Weshalb Seagate bei der Übernahme von Samsungs Festplattensparte keine Wahl hatte

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Herkömmliche Festplatten verlieren immer mehr an Bedeutung, aber Seagate kann es sich einfach nicht leisten, gegenüber dem Marktführer WD klein beizugeben, sagt Chris Preimesberger.

Samsung Electronics stellte am 18. April seine Festplattensparte zum Verkauf. Kaum machte die Nachricht die Runde, hob Seagate Technology, die Nummer zwei unter den Festplattenherstellern, bei seiner Hausbank 1,375 Milliarden US-Dollar (zirka 950 Millionen Euro) ab und legte ein Übernahmeangebot vor.

Natürlich nahm Samsung das Angebot am 19. April an. Durch diesen Schritt kann die bereits bestehende Partnerschaft der beiden Firmen im Bereich der Entwicklung von NAND-Flashspeichern noch weiter intensiviert werden. Außerdem hat Seagate dadurch gegenüber dem Marktführer WD wieder einiges an Boden gutgemacht.

Im Festplatten-Business geht es nur noch um Größe

WD, früher unter dem Namen Western Digital bekannt, kontrolliert ungefähr 49 Prozent des Festplattenmarktes, nachdem das Unternehmen im März 2011 Hitachis Festplattensparte für  4,3 Milliarden US-Dollar übernommen hatte. Derzeit beträgt Seagates Marktanteil 29 Prozent; nach Abschluss des Übernahmeverfahrens werden es 40 Prozent sein.

Seagate stellt außerdem NAND Solid-State-Disks auf Flash-Basis her, die von vielen IT-Fachleuten  langfristig gesehen als die Speichermedien der Zukunft betrachtet werden. Trotzdem konnte das Unternehmen die Gelegenheit, die der koreanische IT-Gigant ihm bot, nicht ungenutzt verstreichen lassen. Bei Seagate hatte man eigentlich keine andere Wahl, obwohl das Unternehmen derzeit finanziell angeschlagen ist. Ansonsten hätte WD zugegriffen und beim Marktanteil noch einmal kräftig draufgesattelt.

Im Festplattengeschäft ist zur Zeit der Größenvorteil ausschlaggebend. Vor zwei Monaten gab Mark Peters, Storage-Fachmann und Analyst bei der Enterprise Storage Group, gegenüber der Redaktion eWeek seine Einschätzung des WD-Hitachi-Abkommens  wieder – seine damaligen Aussagen können teilweise auch auf die aktuelle Situation bei Seagate übertragen werden.

»Eine der Hauptgründe für diese Übernahme ist der Größenvorteil: Skaleneffekte, Größenvorteile bei Forschung und Entwicklung, Größenvorteile beim Portfolio …. habe ich schon Größenvorteile  erwähnt?«, kommentierte Peters damals WDs Angebot. Er führte weiter aus: »Wenn man in dieser Branche, in der sich alles um Massenfertigung dreht, Geld verdienen will, ist die Unternehmensgröße in beinahe jeder Hinsicht von enormer Relevanz.«

Wie wird sich diese Übernahme auf den Markt und die kleineren Hersteller auswirken?

»Tja, es sieht jetzt ganz danach aus, als wären Seagate und WD die einzigen beiden Pferde im Rennen«, teilte Zeus Kerravala, Analyst der Yankee Group, der Redaktion mit. Er fuhr fort: »Ich glaube, das Wettbewerbsumfeld für die restlichen Festplattenhersteller gestaltet sich zur Zeit äußerst schwierig. Seagate kann nun sein Wertangebot auf andere Samsung-Produkte ausweiten, zum Beispiel PCs. Damit hat das Unternehmen die Kontrolle über die Festplatten und auch über einige der Endmärkte. Das ist eine schlagkräftige Kombination.«

Das Abkommen bezüglich der NAND-Flashspeicher zwischen Seagate und Samsung war ebenfalls ein Kernbestandteil dieser Übernahme. »Seagate kann dadurch auch im Flash-Markt Fuß fassen; Samsung hatte Seagate in diesem Marktsegment bereits überflügelt«, bemerkte Brian Babineau, Vice President bei Enterprise Strategy Group, gegenüber der Redaktion. Babineau kommentierte weiter: »Aber die Konsolidierung des Marktes ist ein Vorteil, der auf der Hand liegt; einen Wettbewerbsvorteil in einem Markt für innovative Technologien zu erlangen, mag keine unmittelbaren Auswirkungen haben, ist aber trotzdem von entscheidender Bedeutung!«