»Das teure Datenchaos«

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Das Datenvolumen in Unternehmen steigt exponentiell an. Warum es nicht genügt, einfach Speicher hinzuzukaufen, und wie man bereits vorhandene Kapazitäten effizient nutzt, erklärt Novells Technology-Experte Kai Reichert.

Kai Reichert, Senior Collaboration Technology Specialist bei Novell, hält auf der »Storage and Networking World Europe« (SNW, 26. und 27. Oktober) einen Vortrag über intelligentes Datenmanagement. Das ist notwendiger denn je, weil die Datenmengen in Unternehmen immer schneller wachsen. Zusätzlich tragen neue Formen der Teamarbeit auf Collaboration-Plattformen zum rasanten Wachstum des Datenvolumens bei. Wie Manager die Datenflut in den Griff kriegen und wie intelligentes Storage-Management funktioniert, erklärt Reichert im Interview mit ITespresso.de.

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ITespresso.de: Sie halten auf der Storage and Networking World einen Vortrag über »Intelligentes Management bei der Datenspeicherung«. Um was geht es da?
Reichert: Weltweit sind Kunden damit konfrontiert, dass die Datenvolumen zum Teil exponentiell ansteigen. Damit verbunden sind nicht nur die Kosten für die Anschaffung von zumeist teurem Unternehmens-Storage, sondern auch die Kosten für den Betrieb des Storage sowie die Administration. Die bisherigen Antworten auf dieses Problem waren zum einen die Anschaffung zusätzlichen Speichers oder zum anderen vereinzelte Storagehersteller-spezifische Ansätze, welche allesamt das Problem der Zunahme von unstrukturierten Daten in Unternehmen nicht wirklich adressierten.

Und worum geht es also in dem Vortrag?
Mein Vortrag erläutert, welche Ansätze es gibt, um mit dem sogenannten Intelligenten Management von Daten und der Datenspeicherung, bestehenden Storage effizienter und somit kostengünstiger zu nutzen. Zusätzlich wird gezeigt, wie die Einbindung der Unternehmens-Identitäts-Systeme mehr Flexibilität bringt und gleichzeitig der administrative Aufwand deutlich reduziert wird. Alles dies ist natürlich eingebettet in die Beibehaltung vorgegebener Unternehmensrichtlinien.

Auf der SNW 2010 treffen sich Storage-Anbieter aus der ganzen Welt. (Bild: SNW)

Was sind 2010 die großen Themen auf der SNW?
Ganz sicher wird das Thema Cloud im Mittelpunkt stehen. Wir befinden uns jetzt im Übergang vom Hype zu einer gesetzten Technologie. Viele Kunden sehen heute die großen Chancen, die ihnen dieses Thema bietet und binden es in ihre IT-Strategie für die nächsten Jahre ein. Hersteller, die verlässliche und sichere Technologien rund um die Cloud anbieten, werden die Nase vorn haben. Wer jetzt als Hersteller noch nicht bereit ist, wird dem Zug in den nächsten Jahre hinterherrennen.

Weitere genauso wichtige Themen auf der SNW sind Virtualisierung, Security und IT-Management. Diese Themen kann man auch als »Einstiegstechnologien« in die Cloud bezeichnen und mit diesen Themen setzen sich Kunden bereits sehr intensiv auseinander.
Worauf kommt es an, wenn man das Datenmanagement möglichst effizient gestalten will?
Man muss das Augenmerk auf das intelligente Wieder- beziehungsweise Weiterverwenden von vorhandenem Storage legen und damit auf Ressourcen, in die bereits investiert wurde, statt einfach nur weiteren Storage dazu zu kaufen. Durch bloßen Zukauf von Storage wird die Lösung des Problems nur hinausgezögert und in der Regel noch vergrößert: Die Menge der Daten steigt garantiert weiter an und parallel der Aufwand für diese Datenhaltung.

Was hat sich in der Technik in den letzten Jahren geändert?
Technologisch ist es in der heutigen Zeit sehr interessant geworden, Speicher in sogenannten Storage Area Networks zu konsolidieren. Dies bietet viele Vorteile im Bereich Hochverfügbarkeit sowie zentrale Datenhaltung und oft auch bessere Performance. Leider ist solcher Storage in der Regel recht kostenintensiv. Die Technik erlaubt es uns heute, deutlich größeren Storage zur Verfügung zu stellen als bisher. Damit einhergehende »Nebenwirkungen«, wie zum Beispiel zusätzliche Administration, Kosten für Strom, Kühlung und das Datenmanagement werden hier häufig vernachlässigt.

Novells File Management Suite arbeitet mit einer Vielzahl von Herstellern, Storage Systeme, Betriebssystemen und Dateisystemen zusammen.

