Server-Appliances: HP und Microsoft verbünden sich

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Gemeinsam wollen HP und Microsoft künftig Server-Appliances anbieten. IDC-Analyst Giorgio Nebuloni analysiert für ITespresso.de die Hintergründe der Zusammenarbeit und zeigt auf, wo speziell für HP die Risiken liegen.

Am 19. Januar 2011 starteten Microsoft und Hewlett-Packard offiziell ein gemeinsames Appliance-Portfolio, bestehend aus vorkonfigurierten Rechenzentrumslösungen auf Basis von HP Server-, Speicher- und Netzwerkprodukten und den Enterprise-Applikationen von Microsoft (Windows Server, Microsoft SQL Server, Microsoft Exchange und Microsoft SharePoint). Bereits vor einem Jahr hatten die beiden Hersteller eine entsprechende Vereinbarung bekanntgegeben. Mit diesen Server Appliance-Lösungen wollen HP und Microsoft vor allem drei Anforderungen adressieren: Vollständigkeit (alle benötigten Software-, Hardware- und Supportkomponenten), Optimierung (Komponenten für jede Lösung müssen optimiert sein) und Agilität (verschiedene Appliances mit unterschiedlichen Konfigurationen für die verschiedenen Kundensegmente).

Herausforderungen und Chancen

Nach Meinung von IDC stehen hinter diesem Schritt von HP und Microsoft sowohl defensive als auch offensive Überlegungen. Im Hochpreissegment reagieren die beiden Hersteller damit auf den Trend hin zu vorkonfigurierten Business Intelligence/Data Warehouse-Produkten. Gleichzeitig bieten sie allem Anschein nach erste Appliance-Lösungen auch für andere Bereiche an; insbesondere die Segmente Messaging (HP E5000 Messaging System) sowie BI für kleine (Zweigstellen) und mittelständische Firmen (HP Business Decision Appliance). Damit sind sie in der Lage, mehr Kunden zu adressieren und einen Massenmarkt für solche Appliances zu schaffen. Gerade was diese »Kommoditisierung« angeht, macht Microsoft und HP so schnell kein anderer etwas vor.

Bei der Partnerschaft zwischen Microsoft und HP steht zwar die Technologie im Mittelpunkt, doch noch mehr Chancen bieten sich in der Vermarktungsstrategie, denn umsatzmäßig ist das Ganze auch insofern interessant, als solche vorkonfigurierten Lösungen zusätzliches Software- und Services-Geschäft nach sich ziehen. Beide Hersteller können auf eine große Kundenbasis und entsprechende Marktanteile in EMEA zugrückgreifen, die sie mit Upgrades versorgen. Anders als die Konkurrenten Oracle, EMC und IBM, die ihre hochpreisigen BI-, Data Warehouse- und OLTP-Lösungen hauptsächlich im Direktvertrieb vermarkten, soll in EMEA das flächendeckende Partnernetzwerk für den Vertrieb genutzt werden. Aber auch der Direktvertrieb wird mit eingebunden. Da komplexere Produkte nach wie vor Beratungsleistung erfordern, kommen im Bewertungs- und Planungsprozess auch die Beratungsdivisionen der beiden Hersteller beziehungsweise externe Systemintegratoren zum Zuge.

Der BI- und Data Warehouse-Markt war im Jahr 2010 von den Konsolidierungsbestrebungen der großen Anbieter charakterisiert. Mit ihrer Ankündigung sind nun auch Microsoft und HP offiziell in das Gerangel um Marktanteile eingestiegen und haben auch in anderen Segmenten, insbesondere Mail und Collaboration, ihren Rivalen den Kampf angesagt.

Konsolidierung wird auch auf Kundenseite groß geschrieben: Immer mehr EMEA-Kunden wollen mit immer weniger Lieferanten ihre IT-Bereiche schneller einsatzbereit machen. Damit ist so gut wie sicher, dass Computing Appliances den Massenmarkt erobern werden. Im Gegensatz zu ihren Konkurrenten sind HP und Microsoft gefordert, Entwicklung und Vermarktung zwischen zwei verschiedenen Unternehmen zu koordinieren. HP muss zudem aufpassen, seine Wettbewerbsdifferenzierung nicht zu verlieren, falls Microsoft auf die Idee kommt, diese Art Lösungspakete auch mit anderen x86-Lieferanten zu entwickeln, was der Softwareriese nicht explizit ausgeschlossen hat. Hier wären insbesondere Dell und Fujitsu, die bereits Microsoft Azure Partner sind, wahrscheinliche Kandidaten. Für HP ergeben sich Wettbewerbsvorteile aus der Partnerschaft vor allem aus dem gemeinsamen Marktangang sowie aus der Tatsache, dass der Anbieter bei großen EMEA-Kunden sehr viel stärker vertreten sein wird.

 
Giorgio Nebuloni ist Senior Research Analyst bei IDC in der EMEA Systems and Infrastructure Solutions Group. Er analysiert den Enterprise Server Markt mit dem Schwerpunkt des Volume- und x86 Server-Segments, zudem fokussiert er sich auf Themen wie Blade Server, Virtualisierung sowie Power & Cooling im Datacenter.