IT-Firmen sind gute Klimaschützer

Green-ITInnovation

Das US-Nachrichtenmagazin Newsweek hat eine Rangliste der klimafreundlichsten Unternehmen aufgestellt. Unter den Top Ten weltweit sind sechs IT-Unternehmen, darunter die Telekom.

Wenn es um das Thema Klimaschutz geht, muss sich die IT-Industrie nicht verstecken. Das geht aus einer Veröffentlichung des US-Nachrichtenmagazins Newsweek hervor. Dessen Redaktion hat US-Unternehmen nach diversen Kriterien auf ihre Klimaschutz-Maßnahmen hin untersucht. Als Ergebnis präsentierte Newsweek eine publikumswirksame Rangliste der Unternehmen, geordnet nach ihrem Klima-Engagement. Acht der ersten zehn US-Firmen kommen dabei aus dem Hightech-Bereich.

500 Firmen in der US-Liste
Während die Liste für die USA 500 Firmen auflistet, finden sich in der globalen Liste nur 100 Unternehmen. Auf Platz eins der weltweiten Green-Liste rangiert IBM, in den USA immerhin auf Platz drei. Die Autoren heben besonders hervor, dass Big Blue seine Treibhausgase reduziert und gleichzeitig Produkte und Beratungs-Dienstleistungen anbietet, mit denen Kunden ihren Geschäftsbetrieb klimafreundlicher gestalten können.

Offenbar ist das Thema Umwelt bei IBM kein Modethema. Das Unternehmen habe bereits 1990 angefangen, seinen Verbrauch von Strom und Wasser einzuschränken. Zwischen 1990 und 2000 hätte der IT-Riese seinen Energieverbrauch um 5,1 Milliarden Kilowattstunden reduziert.
 

Adobe konnte durch umweltfreundliche Gebäudetechnik in seinen Büros Punkte sammeln. (Bild: Adobe)

HP auf Platz zwei
Auch HP schneidet in der Hitliste gut ab und liegt weltweit auf Platz zwei. In den USA besetzt HP ebenfalls den zweiten Platz, hinter Dell. Das Unternehmen habe 2008 als erstes Unternehmen damit begonnen, die innerhalb seiner Lieferkette produzierten Treibhausgase zu registrieren. Zudem hat der Konzern auch die Umweltfreundlichkeit seiner Drucker, PCs und Server deutlich verbessert.

HP schätzt, dass die Kunden mehr als 10,4 Milliarden Dollar an Stromkosten und mehr als 40 Millionen Tonnen Kohlendioxid einsparen könnten, wenn sie ihre HP-Produkte, die sie 2005 gekauft hatten, gegen aktuelle Modelle austauschen würden. Das würde, nebenbei gesagt, bei HP auch schöne Effekte für die Firmenkasse haben.

Den vierten Platz in der Liste der weltweit klimafreundlichsten Unternehmen belegt Sony. Auch ein deutsches Unternehmen ist dabei. Die Deutsche Telekom belegt den siebten Platz vor Panasonic. Toshiba liegt auf Platz zehn, Nokia auf Rang 14.Dell ist das umweltfreundlichste Unternehmen der USA
Den Spitzenplatz in den USA hat Newsweek dem Hardware-Hersteller Dell zugewiesen. Die Texaner hätten über die Jahre eine ehrgeizige Nachhaltigkeits-Strategie entwickelt und dabei auch Nägel mit Köpfen gemacht. So hatte Dell 2008 angekündigt, seine Kohlendioxid-Emissionen bis 2015 um 40 Prozent zu senken und sei auf gutem Wege, dieses Ziel auch zu erreichen. Gute Worte findet Newsweek auch für die Dell-Produkte. Im Vergleich zu 2005 würden die Laptops und Desktop-PCs um etwa 45 Prozent weniger Strom verbrauchen.
Außerdem habe der PC-Hersteller eines der umfassendsten Recycling-Programme der Industrie. Wer beispielsweise einen neuen Dell-Rechner kaufe, bei dem nimmt der Hersteller die alte Hardware auch dann zurück, wenn diese von einem Konkurrenzunternehmen stammt.