Ein weiterer Faktor, der ein steigendes Datenvolumen nach sich zieht, ist unsere veränderte Arbeitsweise. Collaboration-Plattformen wie Novell Teaming oder Microsoft Sharepoint, aber auch die Globalisierung in der IT, führen dazu, dass Teams und Projekte größer werden, immer mehr Menschen Material und Informationen zu Projekten beisteuern und somit die Datenmenge, die aus dieser Zusammenarbeit resultiert, immer weiter ansteigt.

Welche Rolle spielt Cloud Computing bei diesem Thema?
Cloud Computing ist im Storage-Bereich bisher eher wenig anzutreffen. Allerdings ist der sogenannte Cloud Storage sehr stark im Vormarsch. Schon lange bevor der Hype um die Cloud begann, haben sich Anbieter auf dem Markt gefunden, die zentral gehosteten Storage anbieten. Diese Möglichkeit, Storage auszulagern und ihn bei Bedarf oder je nach Nutzung zu bezahlen, kann sich für viele Unternehmen recht schnell rechnen: Zum einen werden Anschaffungskosten so reduziert, zum anderen können administrative Kosten verringert beziehungsweise gut kalkulierbar gemacht werden.

Novell bietet einen Storage Manager an. Was ist das Besondere dieser Lösung?
Mit dem Storage Manager, wie auch mit der File Management Suite, lassen sich für eine Vielzahl von Herstellern, Storage-Systemen, Betriebssystemen und natürlich die unterschiedlichsten Dateisysteme optimieren. Kein anderer Anbieter ist in Bezug auf Heterogenität bei der Datenhaltung so offen und interoperabel wie Novell.

Dadurch, dass der Novell Storage Manager zusätzlich eine Identitäts-gesteuerte sowie Identitäts-basierte Datenverwaltung zulässt, unterscheidet er sich deutlich vom Mitbewerb, der dies in dieser Form meist nicht anbietet.

Müssen IT-Abteilungen heute mehr Geld für Storage ausgeben als früher?
Sie müssten es wohl nicht, aber sie tun es. Hier gilt es daher sehr genau hinzusehen, warum und wofür im Bereich Storage in den Unternehmen das Geld ausgegeben wird. Neue Technologien und neue Anforderungen in der IT erfordern Investitionen. Diese sollten aber nicht blind getätigt werden, sondern bestehender Invest sollte geschützt werden, sollte wo immer möglich integriert werden und vor allem effektiv und damit produktiv genutzt werden.

Wie gut gehen die Unternehmen mit dem Storage-Management um? Haben die IT-Manager das nötige Know-how?
Leider ist das Thema Storage Management noch nicht bei allen IT-Managern angekommen. Das liegt daran, dass die IT-Manager in den letzten Jahren oft einfach untergegangen sind in der Welle von neuen Technologien, neuen Anforderungen und leider auch wirtschaftlichen Herausforderungen. Oft wurde und wird nur das direkt Offensichtliche betrachtet wie zum Beispiel die Anschaffungskosten. Weitere Einsparpotentiale werden oft nicht ausreichend beachtet. So wird das unvermeidliche, teure Datenchaos durch dem Kauf von immer mehr Storage weiter vergrößert und die wirkliche Lösung des Problems bleibt aus.

Regierungen und Behörden stellen immer höhere Compliance-Anforderungen an Unternehmen. Sind Unternehmen und IT-Manager darauf vorbereitet?
Nein, absolut nicht. Was Compliance in der Datenhaltung angeht, hinken viele Prozesse, sofern Sie überhaupt existieren, Lichtjahre hinterher.

Novell-Experte Kai Reichert
»Wer jetzt als Hersteller noch nicht bereit für Cloud-Techniken ist, wird dem Zug in den nächsten Jahre hinterherrennen.« Kai Reichert, Senior Collaboration Technology Specialist bei Novell

Während Richtlinien bei eindeutig strukturierten Daten wie zum Beispiel Vertragsunterlagen, deren Richtlinien schon vor 30 Jahren ohne die IT existierten, noch halbwegs implementiert wurden, haben neue Richtlinien, neue Informationsformate und die schiere Menge an unstrukturierten, aber dennoch Unternehmens- und Compliance-relevanten Daten die IT-Manager quasi abgehängt.

Welche Trends sehen Sie für die Zukunft?
Im Storage Management gehe ich davon aus, dass die Einflüsse anderer Technologien einen noch größeren Stellenwert erhalten. Hier werden die Bereiche Cloud beziehungsweise Cloud Storage und die damit verbundenen Sicherheitsfragen im Vordergrund stehen. Darüber hinaus wird die Integration verschiedener Collaboration Management- und Plattform-Lösungen eine große Rolle spielen.

Viele Hersteller haben bisher gepredigt, dass allein eine Web 2.0-basierte Collaboration Plattform alle unsere Probleme in der Datenhaltung löst. Nun müssen wir feststellen, dass diese Plattformen zwar entschiedene Vorteile mit sich bringen, die Probleme in der Datei-basierten Datenhaltung aber keineswegs beseitigen oder gar die Datei-basierte Datenhaltung überhaupt ablösen können.

Danke für das Gespräch