Mittelstand: Keine Angst vor Green IT

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Eine Studie über die Rolle von Green IT in mittelständischen Unternehmen zeigt, dass die Bereitschaft, Geld für umweltfreundliche IT-Ausrüstung auszugeben, größer ist als gedacht. Mehr als die Hälfte der Manager würde sogar Mehrkosten von über 50 Prozent akzeptieren.

Das Engagement für umweltfreundliche IT-Ausrüstung wird in der Regel großen Unternehmen und Konzernen zugeschrieben. Kleineren Unternehmen und Mittelständlern, die nicht im Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit stehen und auf ihr Image achten müssen, traut man Engagement für Energieeffizienz und CO2-Reduktion nicht so zu.

Das ist offenbar ein Irrtum. Mittelständische Unternehmen in Deutschland haben offensichtlich keine Angst vor Green IT und sind sogar bereit, Geld dafür zu investieren.

Mehrausgaben für grüne Rechenzentren

Das zumindest behauptet die Studie »Prognose 2011 – Konsolidierung und Green IT im deutschen Mittelstand«. Durchgeführt wurde die Studie vom Deutschen Forum für Hochverfügbarkeit. Hinter dem seltsamen Namen steckt ein Gremium der Software-Initiative Deutschland.

Bei der Studie wurden 100 Führungskräfte mittelständischer Unternehmen (100 bis 500 Mitarbeiter) mit einem Umsatz von maximal 50 Millionen Euro interviewt. Eine Begrenzung auf einzelne Branchen gab es aber nicht.

Die Software-Initiative Deutschland will auf die wachsende Bedeutung von Software in »beruflichen und privaten Lebensbereichen« aufmerksam machen und hat sich jetzt auch das Thema Green IT vorgenommen.

 
Die Grundfrage lautete: »Sind deutsche mittelständische Unternehmen bereit, für Green IT-Lösungen beziehungsweise für ein grünes Rechenzentrum tiefer in die Tasche zu greifen?«

Das überraschende Ergebnis

• Über 80 Prozent der Betriebe sind bereit, für energieeffiziente und umweltfreundliche IT-Ausstattung mehr Geld auszugeben.
• 30 Prozent geben an, dass sie einen finanziellen Mehraufwand zwischen 25 und 40 Prozent akzeptieren würden.
• 53 Prozent sagen sogar, dass sie zusätzliche Kosten in Höhe von 50 Prozent oder mehr für eine Green IT-Lösung akzeptieren würden.
• Einen Aufpreis von maximal 25 Prozent würden 15 Prozent der Mittelständler lockermachen.
• Nur eine kleine Minderheit von zwei Prozent ist der Ansicht, dass Green IT zwar schön und gut sei, aber keinesfalls mehr kosten dürfe als herkömmliche Lösungen.

Trotz der Investitionsfreudigkeit in den Führungsetagen deutscher Unternehmen: So weit gehen, das Geld überhaupt keine Rolle spiele, wollte logischerweise keiner der befragten Manager.

Haupthindernis: Die fehlende Strategie

Uwe Kramer, Vorsitzender des Deutschen Forums für Hochverfügbarkeit meint, die bemerkenswert hohen Zahlen zeigten, »dass das Thema Green IT mitnichten bloß ein Marketing-Gag« sei.

Ein Haupthindernis für die Verbreitung von Green IT sei allerdings die oftmals »fehlende Strategie«. Das hätten 56 Prozent der Manager erklärt.

Hohes Einsparpotenzial bei Arbeitsplatz-PCs

Der Branchenverband Bitkom schätzt, dass die ITK-Ausstattung in Firmen, Behörden und Bildungseinrichtungen nach wie vor ein hohes Einsparpotenzial hat. Die rund 26,5 Millionen Arbeitsplatz-PCs (Stand: Oktober 2010) benötigen jährlich 4 Terawattstunden Strom. Doch nur jeder zweite Arbeitsplatzrechner verdient tatsächlich das Etikett Green IT.

Nach Ansicht von Experten lässt sich der Anteil der besonders energie- und materialeffizienten Rechner bis 2020 auf 85 Prozent erhöhen. Gleichzeitig lässt sich der Stromverbrauch der Arbeitsplatz-PCs von heute 150 Kilowattstunden bis zum Jahr 2020 auf 60 Kilowattstunden senken.

Ein ausführliches PDF-Dokument mit Handlungsempfehlungen gibt es auf der Webseite des Verbands zum Download.

Aufgaben der Software-Initiative

Die Software-Initiative Deutschland hat sich zur Aufgabe gemacht, »auf die wachsende Bedeutung von Software in immer mehr beruflichen und privaten Lebensbereichen aufmerksam zu machen«. Daneben will die Organisation als Diskussionsforum für Fachleute und »Aufklärungsinstanz« für Verbraucher dienen. In der Initiative sind nach eigenen Angaben mehr als 200 Unternehmen vertreten, darunter Systemhäuser, E-Commerce-Anbieter sowie Soft-und Hardwarehersteller.

Ähnliche Ergebnisse bei IDC

Die Autoren der Studie erheben keinen Anspruch auf Repräsentativität der Ergebnisse. Schließlich wurden insgesamt nur 100 Betriebe interviewt. Doch immerhin lässt dies schon gewisse Tendenzen erkennen.

Dass die Autoren mit ihren optimistischen Schlussfolgerungen nicht ganz falsch liegen, zeigt sich auch nach der Lektüre einer großangelegten Studie des Marktforschungsunternehmens IDC. Dabei wurde das ökologische Engagement von 1546 Firmen aller Größen im Raum EMEA unter die Lupe genommen. Auch in dieser Studie sprechen die Ergebnisse dafür, dass umweltfreundliche IT-Ausstattung sich längst als stabiler Trend etabliert hat.