»Auf Band verbrauchen Daten keinen Strom«

Data & StorageStorage

Fujitsu-Experte Marcus Schneider spricht im Interview über die vielfältigen Herausforderungen bei der Datensicherung, die 7 wichtigsten Regeln für die Backup-Praxis – und warum das Band noch lange nicht tot ist.

Am 26. und 27. Oktober kommen Hersteller zum siebten Mal zur »Storage and Networking World Europe« (SNW) zusammen. Mit ITespresso.de können Sie sich kostenlos für diese anmelden. Die Messe im Congresszentrum Frankfurt widmet sich den Themen Data und Storage Management; Server-, Desktop und Speichervirtualisierung und IT Datacenter Technologien sowie Cloud Services und Solutions. Fester Bestandteil der Veranstaltung sind die Vorträge von Experten. Darunter ist auch Marcus Schneider, Director Product Segment Data Protection bei Fujitsu Technology Solutions. Im Interview mit ITespresso.de spricht Schneider über aktuelle Trends und Technologien bei der Datensicherung. Außerdem gibt er praktische Tipps für IT-Verantwortliche.

ITespresso: Was sind 2010 die großen Themen auf der SNW Europe?
Schneider: Cloud Computing wird  das bestimmende Thema sein, Deduplizierung ist noch immer in aller Munde. Nach intelligentem automatischem Datenmanagement gibt es eine starke Nachfrage. Datensicherung ist ein Evergreen, um den sich jeder IT Verantwortliche kümmern muss.

Sie werden einen Vortrag über Efficient Data Protection halten. Worum geht es da?
Unter dem Begriff »Efficient Data Protection« bietet Fujitsu ganzheitliche Ansätze für das Sichern, Wiederherstellen und Archivieren von Daten. Wir haben alle dafür notwendigen Produkte im Portfolio, von der Backup- und Archivierungssoftware über Platten- und Bandsysteme bis hin zu unseren optimierten Backup- und Archivierungssystemen Eternus CS. Außerdem erbringen wir die notwendigen Dienstleistungen, von der Beratung über die Implementierung bis hin zum Vertrieb.

Da geht es also um die Produkte und Lösungen von Fujitsu. Doch was sind für einen IT-Manager allgemein die wichtigsten Vorgaben bei Data Protection?
Es geht im Wesentlichen um zwei Dinge: Die richtigen Service Levels zu treffen – und mit den immer kleineren Budgets die Daten dennoch adäquat zu sichern.

Die Storage and Networking World Europe (SNW) findet am 26. und 27. Oktober in Frankfurt statt. (Bild: SNW)

Was hat sich in der Technik von Data Protection in den letzten Jahren geändert?
Es gibt Snapshot und replikationsbasierte Backup-Verfahren. Snapshots erlauben im Zusammenspiel mit einer Backup-Software radikal kürzere Sicherungs- und Wiederherstellzeiten. Und weil das Backup sich so schnell durchführen lässt, kann man problemlos häufiger sichern. Dadurch verliert man auch beim Wiederherstellen weniger Daten. Das kontinuierliche Backup (CDP), bei dem es quasi keinen Datenverlust gibt, wird erst so möglich.

Welche Rolle spielen die replikationsbasierten Verfahren?
Eine noch größere Rolle. Nirgendwo in der IT geht es um solch gewaltige Datenmengen wie beim Backup. Um den Einsatz von Festplatten überhaupt bezahlbar zu machen, müssen die Datenmengen reduziert werden. Daten-Deduplizierung ist die Schlüsseltechnologie. Wir haben dafür die Eternus CS800 eingeführt, die Daten um bis zu 90 Prozent reduziert und damit auch die Basis für eine günstigere Replikation schafft.

Das erklärt noch nicht, warum Replikation so wichtig ist.
Mit Replikation überstehen Daten auch Katastrophen. Der Datentransport wird zunehmend optimiert, sei es durch Deduplizierung, sei es durch kostengünstige, asynchrone Replikation oder durch hochleistungssynchrone Replikation, die auch die Hochverfügbarkeit der Datenwiederherstellung garantieren kann. Denn was hilft die ganze Datensicherung, wenn im Falle eines Falles die Infrastruktur ausfällt?
Welche Rolle spielt Green IT bei der Datensicherung?
Wer seine Datensicherung kostengünstiger machen will, kommt an den Themen Energieverbrauch und Kühlung nicht vorbei. Das hat natürlich eine ganze Menge mit den verwendeten Medien zu tun. Wenn man Daten für 100 Jahre archivieren muss, wie es etwa bei Lebensversicherungen erforderlich ist, ist nicht einsehbar, wieso Festplatten sich Tag und Nacht 100 Jahre lang drehen sollten. Auf Band verbrauchen die Daten hingegen gar keinen Strom. Wenn es nun noch gelingt, die besten Seiten von Platte und Band zusammenzubringen, dann kann man Service Levels und Geschwindigkeit mit minimierten Kosten und maximalem »Green«-Faktor kombinieren.

