Japan: Hälfte der Unterseekabel zerstört, Internet geht trotzdem noch

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Viele asiatische Telekommunikationsfirmen haben den Traffic auf die noch funktionierenden Unterseekabel umgeleitet. Nun bemühen sie sich, die Leitungen wieder zu reparieren.

Die Wall-Street-Journal-Reporter Owen Fletcher und Juro Osawa haben sich bei asiatischen Telekommunikationsunternehmen erkundigt, warum denn die Internetverbindungen auch nach dem schweren Erdbeben noch funktionieren würden. Ob die Unterseeleitungen so gut seien oder man Traffic über Satelliten weiterleite, wollten die Journalisten wissen.

Die Antwort war nicht überraschend, sondern zeugt von einem guten Traffic-Management. Mehrere Unterseekabel seien beschädigt, meldeten die Unternehmen, und schon am heutigen Montag habe man begonnen, sie zu reparieren. Nachdem es zu einigen Fehlermeldungen beim Internet-Zugang gekommen sei, habe man Traffic umgeroutetet auf die noch funktionsfähigen Kabel, und weil auch das nicht mehr reichte, habe man Backup-Satellitenverbindungen zugeschaltet.

Besonders Internetverbindungen in die USA hätten anfangs nur mit Geschwindigkeitsverlusten zugestellt werden können, erklärt Bill Barney, Chef des Hongkonger Kabelkonsortiums Pacnet. Auch der japanische Netzbetreiber KDDI melde, dass es zu Netzproblemen gekommen sei – nach USA komme derzeit kein Signal durch -, aber ob dies vom Erdbeben käme oder wie öfter von einem Schiffsanker oder anderen Störfaktoren, wisse man noch nicht. Zu Reparaturarbeiten sei man ohnehin fünf bis zehnmal im Jahr unterwegs, man erfahre nur nicht so viel Medienaufmerksamkeit wie jetzt nach dem Erdbeben. Auch die Kabel PC-1 W und PC-1 N von NTT-Tochter »Pacific Crossing« seien zerstört, erfuhren die Reporter. China Telecom hatte sogar schon am Freitag mit den wichtigsten Reparaturarbeiten an seinen Kabeln begonnen. Auch China Unicom habe schon die meisten Leitungen repariert, meldet die chinesisch Nachrichtenagentur Xinhua.

Die Unterseeglasfaserkabel können hunderte von Millionen kosten und werden daher meist von Konsortien mehrerer Telekommunikation-Unternehmen betrieben. Trotz Schutzmaterial um die Glasfasern müsse man ohnehin  mit einer gewissen Verwundbarkeit rechnen, seien es Fischerboote, Schiffsanker oder Unterseebeben. Mit schlimmen finanziellen Folgen für die Konsortien müsse man also nicht rechnen, versichert Pacnet-Chef Barney, denn das sei schon einkalkuliert. Und die innerasiatischen Kabel, etwa eine Verbindung Japans zu Taiwan, werde man schon in 5 Tagen wieder instandgesetzt haben.

Andere Telekom-Unternehmen wollten sich nicht zum Thema äußern, solange sie noch nicht die vollständigen Schadensberichte gesammelt haben.

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