Mark Zuckerberg hält Google nicht mehr für innovativ

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Facebook-Gründer Zuckerberg glaubt, dass Google nicht mehr das innovativste Unternehmen der IT-Branche ist, weshalb er sich entschlossen hat, eine Partnerschaft für die soziale Suche mit Microsoft einzugehen.

Facebook-CEO Mark Zuckerberg wird gern kritisiert, weil er nervös ist, wenn er spricht. Doch er hat sich am 13. Oktober klar dazu geäußert, was er über Google denkt, als er zusammen mit Microsofts Bing-Team die Social-Search-Integration zwischen Bing und Facebook vorstellte. Zuckerbergs Worte sollten – im Zusammenhang betrachtet – nicht auf die leichte Schulter genommen werden.

Obwohl er Google nicht direkt nannte, sind seine Bemerkungen dazu, warum er Bing als erste Suchmaschine auswählte, für die Facebook seine Daten so detailliert zur Verfügung stellt, essenziell, um zu verstehen, wie er über den King Kong der Suche denkt. Er sagt, Facebook arbeitet gern mit »kampflustigen Außenseitern« zusammen, die den »Ehrgeiz haben, richtig einzusteigen und etwas Innovatives zu schaffen, das andere Unternehmen nicht tun«.

Bing ist ein »kampflustiger Außenseiter«

Selbstverständlich – oder was heute selbstverständlich wirkt, wo Social Gaming das neue große Ding ist – hat Facebook mit Spiele-Partnerschaften wie mit Zynga, Playdom und Playfish begonnen. Diese Unternehmen sind förmlich explodiert und haben den Markt besetzt, und sind nun gar nicht mehr so kampflustig.

Dennoch hat Zuckerberg diese Logik auf Bing angewendet. Er stellt fest, dass die Suche eines der wichtigsten Dinge im Web ist und erklärt, dass Facebook nach einem angriffslustigen Neuling sucht, der sich mit Facebooks Vorstellungen anfreundet, wie eine soziale Suche aussehen sollte. Microsoft, das seit 2006 eine Partnerschaft mit Facebook hat, erfüllt die Ansprüche. Sollte alles nur Zuckerberg-Geschwafel gewesen sein, so wäre es das überzeugendste, das Zuck je geäußert hat:

»Was Microsoft zu einem so großartigen Partner für uns macht, ist, dass sie hier tatsächlich der Außenseiter sind. Deshalb sind sie grundsätzlich in einer Position, wo sie den Ansporn haben, loszuziehen und etwas Neues zu schaffen, stimmt’s? Und wenn man ein etablierter Anbieter ist, gibt es, ganz gleich wie schlau man ist, immer diese Spannung zwischen dem Versuch, etwas neues zu schaffen und dem Drang, die Dinge so zu belassen, wie sie sind.«

»Diesen Eindruck hatten wie bei Microsoft nie, denn bei allem woran wir mit Microsoft zusammengearbeitet haben, haben sie alle diese schlauen Leute, die nur versuchen, schnell zu wachsen und unglaubliche Dinge zu erreichen, von denen andere zuvor noch nicht einmal gesprochen haben. Also das macht Microsoft in der Tat zu so einem guten Verbündeten und Partner in vielen komplexen Bereichen, in denen wir kein Interesse an eigenen Anwendungen haben, die aber so komplex sind wie die Suche.«

»Ich kann mir einfach keinen besseren Partner vorstellen, mit dem wir zusammenarbeiten könnten, um die nächste Generation der Suchdienste zu bauen, und ich habe keinen Zweifel, dass eine starke soziale Integration in die Suche das selbe für Suchmaschinen bedeutet, was soziale Interaktion für Spiele, Fotos, Gruppen, Events und all die anderen Bereiche zuvor geleistet hat.«

Google ist nicht innovativ?

Autsch! Offensichtlich betrachtet Zuckerberg Google als den Marktführer, der seine besten Tage in der letzten Dekade der Suche hatte, und nicht als einen, den er sich als idealen Partner für Facebook vorstellen könnte. Es ist eine Art Todeskuss, wenn ein Silicon-Valley-Unternehmer sagt, dass dein Unternehmen nicht inspiriert genug ist, um Innovationen hervorzubringen, und dass er lieber mit einer Firma zusammenarbeitet, deren Marktanteil nicht einmal die 20-Prozent-Marke knackt.

Natürlich ist das nicht die ganze Wahrheit. Google Instant ist als Suchtechnologie ziemlich innovativ, aber was man hier beachten muss, ist, dass Zuck alles durch die soziale Brille betrachtet. Wenn es nicht sozial ist, ist er nicht daran interessiert. Bing, so glaubt er, wird alles tun, um Google einzuholen oder wenigstens dessen Wachstum zu bremsen. Zuck will dem Team dabei helfen, indem er Facebooks soziale Inhalte bei Bing verfügbar macht.

Außerdem kann man davon ausgehen, dass Zuck sehr genau Bescheid weiß, woran Google mit Google Me arbeitet und dass er es als eine Bedrohung betrachtet – oder als ein wirklich schwaches Angebot, das sein Ziel verfehlt. Wie auch immer, in den kommenden Wochen könnte die Integration den Anstoß dafür geben, dass einige der 500 Millionen Facebook-User Bing zumindest ausprobieren werden.

Anschub für Bings Userzahlen?

Die Leute verbringen sowieso schon eine Menge ihrer Zeit auf Facebook, also wieso sollte man nicht noch eine erstklassige Suchfunktion dazu mischen? Das könnte die Zahl der Bing-Nutzer gewaltig nach oben treiben.

Ja, Zuck hat diese Dinge wirklich gesagt, aber die meisten Medien waren damit beschäftigt, die reinen Nachrichten wiederzugeben und haben dabei die freundlichen Querschüsse gegen Google übersehen. Diese lassen sich um folgenden Video ab Minute 16 anschauen.