen.

Konstruieren Sie das Rechenzentrum von vornherein so, dass für Hardware eine Konsolidierung /Virtualisierung berücksichtigt werden kann. Indem die höheren Level des Data Centre Maturity Model genutzt werden, können zukünftige Verbesserungen und inspirierende Innovationen angestoßen werden.

Auf der Homepage von The Green Grid können sich angemeldete Teilnehmer Tools und Dokumentationen herunterladen.

Während eines Modernisierungsprozesses oder Neubaus sollten die Inhalte des Modells mit den Designern des Rechenzentrums mit der Absicht ausgetauscht werden, einen Rahmen zu schaffen, das Unternehmen in besagte höhere Level des Modells zu bringen.

Berücksichtigt werden müssen dabei örtliche und geschäftliche Ausgangsbedingungen. Diese Punkte werden bei der Verbesserung der Energieeffizienz und der nachhaltigen Wirkung der Rechenzentren sowie allem, was noch dazugehört, hilfreich sein.

Sie haben Ihr Projekt vor etwa einem Jahr vorgestellt. Wie ist der Status des Projekts zur Zeit?

Die Regierungen der USA und Japans arbeiten gemeinsam mit der Europäischen Kommission daran, die Maßstäbe zur Energieeffizienz für Rechenzentren zu vereinheitlichen. Ziel ist es, alle Auswertung zu standardisieren: Zum einen der Arbeit der IT, die das Rechenzentrum liefert, und zum anderen der Auswertung der dafür genutzten Energieaufwendung sowie der Feststellung, wie erneuerbar diese Energie ist.

Zusätzlich zu den behördlichen Agenturen (EC, US DoE, US EPA, METI) stellen zwei Expertengruppen aus der Industrie ihre technische Expertise bereit, dabei handelt es sich um The Green Grid (TGG) und The Green IT Promotion Council (GIPC) aus Japan. The Green Grid schlug schon früh den PUE Wert vor, um eines der geforderten Ergebnisse der Taskforce zu erreichen.

Und sieht die aktuelle Situation aus?

Im Vorfeld einigte sich die Taskforce auf Leitprinzipien, die sich speziell an dem im April 2010 veröffentlichten PUE-Wert orientieren. Vor kurzem beendete die Taskforce die Diskussionen, die sich um die genauen Details des PUE-Werts drehten (z. B. die Nutzung und die Umsetzung von Kalkulationen).

Der Einsatz von Kalkulationsverfahren beinhaltet jedoch gewisse Schwierigkeiten wie etwa die Frage, wo Maßnahmen vorgenommen werden, wie verschiedene Beiträge von Energiequellen miteinbezogen werden und wie mit unterschiedlichen Nutzungsmöglichkeiten umgegangen werden sollte.

Als Ergänzung zur Einigung über den PUE-Wert evaluiert die Taskforce nun zusätzliche Werte, um die gewünschten Zielsetzungen, wie sie kürzlich dargestellt wurden, zu erreichen.