Stromsparende Prozessoren von Intel
Bei Intel – Platz fünf in den USA, Platz neun in den Staaten – gefällt den Autoren der Studie vor allem das Bemühen, Abfall zu reduzieren und den Gebrauch von toxischen Substanzen in der Fertigung einzuschränken. Intel habe eine hohe Recyclingrate, sowohl bei schädlichen als auch bei unschädlichem Abfall.

Zudem engagiere sich die IT-Riese stark für Energieeffizienz, beispielsweise auch mit Produkten wie den Core-und Atom-Prozessoren, die besonders genügsam in der Energieaufnahme sind. Etwa die Hälfte des Stroms, den das Unternehmen in seinem Geschäftsbetrieb verbraucht, stammt aus erneuerbaren Energien.
Prozessorkonkurrent AMD landet immerhin auf Platz 12.

Der Halbleiterspezialist Intel produziert in seinen Fertigungsstätten auch energieeffiziente Prozessoren. (Bild: Intel)

Yahoo: Tipps für den »grünen« Lebensstil
Der Software-Hersteller Adobe landet in den USA auf Rang 7. Das Unternehmen wird gelobt für seine fortschrittliche Gebäudetechnik in seinen Niederlassungen, das Abfallentsorgungsprogramm und die Produktverpackungen. Ein Lob bekommt auch der Internetriese Yahoo: Dessen Webseite »Living Green« ist laut Newsweek die Top-Seite im Web für »grüne« Lifestyle-Tipps.

Nicht besonders erfreulich schneiden Microsoft und Canon im globalen Vergleich ab. Sie liegen auf Platz 23 bzw. 24. In den USA steht Microsoft mit dem 29. Rang noch etwas schlechter da. Siemens belegt weltweit Rang 32. Noch schlechter ist nur Apple: Rang 65 in den USA, in der weltweiten Liste taucht Apple gar nicht auf. Das Auktionshaus eBay wird sich mit dem 98. Platz in den USA nicht freuen.Energiekonzerne sind wenig umweltfreundlich
Auch ein Blick auf die am wenigsten klimafreundlichen Unternehmen der Welt am Ende der weltweiten Top 100 lohnt. Da finden sich häufig Unternehmen aus der Energiebranche wie BP, Eon, Gazprom aber auch der Lebensmittelkonzern Nestlé. Unter den letzten 20 findet sich aber kein einziges Hightech- oder IT-Unternehmen.

Um die »Green Ranking«-Rangliste zu produzieren, hat Newsweek mit drei Organisationen zusammengearbeitet, die im Bereich Green Tech arbeiten, als Marktforscher, Analysten oder Berater. Darunter Corporate Register.com, angeblich das weltgrößte Online-Verzeichnis im Hinblick auf soziale Verantwortung, Nachhaltigkeit und Umwelt. Ziel der Analyse war in der Hauptsache, die CO2-Bilanz der Unternehmen – dazu gehören auch ihre Umweltpolitik und -Strategie – festzustellen. Daneben wurde aber auch der Ruf des Unternehmens bei Umweltexperten abgefragt.

Der Green Score
Das Ergebnis, der so genannte Green Score, setzt sich aus drei Faktoren zusammen: der konkreten Umweltbilanz (Environmental Impact Score), der Umweltstrategie (Green Policies Score) und dem einschlägigen Ruf des Unternehmens bei Umweltexperten (Reputation Survey Score). Die zwei ersten Faktoren werden mit jeweils 45 Prozent gewichtet, der dritte Faktor fällt mit zehn Prozent ins Gewicht. Das Endergebnis, der Green Score liegt dann als Zahl zwischen 1 für die schlechteste und 100 für die bestmögliche Performance.

