Desktop-PCs: Chancenlos in einer virtuellen Welt

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Virtuelle Desktop-PCs werden herkömmliche, statische Desktops bald alt aussehen lassen, meint Cameron Sturdevant. Gefragt ist kein Heilmittel gegen diesen Trend, sondern die richtige Vorsorge.

Mit der neuesten Version des Microsoft System Center Configuration Manager zu arbeiten ist wie durch eine Fabrik zu laufen, die vor der Schließung steht. Nicht, dass SCCM 2007 R3 ein verwaistes Projekt wäre. Ich bin auch nicht so töricht, den Tod des Desktops zu prophezeien. Trotzdem steht deutlich fest, dass bereits neue Leitbilder im Bereich End-User-Computing entstehen, während SCCM immer noch an den Grundlagen der alten herumdoktert. Die einst so üppige Standard-Desktop-Landschaft, zusammen mit der scheinbar endlosen Kette an Wartungstools, die benötigt wurden, um diese Infrastruktur am Laufen zu halten, haben sich in eine trostlose Gegend verwandelt, über die der Wind hinwegfegt.

Windows-Desktops sind Schnee vom letzten Jahrhundert!

Selbst nach mehr als einem Jahrzehnt bleibt die Bereitstellung, Wartung und am Schluss die Außerbetriebnahme eines nicht-virtualisierten Desktop- oder Laptop-Computers ein äußerst zeit- und kostenintensiver Prozess. Denn da die Auswahl der im Betrieb verwendeten Anwendungen noch vor der Jahrhundertwende getroffen wurde, sind beinahe alle Windows-Desktop-Systeme so aufgesetzt, dass die Benutzer unter dem jeweiligen Betriebssystem Administratorrechte besitzen, was in der heutigen Welt derartig risikobehaftet ist, dass es beinahe zum Lachen reizt.

Während die fortschreitende Technik bei der Zugangskontrollsoftware für Benutzer sowie bei Programmen zur Bekämpfung von Virenbefall und Schadsoftware einige der eklatanten Probleme, die mit unbeschränkten Benutzerrechten einhergehen, wettgemacht hat, gleicht die Instandhaltung von Desktop-Systemen immer noch einer Sisyphus-Arbeit. In der griechischen Sagenwelt bestand die Bestrafung des Sisyphus darin, dass er einen schweren Felsbrocken einen Hang hinaufrollen musste. Als ihm der Felsbrocken entglitt, als er beinahe oben angelangt war, musste er wieder von vorne anfangen.

Es ist beinahe eine eiserne Regel, dass ein Desktop-PC bereits im frühen Jugendstadium seines Lebenszyklus nicht mehr den betriebsinternen IT-Richtlinien entspricht. Die Gründe dafür sind vielfältig und reichen von der Zwangslage, auf branchenspezifische Applikationen Rücksicht nehmen zu müssen, die erst dann auf den Markt gekommen waren, nachdem der Desktop bereits in Betrieb war, bis hin zu unabsichtlichen oder unerlaubten Änderungen, die Benutzer auf eigene Faust an ihrem PC vornehmen. Der Gedanke, dass ein PC es ins Rentenalter schaffen könnte, ohne dass Konfigurationsprobleme auftreten würden, ist heutzutage schlicht absurd.

Virtuelle Desktop-Rechner – Vorbeugen statt heilen

Der Grundgedanke, dass bei der Bewältigung des tagtäglichen Arbeitspensums der PC im Mittelpunkt steht, wird durch die Fortschritte bei der Virtualisierung sowie den vermehrten Einsatz von cloud-basierten Diensten immer mehr in Frage gestellt. Das Konzept der Virtual Desktop Infrastructure, auch unter der Abkürzung VDI bekannt, stellt einen echten Fortschritt dar bei der Bereitstellung des Endnutzer-Betriebssystems sowie bei Speicherung und Sicherung von Anwendungen und Daten.

In der virtuellen Desktop-Welt werden die meisten der Probleme, die SCCM 2007 R3 zu lösen versucht, ausgemerzt, bevor sie sich im System einnisten können. Ein Unternehmen, in dem das Desktop-Betriebssystem sowie die Benutzerdaten zentral gespeichert, verwaltet und an jedem Werktag neu aufgesetzt werden, und zwar von einem Master-Image, das von der IT-Abteilung abgesegnet und gepflegt wird, verringert die akuten Probleme, die mit Fernwartung, Einspielen von Updates, Zugangskontrolle sowie Schadsoftware einhergehen, erheblich.

Obwohl VDI die Reibungsverluste im täglichen Betrieb lindert, gibt es immer noch erhebliche Herausforderungen bei der Implementierung. Die Kosten der Datenspeicherung in Rechenzentren sind eine davon. Die virtuelle Abbildung und Bereitstellung der komplexeren und benutzerspezifischen Desktops gestaltet sich im Vergleich zur Servervirtualisierung wesentlich schwieriger. Die Kostenersparnis durch höhere Auslastung der Ressourcen, die bei Servern einfach realisiert werden kann, ist bei VDI nur mühsam erzielbar. Es sei denn, man berechnet IT-Betriebskosten, Maßnahmen zur Sicherheitsvorsorge und Kosten durch Datenverlust mit ein.

Microsoft SCCM und all die anderen, gut eingeführten und in der Branche wohlbekannten Werkzeuge sind erstklassig dazu geeignet, herkömmliche PC-Landschaften zu pflegen. Heutzutage gibt es viele IT-Fachkräfte, die diese Produkte aus dem Effeff beherrschen und damit die Supportkosten im Zaum halten. Und IT-Manager werden wohl ebenfalls noch viele Jahre lang auf diese Art von Plattform zurückgreifen, hauptsächlich zur Vor-Ort-Wartung von nicht-virtualisierten Desktop-PCs. Virtualisierung und Cloud Computing stehen jedoch schon in den Startlöchern. Und das bedeutet, dass statische Desktop-Systeme wesentlich weniger Jahre vor sich als hinter sich haben.