Hightech aus Texas: Ciscos neues Super-Datenzentrum

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Das Rechenzentrum im US-Bundesstaat Texas soll als Vorbild für Energieeffizienz und niedrige Kühlkosten dienen. Daneben will Cisco die Vorteile seines Unified Computing System demonstrieren und Anbietern wie HP oder IBM Konkurrenz machen.

Vor wenigen Tagen, am 15. April, hat Ciscos neues Rechenzentrum in Allen, Texas den Betrieb aufgenommen. Die Anlage soll so etwas wie den Stand der Technik aus Ciscos demonstrieren und helfen, die Position des Unternehmens auf dem Markt für Cloud Computing zu verbessern.

Das Datenzentrum wird sich mit dem benachbarten Datenzentrum in Richardson, Texas zu einer Art Super-Rechenanlage zusammenschließen. Cisco nennt das ein »Metro Virtual Data Center« (MVDC). Beide Rechenzentren sind gleichzeitig aktiv, dienen sich gegenseitig als Backup und bilden eine »virtualisierte, dynamische Cloud für IT-Services«, wie es in der Pressemitteilung heißt.

Rotierende Schwungräder statt Akkus

Für optimale Energieeffizienz nutzen die Ingenieure eine Reihe neuer Techniken.

• Die unterbrechungsfreie Stromversorgung (UPS) wird nicht durch herkömmliche Akkus gewährleistet, die bei der Entsorgung die Umwelt belasten würden, sondern durch rotierende Schwungräder und Dieselgeneratoren. Diese benötigen sehr wenig Energie, um in Bewegung zu bleiben und im Falle eines Stromausfalls die Dieselgeneratoren starten zu können. Wie genau diese Technik funktioniert, wie die Schwungräder selbst in Schwung gebracht werden und wie umweltfreundlich die verwendeten Dieselmotoren sind, verrät Cisco nicht.

• Die Zahl der Switches, Adapter und Kabel wurde deutlich reduziert, was wiederum hilft, Energie zu sparen.

• Weniger Kabel in den Serverschränken verbessern die Luftzirkulation und reduzieren damit den Aufwand für Kühlmaßnahmen.

• Bei der Kühlung arbeitet das Rechenzentrum nach Möglichkeit mit der Umgebungsluft, sofern deren Temperatur niedrig genug ist. Nach Schätzungen der Cisco-Experten ist dies während 65 Prozent der Zeit der Fall. Das spart Kosten für die Klimaanlage und senkt letztlich auch die CO2-Emissionen.

• Solarzellen auf dem Dach produzieren bis zu 100 Kilowatt Strom, der für die Büro-Räumlichkeiten im Gebäude genutzt wird.

• Falls es mal etwas stürmisch werden sollte: Das Gebäude hält laut Cisco bei einem Tornado auch Windgeschwindigkeiten von bis zu 175 Meilen pro Stunde stand.

Schwungräder statt Akkus sollen die Umwelt entlasten: Blick in den Raum für die unterbrechungsfreie Stromversorgung (UPS) in Ciscos neuem Rechenzentrum im US-Bundesstaat Texas. (Foto: Cisco)

 

Niedriger PUE-Wert

Der als Gradmesser für die Effizienz von Rechenzentren genutzte PUE-Wert (Power Usage Effectiveness) liegt laut Cisco bei 1,35. Der Wert wird errechnet, indem der Gesamtenergieverbrauch eines Rechenzentrums mit dem der IT-Systeme ins Verhältnis gesetzt wird.

Mehr Infos zum Thema PUE-Wert finden Sie in diesem eWEEK-Bericht über Green Grid, dem Industrie-Konsortium, das PUE entwickelt hat.

Insgesamt ist das Rechenzentrum auf einen Stromverbrauch von fünf Megawatt (ausbaubar auf zehn Megawatt) ausgelegt.

Virtualisierung und Cloud Computing

Doch neben dem ökologischen Aspekt verfolgt Cisco auch das Ziel, sich auf dem wachsenden Markt für Cloud Computing besser zu positionieren. Einem Bericht der englischsprachigen eWEEK, UK zufolge hat Cisco in den letzten zwei Jahren seine Aktivitäten bei Rechenzentren stark ausgeweitet, etwa mit der Einführung von UCS (Unified Computing System).

Diese Plattform kombiniert Cisco-Produkte wie etwa Server, Netzwerk-Produkte, Speicher, Virtualisierung und Management-Software unter einem Dach. Die skalierbare Plattform ermöglicht auch, Anwendungen zwischen verschiedenen Rechenzentren beliebig hin und her zu transferieren und dient als Basis für Cloud Computing und Virtualisierung.

Das neue Rechenzentrum basiert ebenfalls auf der UCS-Plattform.

Rechenzentren als technologisches Aushängeschild

Für die führenden Anbieter wie IBM, Hewlett-Packard oder eben auch Cisco erfüllen die großen Rechenzentren einen doppelten Zweck. Sie sollen einerseits helfen, die Vielzahl von Rechenzentren, die im Lauf der Zeit über die ganze Welt verstreut entstanden sind, zu reduzieren und zu konsolidieren.

Andererseits dienen sie aber auch als Vorbild und technologisches Aushängeschild, mit denen die IT-Riesen ihre technologische Kompetenz, beispielsweise für Cloud Computing-Dienste unter Beweis stellen und damit auch den Verkauf ihrer Dienste anzukurbeln.

Netzwerk-Anbieter Cisco hat seine Aktivitäten bei Rechenzentren stark ausgeweitet und will sich vor allem im Bereich Cloud Computing profilieren. (Bild: Cisco)

Expansion nach Europa

Laut Cisco soll das in Texas demonstrierte Know-how auch weltweit auf andere Rechenzentren angewandt werden, darunter auch solche in Europa. Derzeit betreibt Cisco zwischen 70 und 80 Rechenzentren. Viele davon hat das Unternehmen durch Akquisitionen anderer Firmen bekommen. Jetzt dürfte auch hier ein Konsolidierungsprozess einsetzen.