Chinesischer Telekommunikationsexperte sieht »Völkerwanderung zur größeren Bandbreite«

Auf dem Broadband Worldforum in Paris diskutierten Experten die neuesten Lösungsansätze für Glasfaserprojekte (Fttx) und andere Breitbandtechniken. Bei den technischen Möglichkeiten und Forschungs-Investitionen sieht Europa hier ganz schön alt aus.

von Gudrun Kosche 0

Rockefellers Geschäftsprinzip gerät in der Telekommunikationsindustrie erstmals ins Wanken: Die Öllampen sind verschenkt, finden reißenden Absatz, doch jetzt warten die Kunden auf das Öl. Die TK-Branche kann den Bedarf, den sie selbst geweckt hat, zur Zeit nicht befriedigen. Was fehlt, sind ausreichend schnelle Verbindungen im Internet. Dem Problem der fehlenden Bandbreiten rücken verschiedene Firmen mit verschiedenen Ansätzen zu Leibe. Den aggressivsten Vorstoß unternimmt derzeit ZTE, einer der beiden größten Telekommunikationsausrüster Chinas, der seine neueste Lösung, UNI-FAN (Unified Intelligent Fixed Access Network) kürzlich auf dem Broadband Worldforum in Paris dem Fachpublikum vorstellte.

Die Geister, die sie riefen, wollen Telekommunikationsanbieter im Unterschied zu Goethes Zauberlehrling durchaus nicht mehr loswerden. Doch momentan werden sie ihnen nicht Herr. Was als kleines bescheidenes Rinnsal begann – die Nachfrage nach neuen Telekommunikations- und Mehrwertdiensten entwickelte sich zunächst nur zögerlich – schwoll an zu einem reißendem Strom, der bei Goethes Zauberlehrling »das ganze Haus« als »Ausgeburt der Hölle« schier »ersaufen« lässt. Doch in der TK-Branche trocknet die immer größere Nachfrage nach Videokonferenzen, HDTV, IPTV, hochauflösendem Video-on-Demand, Telemedizin oder netzbasierten Storage-Services die Netze schier aus.

Oft genug ist es Self-Fulfilling Prophecy, die den Markt anheizt. Anbieter neuer Technologien wecken genau die Bedürfnisse – zum Beispiel nach Videokonferenzen, die helfen, die Reisekosten einzudämmen und deshalb sehr beliebt sind – die sie wiederum mit ihren Technologien direkt oder indirekt stillen können: Also im Falle der Videokonferenzen freuen sich nicht nur Hersteller von Videokonferenzsystemen über steigende Akzeptanz, sondern auch TK-Ausrüster, die schnellere Internetverbindungen bereitstellen.

IPTV verschlingt die größten Bandbreiten
Manchmal verbinden sich die Interessen, wie im Falle IPTV: Das Internet-Fernsehen verschlingt große Bandbreiten, und ZTE, einer der beiden größten Telekommunikationsausrüster Chinas, entwickelt nicht nur Technologien, die den Ausbau der Bandbreiten vorantreiben, sondern eben auch IPTV-Equipment. Der Erfolg auf dem einen Gebiet scheint den anderen Erfolg nach sich zu ziehen. Und so hat das Marktforschungsunternehmen Frost & Sullivan mit Sitz in Frankfurt am Main ZTE kürzlich als »2010 IPTV Equipment Vendor of the Year« ausgezeichnet. ZTE war im ersten Halbjahr 2010 weltweit der drittgrößte IPTV-Anbieter im IPTV-Middleware-Markt und führender Anbieter in diesem Markt in Asien und China. Eigenen Angaben zufolge hat ZTE bislang mehr als 63 Millionen Fttx-Ports in über 30 Länder auf allen Kontinenten geliefert, zuletzt nach Litauen, Rumänien, Bulgarien, Ungarn und Italien.

Die hohe Nachfrage torpediert das Geschäft
Doch noch knackt es im Gebälk. Die vorhandenen limitierten Bandbreiten reichen bei weitem nicht aus, um die Nachfrage der immer anspruchsvoller werdenden User nach diesen Diensten zu decken. Die Nachfrage nach den neuen Diensten treibt die Nachfrage nach schnelleren Verbindungen sprunghaft in die Höhe.

(Bild: Von den zukünftigen Breitbandservices treibt vor allem Virtual Reality TV den Bedarf an Bandbreiten voran. Quelle: ZTE)

Der Bandbreitenzuwachs ist Musik in den Ohren des TK-Ausrüsters ZTE, nach Mitbewerber Huawei die Nummer zwei in China, beide mit Hauptsitz in Shenzhen und mit Niederlassungen auch in Deutschland vertreten. »Wie hoch der Bedarf in Zukunft sein wird, kann man sich leicht vorstellen, wenn man alleine den Bereich IPTV betrachtet«, erläuterte Dr. Peihong Hou, Chief Technology Officer und Managing Director Deutsche Telekom Business Unit der ZTE Deutschland GmbH. »So benötigt ein HDTV-Kanal via IP zwischen 6 und 12 MBit pro Sekunde im Downstream. Pro Wohneinheit werden drei Kanäle üblich sein, denn schließlich wollen die Eltern andere Programme sehen als ihre Kinder. Mit den heute so weit verbreiteten 6 MBit-DSL-Anschlüssen kommt man also nicht weit. Schätzungen zufolge werden in Zukunft allein für HDTV-Angebote mindestens 50 MBit pro Privathaushalt benötigt«, prognostiziert der Experte für optische Netze.

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