Wikileaks-E-Book verursacht bereits Kritik

Politik

Die New York Times hat gemeinsam mit Barnes&Noble ein E-Book produziert, das die Geschichte von Wikileaks und seinen Veröffentlichungen der US-(Un)Diplomatie-Depeschen erzählen soll. Kritiker halten es für fachlich falsch und einen journalistischen  Fehlgriff. Dabei ist das Werk noch gar nicht komplett erhältlich.

Unter dem Titel »Open Secrets« will die New York Times am 31. Januar ein Buch über »Wikileaks, Krieg und amerikanische Diplomatie« veröffentlichen. Die Reporter der NYT halten darin an der These fest, Bradley Manning, der schon das Video von der Zivilisten-Tötung im Irak weitergegeben hatte, sei auch die Schwachstelle bei den von Wikileaks veröffentlichten US-Diplomatie-Depeschen, wenngleich FBI-Forschungen inzwischen keinerlei Verbindungen herstellen konnten.

NYT-Chefredakteur  Bill Keller veröffentlichte schon einen Teil seiner Beiträge, in denen er vor allem seine eigene Rolle beschreibt. Kein Wunder, dass Wikileaks-Mitglieder die NYT inzwischen auf die schwarze Liste der Medien gesetzt hat, denen Information eher verweigert werden und die man nicht mehr ernst nimmt.
Essays von Keller und den Autoren Frank Rich und Maureen Dowd laufen in dieselbe Richtung: Die Journalisten hätten Assange immer als manipulierend und unberechenbar gesehen; der verschwörerisch und dünnhäutig wirkende Australier sei immer feindseliger gegenüber der Zeitung geworden.

Wikileaks sieht dies in einer ersten Reaktion über Twitter als »Schmiererei« und als »schwarzen Tag für amerikanischen Journalismus«.

Das schon vorab umstrittene E-Book ist ab 31.01. nur in den USA (unter ISBN-13: 9780615439570, ISBN: 0615439578) bei Barnes&Noble, bei Amazon, in Googles E-Book-Store und Apples ibookstore zu haben. Bei Amazon zahlt man mit 9,19 US-Dollar fast doppelt so viel wie bei Barnes&Noble (5,99 Dollar).

Während die Medien damit gezielt Gewinn machen wollen und jetzt schon Vorbestellungen entgegennehmen, mehrt sich die Kritik am Umgang der Verlage und der Politik mit dem Thema. Assanges Haftbedingungen seien außerdem unwürdig, die Befragungsmethoden der US-Behörden gegenüber Bradley Manning entsprächen KGB-Methoden, heißt es inzwischen in verschiedenen Medien.

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