Nokias Plattform brennt – kann der Wechsel zu Windows Phone 7 das Feuer löschen?

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Nokia-Entwickler stehen dem Wechsel zu Windows Phone 7 skeptisch gegenüber, sagt Nicholas Kolakoswki, aber es gibt Anzeichen, dass das WinPhone-Betriebssystem allmählich den Kinderschuhen entwächst.

Anfang März  wird Microsoft dem Windows Phone 7-Betriebssystem sein erstes Software-Update genehmigen – dies ließ Konzernchef Steve Ballmer diese Woche gegenüber der Presse auf dem Mobile World Congress in Barcelona verlauten. Dadurch soll die Leistung von Applikationen verbessert werden, außerdem ist endlich die Einführung einer Copy-und-Paste-Funktion geplant.

Dieses Update ist längst überfällig, wurde es doch schon im Januar auf der Consumer Electronics Show angekündigt, vor Ballmers Vortrag. Wann genau jedoch das Update erscheinen sollte, blieb bislang Spekulationssache. Erst am 14. Februar gab Andy Lees, Chef von Microsofts Mobiltelefon-Sparte, auf dem Windows Phone Blog bekannt, dass  der Veröffentlichungszeitraum auf „die ersten beiden Märzwochen” fallen würde.

Microsoft hat die Veranstaltung in Barcelona ebenfalls dazu genutzt, weitere Windows Phone 7-Updates anzukündigen, die in der zweiten Hälfte dieses Jahres erscheinen sollen. Dazu gehören Multitasking, die Integration von Twitter in den „Kontakte”-Hub der Plattform sowie das Teilen von Office-Dokumenten und die Speicherung derselben auf dem Windows Live Skydrive. Lees zufolge will Microsoft darüber hinaus das Windows Phone 7-Betriebssystem noch in diesem Jahr mit einem „erheblich verbesserten Internet Explorer 9 Web-Browser” aufrüsten.

Windows Phone 7 integriert Webinhalte und –applikationen in themenorientierte Hubs, wie zum Beispiel „Office”, „Spiele” und „Kontakte”. Microsoft gab Ende Januar bekannt, dass die Hersteller zirka zwei Millionen Geräte an Händler verkauft hatten, aber wie viele davon tatsächlich bei Endkunden gelandet sind, bleibt unklar.

Auf jeden Fall hofft das Unternehmen, dass die neue Mobilplattform den eher mauen Marktanteil im Bereich Smartphones etwas aufpäppelt. Microsoft weht hier aufgrund der starken Konkurrenz seitens Google Android und dem iPhone von Apple ein rauer Wind entgegen.

Bringt die Allianz mit Microsoft neue Entwickler an Bord?
Den Entwicklern und Managern bei Microsoft mögen diese Updates wie Kinderspiel erscheinen im Vergleich zu der monumentalen Aufgabe, Nokias Software-Filetstücke in das Windows Phone 7-Betriebssystem zu integrieren. Am 11. Februar wurde in London bekanntgegeben, dass Microsoft und Nokia eine Allianz gebildet haben, die zum Ziel hat, Windows Phone 7 auf Nokia-Geräte zu portieren. Als Teil dieser Abmachung wird Nokias Ovi-Kartenanwendung zum Bestandteil von Microsofts Kartendiensten, Bing wird zur voreingestellten Suchmaschine auf Nokia-Geräten. Nokias Online-Shop für Ovi-Anwendungen wird mit Microsofts Marktplatz verschmolzen.

Für Microsoft bedeutet die Übereinkunft mit Nokia, dass die Zahl der Entwickler, die die Microsoft-Entwicklertools nutzen werden, darunter Visual Studio 2010, Expression 4, Silverlight und das XNA Framework, um Anwendungen und Spiele zu programmieren, steigen wird. Anscheinend wird Nokia weiterhin das Entwicklungsframework Qt, das die Grundlage von Symbian bildet, unterstützen.

Purnima Kochikar, bei Nokia zuständig für die Betreuung der Entwicklergemeinde, veröffentlichte am 11. Februar eine entsprechende Nachricht auf dem hauseigenen Entwickler-Forum. Aber nachdem nun die Windows Phone-Plattform zur treibenden Kraft hinter Nokias Smartphone-Strategie geworden ist, stellt sich die Frage, wie lange das finnische Eigengewächs noch überleben kann?

Gefühle kochen über
Angesichts der wütenden Reaktionen auf Kochikars Mitteilung („Ein trauriger Tag für Nokia, die Geschichte wird zeigen, was für ein Fehler diese Entscheidung wirklich ist”, beklagt sich ein Entwickler) und den Berichten über Nokia-Angestellte, bei denen das Abkommen Bestürzung auslöste, besteht die Sorge, dass Nokia bald zum reinen Hardware-Hersteller degradiert wird, ähnlich wie HTC oder Samsung.
„Es ist für alle Angestellten ein emotionaler Ausnahmezustand, und damit umzugehen ist hart, weil die Veränderung so drastisch ist”, teilte Nokias Geschäftsführer Stephen Elop laut Agenturberichten Journalisten während des Mobile World Congress mit. „Bei mir hat der Bewältigungsprozess viereinhalb Monate gedauert, und am Ende dieses Prozesses hatte sich mein Standpunkt grundlegend verändert.“

Unabhängig davon, ob diese Entwickler und Nokia-Angestellten jemals darüber hinwegkommen werden, dass ihre Produkte am Ende mit Windows Phone 7 ausgeliefert werden, sollen für die Plattform im Laufe dieses Jahres kontinuierlich Updates erscheinen.