Wohin steuert ChromeOS?

ChromebookWorkspace

Nach der gestrigen Vorstellung der ersten ChromeOS-Netbooks und vielen neu aufgetauchten Fakten stellt sich die Frage: Ist das System in Wirklichkeit dafür gedacht, bisherige ThinClients im Geschäftbetrieb zu verdrängen und dem alten Nutzungsmodell mehr Sexappeal zu verschaffen?

Bereits 60.000 ChromeOS-Netbooks wurden an Google geliefert, und Google zeigte erstmals die Entwicklerversion seines ChromeOS-Netbooks »Cr 48«. Hinter dem steckt der taiwanische Auftragsfertiger Inventec.

Das erste ChromeOS-Gerät wird akso, ähnlich wie das erste Android-Handy Nexus One, anfangs nur an Google selbst geliefert und von da erst an Interessenten verschenkt. Das Pilotprogramm für Anfragen nach dem Gerät wendet sich vor allem an Entwickler und Meinungsmacher, allerdings erst nur in den USA.Einen Onlinezugriff über Verizon hat man ins Pilotgerät integriert.

Google erklärt kokett: ChromeOS ist »nur für Leute, die im Web leben« und »Nichts für schwache Herzen«.

Während Digitimes die Lieferung durch Inventec mit dem Wort »Netbook« schmückt, nennen US-Medien das Gerät ein »Notebook«. Google-Chef Schmidt sagt selbst, dass es eher so etwas wie ein Thin Client, aber durch ChromeOS einer für aktuellste Technik, ist.

Das vorgestellte 12,1-Zoll-Gerät kommt mit UMTS, Webcam, 802.11n-WLAN und normal großer Tastatur, hat keine Festplatte und kein optisches Laufwerk (es ist ja eh alles im Web, was man so braucht).

Nachdem Google zuerst einige Updates zu Android (samt Handy dazu) bekanntgab und Neuheiten zu Chrome und ChromeOS veröffentlichte sowie den Chrome Webstore startete, ist der nächste große Streich des Internet-Riesen eben dieses ChromeOS-Entwicklungs-Gerät.

Inventec lieferte es an Google und könnte eventuell auch die Auftragsherstellung für andere Anbieter übernehmen – der Suchprimus verspricht Geräte weiterer Hersteller in der ersten Jahreshälfte 2011 – Acer wurde in Gesprächen immer wieder genannt.

Und ja, Acer habe bereits mit Quanta zusammengearbeitet, um ein 10,1-Zoll-ChromeOS-Netbook mit WiFi- und Bluetooth-Komponenten auszustatten, bestätigt Taiwans Branchenmedium Digitimes. Allerdings sei der Hersteller bei Angaben zu Marktchancen von ChromeOS noch recht zurückhaltend: Nutzer würden ihre Gewohnheiten eben nicht so schnell umstellen. Im ersten Quartal 2011 würden die Hersteller sowieso erst einmal auf Android 3.0 (»Honeycomb«) für neue Tablets setzen, was ChromeOS noch ein wenig Zeit gäbe, sich zu positionieren.

Auch Samsung plane ein ChromeOS-Gerät für Mitte des Jahres, erklärt Google. Da muss also doch ein Markt sein – doch ist der beim Konsumenten? Bei den Google-Worten zu Thin Clients drängt sich eher auf, dass man eher einen Absatzmarkt bei Unternehmenskunden sieht, die ihre herkömmlichen alten Thin Clients durch billige, aber leistungsfähigere Netbooks ersetzen wollen und ihre teuren Rechenzentren durch die preiswerteren Public Clouds. ThinClient-Hardwarefirmen wie VXL und ThinClient-Softwarespezialisten wie Citrix müssen sich also warm anziehen.

Und wer Funktionen wie Cloud Print (siehe Bild), die Oflineunktionn von ChromeOS und Dinge wie Cloud Connect für die Office-Einbindung entdeckt, dürfte auch eher zu der Ansicht neigen, dass der Internetriese den Appeal der flashigen Konsumenten-Systeme nun beim Geschäftskunden unterbringn will, um sich auch hier endlich breit zu mchen. Google ist das nächste Microsoft und die Strategien zur Markteroberung erstaunlich ähnlich.

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