Microsoft beschwert sich bei der EU-Kommission über Google

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Die Wettbewerbsuntersuchung der EU-Kommission gegen Google wird durch Microsoft zusätzlich befeuert. Der Software-Konzern reicht eine formale Beschwerde gegen den Konkurrenten ein.

Microsofts Vizepräsident und Chef-Justiziar Brad Smith lobt Google zwar im Firmenweblog für seine Innovationen, schreibt aber auch, dass Google verstärkt versuche, andere Anbieter von der Entwicklung einer wettbewerbsfähigen Alternative abzuhalten. Daher habe man eine formale Wettbewerbsbeschwerde bei der EU-Kommission eingereicht. Es sei das erste mal in der Firmengeschichte, dass man so etwas tue, so Smith, der versichert, man habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, hätte man doch jahrelang selbst mit den Wettbewerbshütern der EU im Clinch gelegen.

Die EU-Kommission hatte im vergangenen November eine Untersuchung gegen Google eingeleitet, nachdem sich das britische Preisvergleichsportal Foundem, die französische Rechtsuchmaschine Ejustice.fr und das zu Microsoft gehörende Preisvergleichs- und Bewertungsportal Ciao beschwert hatten. Die Wettbewerbshüter gehen dem Verdacht nach, Google würde die Angebote konkurrierender Unternehmen in seinen Suchergebnissen benachteiligen und mit Ausschließlichkeitserklärungen verhindern, dass Werbepartner auf ihren Seiten Anzeigen von anderen Werbeplattformen einblenden.

Microsoft listet nun fünf weitere Punkte auf, um das wettbewerbsfeindliche Verhalten zu belegen. So habe Google nach der Übernahme von YouTube begonnen, den Zugriff anderer Suchmaschinen auf das Videoportal mit technischen Maßnahmen zu behindern. Zudem verhindere Google eine reibungslose Zusammenarbeit von Windows Phone mit YouTube, während man Android und iPhone weitreichenden Zugriff auf das Videoportal und die Metadaten der Videos einräumt. Kein Wunder, meint Microsoft, schließlich betreibe Apple anders als Microsoft auch keine Suchmaschine.

Darüber hinaus kritisiert Microsoft, dass Google den Zugriff auf eingescannte Bücher blockiere, an denen eigentlich andere die Rechte haben und darüber zu entscheiden hätten. Auch die Abschottung von Googles Werbeplattform gefällt Microsoft nicht, speziell dass die Werbetreibenden die umfangreichen Informationen zu ihren Kampagnen nicht einfach nehmen und für anderen Plattformen wie Microsoft AdCenter nutzen können. Für die meisten Werbetreibenden führe wegen der schieren Marktmacht kein Weg an Google vorbei, doch einen Teil der Kampagnen über andere Plattformen laufen zu lassen, sei wegen des fehlenden Zugriffs auf die Google-Daten schwierig.

Fünfter und letzter Punkt auf Microsofts Liste sind die Google-Suchboxen, die viele Websites verwenden. Google zwinge führende europäische Websites, auf andere Suchboxen zu verzichten, so dass es für konkurrierende Suchmaschinen schwer sei, neue Nutzer zu gewinnen, wenn nahezu jede Suchbox im Web von Google kommt, so Microsoft. Die Bedingungen zum Einsatz der Google-Suchboxen seien so restriktiv, dass Microsoft in Europa Probleme habe, seine Windows Live-Dienste an den Mann zu bringen, weil diese durch Bing-Suchboxen finanziert werden.