100 Punkte für den Sieger
Die Erstplatzierten, Dell (USA) und IBM (Welt) erreichen tatsächlich die magischen 100 Punkte, während Platz 100 in den USA immerhin noch knapp 79 Punkte (USA) beziehungsweise einfährt. Der Unterschied in der Klima-Performance ist also möglicherweise gar nicht so groß, zumindest in den USA.

IT ist wirklich »grüner« als andere. Hightech-Firmen wie Dell, IBM oder HP belegen in Newsweeks Umwelt-Ranking die vorderen Plätze, sowohl in den USA als auch weltweit.


CO2-Bilanz, S
trategie, Image

Auf der globalen Liste, wiederum sieht es deutlich anders aus. Hier hat das Öko-Schlusslicht, Rio Tinto – das Unternehmen fördert Rohstoffe wie Eisenerz oder Aluminium – es nur zu einem »Pünktchen« gebracht. Die unterschiedliche Spreizung kann aber auch daran liegen, dass für die USA insgesamt 500 Firmen gelistet sind, während es global nur 100 sind. Der Platz 500 in den USA hat ebenfalls nur einen Punkt erhalten.
Eine genaue Darstellung, wie die Bewertung und die Liste zustande gekommen sind, findet sich auf der Webseite von Newsweek.

Bei der Bewertung der Umweltbilanz gingen laut Newsweek mehr als 700 Einzelpunkte – darunter die Emissionen neun verschiedener Treibhausgase, Wasserverbrauch und Abfall – in die Rechnungen mit ein. Bei der Umweltstrategie wurden mehr als 70 verschiedene Indikatoren berücksichtigt.

Greenpeace ermuntert IT-Riesen
Dieses insgesamt durchaus ehrgeizige und differenzierte Bewertungsschema macht die Newsweek-Liste zu einem ernstzunehmenden Konkurrenten für andere Green-Tech-Ranglisten, mit denen Umweltschützer und Marktforscher gerne auf sich aufmerksam machen. Die bekannteste darunter dürfte das Cool-IT-Leader-Board von Greenpeace sein, dessen regelmäßige Veröffentlichung von der Computerbranche mit Spannung beobachtet wird.

Allerdings lassen sich die bekannten Umweltschützer nicht anmerken, dass Newsweek möglicherweise versuchen könnte, ihnen die Schau zu stehlen. Im Gegenteil, Greenpeace weist sogar auf seiner Webseite ausdrücklich auf die Newsweek-Liste hin.

In einer ersten Reaktion auf die Veröffentlichung von Newsweek fordert Greenpeace die großen IT-Unternehmen auf, ihren Einfluss geltend zu machen, damit die Politik den Klimawandel entschiedener bekämpft. Derzeit werde in den Vereinigten Staaten und weltweit die Gesetzgebung zum Klimaschutz von den Vertretern der »Dirty Energy« erheblich gebremst. Hier könnten und sollten die IT-Firmen mehr tun, um das Ungleichgewicht zwischen den klimafreundlich agierenden Unternehmen und den Nachzüglern zu beseitigen.

Bessere Lobby-Arbeit
Die IT-Industrie würde zwar bei vielen Themen in Washington oder Brüssel intensive Lobby-Arbeit leisten, bleibe aber beim Thema Klimawandel deutlich unter seinen Einflussmöglichkeiten.
Ein Ziel für bessere Lobby-Arbeit in Sachen Klimaschutz hat Greenpeace-Bloggerin Jodie Van Horn bereits ausgemacht. So würde die Europäische Union in Kürze entscheiden, ob sie die Treibhausgase bis 2020 um 30 Prozent reduzieren wolle. Hier seien beispielsweise IBM, Microsoft und Intel noch still geblieben und hätten so ihren möglichen Einfluss im Gegensatz zu Unternehmen wie Cisco oder Google nicht geltend gemacht.