Die Vergabe der letzten IPv4-Adressblöcke wird keinen Ansturm auf IPv6 auslösen

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Vor kurzem wurden die letzten IPv4-Adressblöcke vergeben. Trotzdem besteht vorerst kein Anlass zur Sorge, sagt Wayne Rash, man solle nur nicht überstürzt auf IPv6 umstellen.

Als die IANA (Internet Assigned Numbers Authority) kürzlich die letzten verfügbaren IPv4-Adressblöcke an die regionalen Internet-Registrare vergab, läutete dies nicht das Ende der Welt ein, nicht einmal das Ende des Internets. Genau genommen bedeutet dies nicht einmal das Ende der IPv4-Adressen. Man wird das IPv4-Protokoll noch einige Zeit weiter benutzen können, voraussichtlich die nächsten paar Jahre.

Zur Neige gegangen sind die neuen IPv4-Adressen, die die IANA an die fünf Internet-Registrare, die über alle Kontinente verteilt sind, vergibt. Diese regionalen Einrichtungen können nach wie vor Adressen an Unternehmen und Organisationen vergeben, die diese benötigen, und werden dies in den kommenden Monaten auch weiterhin tun.

In der Praxis werden die meisten Internetbenutzer keinerlei Veränderungen bei der Adresszuteilung bemerken. Alle großen Internet-Provider haben IPv4-Adresspools, aus denen sie je nach Bedarf Adressen vergeben können. Die meisten dieser Provider benutzen private Adresspools und brauchen sich vielleicht sogar niemals umstellen. Aber in manchen Netzwerken werden die Auswirkungen dieser Entwicklung zu spüren sein. Darunter fallen Konzerne und andere große Organisationen, die gleichzeitig ISP in eigener Sache sind und über einen eigenen Adresspool verfügen. Wenn diese Adressen aufgebraucht sind, müssen entsprechende Maßnahmen getroffen werden.

Kein Grund zur Hektik

Momentan gibt es keinen Anlass, hektisch auf IPv6 umzustellen. Eher dagegen spricht, dass es derzeit kaum öffentlich zugängliche Internetseiten gibt, die IPv6 verwenden, bei einem Umstieg wäre daher die Zahl der abrufbaren Webseiten äußerst eingeschränkt. Laut neuesten Schätzungen beläuft sich der Anteil der IPv6-Webseiten global auf weniger als 0,2 Prozent. Es gibt also einige wenige Internetseiten, die über IPv6-Verbindungen erreicht werden können, allerdings können diese Seiten in der Regel auch per IPv4 aufgerufen werden.

Weshalb also die Aufregung? Letzten Endes werden die Großunternehmen und Organisationen ihre IPv4-Adresspools erschöpfen und müssen dann entweder auf ein privates Netzwerk auf NAT-Basis oder gleich auf IPv6 umsteigen, falls dies möglich ist. Da die Nachfrage nach IPv4-Adressen immer weiter ansteigen wird, aber das Angebot an verfügbaren Adressen zunehmend schrumpft, gewinnt der Umstieg auf IPv6-Netzwerke an Attraktivität. Irgendwann werden Unternehmen feststellen, dass manche Verbindungen mit geringem Aufwand und ohne Beeinträchtigung anderer Dienste auf IPv6 umgestellt werden können. Darunter gehört zum Beispiel der Datenverkehr zwischen einzelnen Rechenzentren oder zwischen Rechenzentren und Cloud Computing-Providern oder sogar innerhalb eines einzigen Rechenzentrums.

Die Umstellung auf IPv6 wird vermehrt IPv4-Adressen für Endkunden verfügbar machen, für die IPv6 keine Option ist sowie für Netzwerk-Infrastrukturen, die nicht kompatibel sind mit IPv6 und auch nicht darauf umgerüstet werden können. Irgendwann werden auch Teile des öffentlich zugänglichen Internets IPv6 unterstützen, aber nicht von heute auf morgen. Und selbst wenn der Umstellungsprozess einmal angelaufen ist, wird es ein allmählicher Übergang werden.

In der Übergangsphase werden Webseitenbetreiber ihre Inhalte nach und nach auch für IPv6-Verbindungen anbieten, während die IPv4-Seiten weiterhin online bleiben. Google und die US-Onlinevideothek Netflix machen dies schon heute vor. Daraus folgt, dass die meisten internettauglichen Endgeräte von Anwendern in der Lage sein müssen, sowohl IPv4 als auch IPv6 zu unterstützen, um so alle Internetseiten abzudecken. Glücklicherweise sind beinahe alle modernen PCs und Netzwerke dank Dual-IP-Stack-Technologie in der Lage, beide Protokolle gleichzeitig zu unterstützen. So ist bei PCs mit Windows 7 standardmäßig IPv6-Unterstützung installiert und aktiviert. Die meisten modernen Switches und Router beherrschen heutzutage sowohl IPv4 als auch IPv6.

Fit für IPv6

Die größte Hürde für Unternehmen ist die reibungslose Umstellung des Firmennetzwerks auf IPv6, wobei gleichzeitig sichergestellt werden muss, dass die für den Geschäftsbetrieb notwendigen Webseiten weiterhin erreichbar bleiben. Leider haben die meisten großen Internetprovider die Umstellung noch nicht vollzogen und können daher kaum Hilfestellung bieten. Die Firma Hurricane Electric hat jedoch ein IPv6-Tunnelverfahren entwickelt, das den Zugriff auf das IPv6-Internet ermöglicht, selbst wenn der eigene Provider keine Möglichkeit dazu bietet.

Wenn also kein Grund zur Eile besteht, heißt das, dass man als IT-Verantwortlicher die Hände in den Schoß legen kann? Nicht unbedingt. Viele Firmen werden sich mittelfristig mit dem Thema auseinandersetzen müssen, nämlich dann, wenn sie keine andere Wahl haben, als einige Netzwerk-Funktionen auf IPv6 umzustellen. Letzten Endes wird es nicht ausreichend Adressen für alle geben, selbst wenn Adressen mittels dynamischer Adressverwaltung mehrfach verwendet werden können und die IT-Abteilung damit den Zeitpunkt des Umstellens hinauszögern kann.

Es ist jedoch eine gute Idee, mit der Umstieg nicht bis zur letzten Minute zu warten. Vielmehr sollten sich die IT-Verantwortlichen die Zeit nehmen, Geräte im Netzwerk ausfindig zu machen, die nicht IPv6-tauglich sind und diese entweder durch kompatible Geräten ersetzen oder sie in einem Bereich des Netzwerks einsetzen, der noch nicht so bald auf IPv6 umgestellt werden muss. Bei Geräten mit IPv6-Option sollte man die Umstellung ins Auge fassen, soweit dies ohne größeren Aufwand möglich ist. Ist dies nicht der Fall, sollten diese Geräte als nicht IPv6-tauglich erachtet und entsprechend werden und entsprechend behandelt werden.

Geräte und PCs, die IPv6 laut Herstellerangaben voll unterstützen, sollten vor der Umstellung getestet werden. Es kann sinnvoll sein, dabei auf die Dienstleistungen einer Firma wie Hurricane Electric zurückzugreifen, um zu überprüfen, wie das eigene Netzwerk den Umstieg auf IPv6 verkraftet.