Mögliche Lenovo-NEC-Fusion könnte PC-Markt völlig umkrempeln

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Der Kampf um die PC-Komponentenpreise könnte in eine heiße Phase treten und die Zulieferer kräftig durchmischen – vor allem mit Verlierern in Taiwan, fürchten die dortigen Auftragshersteller. Gewinner wäre nach dem Preiskampf erst einmal der Notebook-Käufer.

Die taiwanische Digitimes ist bekannt dafür, die Nöte und Sorgen der Computerindustrie der chinesischsprachigen »Silizium-Insel« zu verbreiten und frühzeitig die Auswirkungen von Marktveränderungen richtig zu erkennen.

Zuletzt lagen die Ängste der taiwanischen Herstelle eher beim Geschäft mit den Tablets: Man gruselte sich vor Apples iPad 2, hieß es noch im November. Das damalige »Ach, wenn es mir nur gruselte!« muss seinerzeit von Vielen belächelt worden sein, aber richtig schlottern würden die Knie der taiwanischen Auftragnehmer nun davor, dass der viel wichtigere Notebook-Bereich kräftig durchgeschüttelt werden könnte – wenn denn die Berichte über einen kommenden Kauf des japanischen Computerbauers NEC durch Lenovo stimmten.

NEC hatte zwar schon versichert, dass es noch nichts Offizielles gebe und noch nichts unterschrieben sei, und eine Entscheidung sei noch lange nicht getroffen. Doch den Taiwanern schlottern trotzdem ganz kräftig die Knie: Wenn Lenovo und NEC sich tatsächlich zusammentäten – selbst wenn es nur in einer Kooperation geschähe -, würde sich kurzfristig zwar nicht so viel ändern, denn beide hätten noch separate Lieferketten. Doch Langfristig könnten die beiden die Preise vorgeben und den Markt noch viel mehr aufmischen als HPs »absurde« Einkaufspreis-Anforderungen im Oktober.

Bei gemeinsamem Einkauf könnten sie durch die schiere Masse nicht nur die Komponentenpreise auf ein niedrigeres Niveau zwingen, sondern sogar bei gemeinsamen Auftragsverhandlungen ihre Zulieferer aus Taiwan unter Kostendruck setzen. Lenovo liefert jedes Jahr über 30 Millionen Computer aus, 20 Millionen davon Notebooks. Die werden allesamt ausgelagert und nur die Desktops entstehen im eigenen Hause. Auch die All-in-one-Geräte würden an Auftragnehmer vergeben. Auch NEC lagert seine Notebook-Produktion von ein paar weniger Millionen Geräten nach Taiwan aus, allerdings an andere Auftragnehmer.

Die Hersteller in Taiwan haben nicht einmal Angst vor Auftragsverlusten – aber vor noch weiteren Kostenreduktionen, die die Gewinnmargen noch weiter senken werden. Lenovo, derzeit Nummer 4 auf dem Weltmarkt, könnte durch aggressive Preispolitik ein bis zwei Plätze nach oben in der Liste rutschen. Und einige taiwanische Arbeitnehmer auf der Straße.

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