Oracle zieht neuen HP-Chef in Rechtstreit mit SAP hinein

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Im Prozess um Spionage-Aktivitäten bei der SAP-Tochter TomorrowNow hat Oracle den früheren SAP-Chef Léo Apotheker als Zeugen benannt. Dessen neuer Arbeitgeber HP findet, dies sei reichlich spät geschehen – die Gräben zwischen den beiden Firmen werden tiefer.

Wie ein SAP-Sprecher bestätigte, taucht der Name von Léo Apotheker auf einer Zeugenliste auf, die am Freitag zwischen Oracle und SAP ausgetauscht wurde. Oracle wirft SAP vor, Mitarbeiter der ehemaligen US-Tochter TomorrowNow hätten sich Zugang zum geschützten Support-Bereich von Oracle verschafft und dort fleißig Software und Info-Material heruntergeladen. Darüber ist man sich inzwischen einig, erst Anfang August erklärte SAP, man übernehme die Verantwortung dafür – lediglich die Höhe der Schadensersatzzahlung ist umstritten.

Dass nun allerdings der frühere SAP-Chef Apotheker in den Zeugenstand soll, ärgert vor allem HP. Dort heuerte man Apotheker zum 1. November als neuen CEO an, als Nachfolger für den geschassten und zu Oracle gewechselten Mark Hurd. Apotheker habe niemals die Aufsicht über TomorrowNow gehabt, schreibt der künftige HP-Chairman Ray Lane in einem Brief an US-Medien. Oracle prozessiere seit Jahren und niemals seien Beweise vorgelegt worden, dass Apotheker involviert gewesen wäre; man habe Apotheker nicht einmal als relevant genug betrachtet, um ihn als Zeugen zu benennen – bislang. Dahinter müssten also andere Motive stecken, so Lane, der pikanterweise viele Jahre bei Oracle arbeitete und es dort zu einigem Vermögen brachte.

Der Streit zwischen Oracle und HP geht damit in eine neue Runde, auch wenn beide Firmen zuletzt beteuerten, man habe alle Streitigkeiten ausgeräumt und halte an der Partnerschaft fest. Der Wechsel von Mark Hurd zu Oracle hat HP offenbar schwer getroffen, denn anders ist es kaum zu erklären, dass man mit Apotheker den früheren Chef des großen Oracle-Konkurrenten SAP zum neuen CEO bestellt und den früheren Oracle-Top-Manager Lane zum Chairman.