Greenpeace-Guide: Die Musterschüler der Elektronik-Branche

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Wieder einmal verteilt Greenpeace in seinem »Guide to Greener Electronics« Punkte für Elektronik-Hersteller, die bei der Fertigung auf schädliche Substanzen verzichten. Handy-Hersteller wie Nokia oder Sony Ericsson werden gelobt, einige andere allerdings kräftig abgewatscht.

Ranglisten mit den umweltfreundlichsten Herstellern kommen immer mehr in Mode. Newsweek hat eine, WWF und Gartner haben eine und Greenpeace hat sogar zwei: Das »Cool IT Leaderboard« und den »Guide to Greener Electronics«. Das »Leaderboard« kümmert sich in erster Linie um den Aspekt Klimawandel und die Klimapolitik der Unternehmen.

Vom »Guide« hat Greenpeace gerade die 16. Ausgabe veröffentlicht.
Die Rangliste entsteht letztlich aus der Bewertung der konkreten Maßnahmen, mit denen Elektronikhersteller die Umweltbelastung reduzieren. Untersucht werden dabei der Ausstoß von Treibhausgasen, aber insbesondere auch die Verwendung bzw. die Vermeidung von giftigen Substanzen in der Produktion und in den Produkten sowie die Entsorgungspolitik der Hersteller.

Punkte von 0 bis 10
Greenpeace benutzt nach eigener Aussage drei Kriterien, mit Hilfe derer letztendlich eine Punktzahl von 0 bis 10 für den jeweiligen Elektronikhersteller ermittelt wird.
• Eliminieren von schädlichen Substanzen in Produkten
• Rücknahme und Recycling der Produkte
• Reduzierung von Treibhausgasen im Geschäftsbetrieb und in der Produktion

Seit 2005 verwendet Nokia kein schädliches PVC mehr in seinen Mobiltelefonen.

Eine Grundlage der Bewertung ist die EU-Richtlinie RoHS (Restriction of Hazardous Substances in Electronics). Die Richtlinie regelt die Verwendung schädlicher Substanzen in Elektronik-Produkten. Je nachdem, wie gut Hersteller die EU-Richtlinie unterstützen und selbst umsetzen, sammeln sie Punkte. Dabei gibt es auch Strafpunkte, beispielsweise, wenn ein Hersteller sich nicht an seine eigenen Vorgaben hält.

Die Top 5 Hersteller

1. Nokia – 7,5 Punkte
Den ersten Platz in der Rangliste nimmt der finnische Mobiltelefonhersteller Nokia ein. Die Finnen bekommen 7,5 Punkte. Verdient hat sich Nokia den ersten Platz durch den Verzicht auf toxische Substanzen in der Produktion und den Produkten. Seit 2005 gibt es laut Greenpeace kein PVC (Polyvinylchlorid) mehr in den Handys. Alle neuen Modelle seit 2010 sind frei von flammhemmenden Substanzen auf Chlor- oder Brom-Basis. Nur in punkto Elektroschrott-Entsorgung schneidet Nokia nicht so gut ab.

2. Sony Ericsson – 6,9 Punkte
Der Handy-Hersteller schneidet bei der Vermeidung schädlicher Substanzen von allen Marken am besten ab. Alle Sony Ericsson-Produkte sind frei von PVC und Brom. Seit Januar 2008 verzichtet Sony auch weitgehend auf die Verwendung schädlicher Substanzen wie zum Beispiel das Metall Beryllium.
3. Philips – 5,5 Punkte
Der niederländische Elektronikkonzern hat einen LED-Fernseher auf den Markt gebracht, der frei von PVC und Brom ist. Das erste TV-Gerät überhaupt, das dieses Kriterium erfüllt. Greenpeace lobt generell, dass Philips versucht, schädliche Substanzen in der Produktion zu vermeiden. Bis Ende 2010 will Philips komplett auf Weichmacher (Phthalate) oder Antimon-Legierungen verzichten. Seit 2008 verwendet der Konzern auch kein Arsen mehr in der Frontscheibe von TV Geräten.

4. HP – 5,5 Punkte
Der IT-Gigant hatte im Mai dieses Jahres noch den achten Rang belegt. Greenpeace begründet die bessere Bewertung im Oktober vor allem mit dem Verzicht auf PVC und Brom und dem Versprechen HPs, bis Juli 2011 gänzlich auf Beryllium zu verzichten. Zudem hat HP mehrere PCs, Notebooks und Displays im Portfolio, die ohne PVC und Brom auskommen. Darunter den ersten PVC-freien Drucker.

5. Samsung – 5,3 Punkte
Ist von Platz 13 auf den fünften Platz aufgestiegen. Im wesentlichen deshalb, weil Strafpunkte, die Greenpeace Samsung in der Vergangenheit aufgebrummt hatte, jetzt erlassen wurden. Samsung ist in punkto Vermeidung schädlicher Stoffe wieder auf gleicher Höhe mit der Konkurrenz.

Auch Greenpeace ist überzeugt von den »grünen« Qualitäten der Sony Ericsson-Handys.

Die Plätze 6 bis 10
Nachfolgend die anderen Hersteller bis Platz zehn, jeweils mit einer kurzen Begründung.

6. Motorola, Panasonic und Sony – jeweils 5,1 Punkte
Bei Motorola sind alle neuen Mobiltelefone frei von PVC. Panasonic glänzt durch die Rücknahme von TV-Geräten auch in Nicht-OECD-Ländern. Sony sammelt Punkte, da alle Vaio-PCs und andere Modelle wenigstens teilweise frei von PVC und Brom sind.

9. Apple – 4,9 Punkte
Alle Produkte PVC- und Brom-frei.

10. Dell – 4,9 Punkte
Unterstützt die RoHS-Richtlinie der EU.

Die Schlusslichter
Weniger Grund zur Freude am »Guide to Greener Electronics« werden Toshiba, Microsoft und Nintendo haben. Sie belegen die Plätze 16, 17 und 18. Greenpeace übt teilweise herbe Kritik. Toshiba wird kritisiert, weil es das Versprechen, PVC- und Brom-freie Produkte bis April 2010 anzubieten, nicht eingehalten hat. Gleiches gilt für Microsoft. Bis jetzt hat Microsoft laut Greenpeace keine Produkte, die frei von den schädlichen flammhemmenden Substanzen sind.

Das Schlusslicht bildet Nintendo, unter anderem deshalb, weil beim Thema Elektroschrott keine Fortschritte zu verzeichnen sind.

Die Version 16 des »Guide to Greener Electronics« von Greenpeace. Nokia liegt auf Platz eins, Microsoft und Nintendo auf den letzten Plätzen.

Der »Guide« erscheint in unregelmäßigen Abständen, die erste Ausgabe war im August 2006 veröffentlicht worden. Unternehmen, die bei Greenpeace Lob kassiert haben, bekommen ein schönes Werbeargument geliefert. Vor allem, da die renommierten Umweltschützer gerade bei den Anhängern des Digital Lifestyle einen sehr guten Ruf genießen.

Für Verbraucher eröffnet der »Guide to Greener Electronics« die Möglichkeit, die grünen Versprechungen der Elektronik-Hersteller zu überprüfen. Und für die Verlierer unter den Herstellern bleibt immerhin ein Trost. Der nächste Greenpeace-Guide kommt bestimmt.