Risiko IT-Offshoring

IT-ManagementIT-ProjekteOutsourcing
Wartungsarbeiten in Stratos Rechenzentrum in Berlin. (Foto: Strato)

Die Berater der Ardour Consulting Group warnen davor, IT-Funktionen überstürzt ins Ausland zu verlagern. Die Kosteneinsparungen seien zwar reizvoll, doch oft fehle es an einer ganzheitlichen Betrachtung – die Risiken werden unterschätzt.

Nach einer Auswertung kundenbezogener Risikoanalysen kommt man bei Ardour Consulting zu dem Schluss, dass ein IT-Offshoring in zwei von drei Fällen nicht oder nur bedingt zu empfehlen ist. Zwar habe das Offshoring als Instrument zur Kostensenkung auf den ersten Blick einen großen Charme, wie Ardour-Geschäftsführer Michael Maicher erklärt, und man könne speziell bei den Personalkosten schnell mit signifikanten Einsparungen glänzen. »Aber mit einem verengten Blick auf die Kostenreduzierung wird man dem komplexen Sachverhalt zu wenig gerecht«, so der Experte. Mit dem fachlichen Anspruch, der dem auszulagernden Service zugrunde liegt, steige der Risikograd progressiv.

Dem würden die Bewertungsprozesse in vielen Firmen allerdings nicht gerecht, da man sich dort vor allem auf die Nutzenaspekte konzentriert. Den vielfältigen Risiken widmet man nicht dieselbe Aufmerksamkeit. Maichers Erfahrung nach werden die Risikopotenziale vor allem dann nur noch der Form halber erörtert, wenn »der Rotstift die strategische Entscheidung für das Offshoring führt«.

Größtes Problem beim Offshoring ist laut Ardour Consulting, dass sich mit den vorhandenen Ressourcen und Kompetenzen die Schnittstellen zum Leistungspartner im Zielland nicht präzise genug managen lassen. »Bei reinen Hosting-Services ist der Koordinationsbedarf vielleicht noch vergleichsweise gering, weil solche technischen Dienste in hohem Maß automatisiert ablaufen können. Aber sobald die Services von einem hohen Maß an Manpower wie etwa bei der Softwarewartung oder Entwicklungsaufgaben geprägt sind, dann entstehen schnell sehr kritische Koordinations- und Organisationsbedingungen«, erklärt Maicher. Dafür verantwortlich seien beispielsweise schwierige Sprachbedingungen, kulturelle Unterschiede oder unterschiedliche Auffassungen von Qualität und Leistungspotenzialen.

Die Frage sei weniger, ob es fachlich passt, sondern ob die richtigen Bedingungen geschaffen werden können, um Prozesse anforderungsgerecht zu steuern, so Maicher. Könne man das nicht sicherstellen, sei vom Offshoring vor allem bei geschäftskritischen Services abzuraten, weil die Kostenvorteile mit unkalkulierbaren Risiken bezahlt würden.