Was ist das Besondere an den Produkten und Lösungen von Fujitsu in diesem Bereich?
Neben unseren Mitarbeitern und unserer Servicekompetenz ist es vor allem unser Zugpferd Eternus CS. Das Produkt wird in Deutschland entwickelt und produziert und ist technologisch einzigartig in Sachen Grid-Architektur und kompletter Virtualisierung des Back-end sowie seiner Konsolidierungseignung. Es verbindet als einziges System auf dem Markt die Vorteile von Platte, Deduplizierung und Band mit einer vollautomatischen Datenverwaltung. Es ist somit ideal sowohl für die Datensicherung als auch für die Archivierung.

Müssen IT-Abteilungen heute mehr Geld für Datensicherung ausgeben als früher?
Obwohl die Anforderungen extrem gestiegen sind – sowohl in Sachen Datenwachstum als auch in Sachen kurze Wiederherstellzeiten und geringer Datenverlust –  muss Datensicherung nicht teuer sein. Dazu muss man die Administration in den Griff bekommen, die Infrastruktur konsolidieren und einen optimierten Medienmix Nutzen.

Wie ausgeprägt ist bei den verantwortlichen IT-Managern das Bewusstsein für Data Protection?
IT-Managern ist klar, dass Daten wichtig sind und geschützt werden müssen. Auch das Know-how ist gut. Schwieriger wird es, wenn gerade kleinere Unternehmen keine dedizierten IT-Mitarbeiter haben oder die Ressourcen nicht ausreichen. Dann kann die Datensicherung schon mal auf der Strecke bleiben, mit bisweilen hohen Risiken für ein Unternehmen. Ansonsten ist die Herausforderung weniger das Bewusstsein um die Bedeutung der Datensicherung – eher sind es die Budgetbeschränkungen, die IT-Manager bisweilen vor ungeahnte Herausforderungen stellen.

Regierungen und Behörden stellen immer höhere Compliance-Anforderungen an Unternehmen. Sind Unternehmen und IT-Manager darauf vorbereitet?
Nur bedingt. Archivierung ist ein wichtiger Teil der Antwort auf Compliance-Herausforderungen. Aber viele Unternehmen sind noch nicht soweit, Archivierung konzeptionell sauber vom Backup zu trennen. Die Implementierung von Vorhaltezeiten, auch mit der Konsequenz, sie nach dieser Zeit zu löschen, ist noch nicht Standard. Hier muss konzeptionell noch einiges getan werden, damit die operativen Kosten nicht explodieren, die rechtlichen Vorschriften dennoch eingehalten werden.

Fujitsus Eternus CS800 ist eine schlüsselfertige Data Protection Appliance mit Deduplizierung für mittelständische Unternehmen. (Bild: Fujitsu)

Welche Trends sehen Sie in Zukunft für Ihren Bereich?
1. Die Technologien
wachsen noch enger zusammen: Backup-Software, Backup-Targets und RAID-Systeme integrieren sich so tief, dass sie aus einer Hand verwaltet werden können. Ein Beispiel für diesen Trend ist die OST-Integration, die unsere Eternus CS800 mit der Symantec Software ermöglicht.

2. Daten-Deduplizierung wird sich weiter ausbreiten und zu einem Standard der Datensicherung werden.

3. Archivierung wird zunehmend professionell umgesetzt werden.

4. RAID.
Die sehr effizienten Mechanismen der RAID-Systeme werden noch stärker genutzt.

5. Alternative Modelle für die Datensicherung gewinnen an Bedeutung. Im ersten Schritte werden Unternehmen nicht unbedingt ihre Sicherung in der Wolke machen – ein hybrides Modell aber, bei dem eine zweite oder dritte Kopie in die Wolke repliziert wird, sehen wir als sehr wahrscheinlich an und sind in dem Bereich auch aktiv. Sehr sinnvoll erscheint uns auch die Archivierung in der Wolke, da hier keine langen Wiederherstellungszeiten bremsen.

Welche praktischen Tipps bei der Datensicherung können Sie den Admins geben?
Wir haben sieben Bereiche identifiziert, die sich Unternehmen anschauen sollten, um ihre Datensicherung zu optimieren:

1. Archiv. Ein Backup ersetzt kein Archiv. Archivieren Sie Ihre Daten! Die Effizienz eines Backups, ja sogar der Anwendung selbst, lässt sich dramatisch verbessern indem man alte, passive Daten dahin schiebt, wohin sie gehören: ins Archiv.

2. Entfernt lagern. Seien Sie immer auf den Ernstfall vorbereitet. Machen Sie extra Kopien, die weit genug von den Original-Daten entfernt gelagert werden, um einen Zwischenfall mit höchster Wahrscheinlichkeit zu überleben.

3. Konsolidieren. Eine erfolgreiche Methode Geld zu sparen, besteht darin, die gesamte Datensicherung in einem einzigen System zu konsolidieren. Removing Point-Lösungen vereinfachen die Administration der Datenschutzumgebung signifikant. Aufgrund ihrer spezifischen Anforderungen und weil sie verschiedene Niederlassungen miteinander verbinden, sind virtualisierte Server-Umgebungen klassische Backup-Inseln. Entscheidet man sich jedoch für einen einheitlichen Backup-Ansatz, wird die Sicherung solcher Daten viel einfacher.

4. Datenmanagement. ILM klingt nach einem Hype von gestern, aber weil die Implementierung schwierig und teuer war, konnte sich das Heilsversprechen von ILM nie erfüllen. Die Nachfrage nach einem vereinfachten, automatischen regelbasierten Datenmanagement besteht aber weiterhin, speziell beim Datenschutz. Applikationen exakt den richtigen Level an Datenschutz zuzuweisen, kann die Kosten erheblich reduzieren. Aber das ergibt nur dann Sinn, wenn gleichzeitig das Management des Datenschutzes einfach und effizient bleibt.

5. Medien. Wir können nicht über Kostenersparnis bei Backup und Archivierung sprechen, ohne gleichzeitig über die Medien zu sprechen, auf denen die Daten final gespeichert werden. Das billigste Medium ist immer noch das Band. Aber es ist mühsam zu verwalten.

Der ideale Medienmix verbindet das Beste aus beiden Welten – Platte und Band. Speziell für die Archivierung und Langzeit-Archivierung ist Band ein Muss. Bei der Langzeit-Archivierung müssen Unternehmen auch die Herausforderung eines Medienwechsels bewältigen. Daten müssen hier meist länger aufbewahrt werden, als eine Technologie verfügbar ist.

»Wer seine Datensicherung kostengünstiger machen will, kommt an den Themen Energieverbrauch und Kühlung nicht vorbei.« Marcus Schneider, Director Product Segment Data Protection bei Fujitsu Technology Solutions. (Bild: Fujitsu)

6. Daten-Deduplizierung. Ein Weg, die Vorzüge der Plattenspeicherung auch für den Datenschutz erschwinglich zu machen, ist eine konsequente Reduktion der Daten. Daten-Deduplizierung heißt hier das Zauberwort – eine Technologie, die viele Vorteile für jede Art von Datenquelle bietet und eine Schlüsselrolle in konsolidierten Umgebungen spielt. Aber: Es ist auch wichtig, die Wahl zu haben zwischen Platte, deduplizierter Platte oder eben Band, je nachdem welche Art von Daten gelagert werden sollen.

Daten-Deduplizierung eignet sich auch für die reine Replikation: Sie verringert die benötigte Bandbreite um den Faktor 20. Replikation wird damit erschwinglich und möglich selbst in Bereichen, für die sie früher nicht in Frage kam.

7. Variable Kosten. Fixkosten in variable Kosten zu verwandeln hilft Unternehmen schneller zu wachsen – aber auch schneller auf die Kostenbremse zu drücken, wenn das Geschäft nicht gut läuft. Während einer Wirtschaftskrise etwa können hohe Fixkosten einem Unternehmen das Genick brechen. Für viele Organisationen bietet es sich an, aus Fixkosten variable Kosten zu machen, beispielsweise durch den Einsatz von alternativen Liefermodellen wie Managed Backup oder Backup-as-a-Service oder auch durch Finanzierungsmodelle, mit denen Unternehmen flexibler sind.

Herr Schneider, danke für das Gespräch.