Freiberufler in der IT-Branche geraten unter Preisdruck

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Einer Studie zufolge haben die deutschen IT-Freiberufler zuletzt zwar ihre Honorarforderungen wieder erhöht, doch die Firmen achten stärker auf den Preis und heuern häufiger günstige Freiberufler zur Unterstützung bei IT-Projekten an.

Im vergangenen Jahr gingen die Stundensätze der IT-Freiberufler infolge der Wirtschaftskrise zurück und verharrten auch zu Jahresbeginn auf dem niedrigeren Niveau. Erst im Laufe von Frühling und Sommer wurden die Freiberufler mutiger und verlangten wieder höhere Stundensätze – nach Untersuchungen des auf die Vermittlung von Freiberuflern für IT-Projekte spezialisierten Portals GULP durchschnittlich 71 Euro.

Vor allem der Anteil der Freiberufler, der eher geringe Sätze von weniger als 50 Euro pro Stunde verlangt, schrumpfte. Lag er im August 2009 noch bei 9,2 Prozent, so ging er bis August auf 8,5 Prozent zurück. Dafür legten die Honorarforderungen im oberen Mittelfeld zu, zum Beispiel im Bereich zwischen 70 und 109 Euro, in dem die meisten Freiberufler operieren. 49,7 Prozent waren es im August 2009, 50,8 Prozent im August 2010.

Das Anheben der Stundensatzforderungen sei größtenteils eine Konsequenz aus der seit Ende 2009 steigenden Nachfrage nach externer Projektunterstützung, erklärt Stefan Symanek von GULP. Die Monate Juli und August seien die bislang besten in diesem Jahr gewesen – von Sommerloch keine Spur.

Allerdings dürfen die gestiegenen Forderungen der Freiberufler nicht darüber hinwegtäuschen, dass Unternehmen immer stärker auf den Preis achten. Sie kontaktieren häufiger günstige Freiberufler – ein Trend der Symanek zufolge Ende 2008 begann. Bei GULP beispielsweise wurden im vergangenen August noch 57,3 Prozent aller Projektanfragen an IT-Freiberufler mit Stundensatzforderungen von über 70 Euro gerichtet, jetzt sind es nur noch 53,4 Prozent. Der durchschnittliche Stundensatz bei Projektanfragen sank von über 70 auf 69 Euro.

Vor allem Trainer, Qualitätssicherungsexperten und Administratoren haben laut GULP ihre Stundensätze erhöht, wobei Administratoren mit durchschnittlich 58 Euro pro Stunde die am niedrigsten entlohnten IT-Freiberufler bleiben. Sie liegen 20 Euro hinter Projektleitern, die in der Branche die Spitzenverdiener sind. Allerdings hängen die Honorare nicht nur von den Aufgaben ab, sondern auch von Alter und Region. Am besten verdienen demnach selbstständige Projektleiter zwischen 40 und 44 Jahren in Frankfurt oder Köln.

Im Detail: jüngere Freiberufler verlangen niedrigere Stundensätze, die jedoch mit zunehmender Erfahrung steigen. Im Alter von 40 bis 44 Jahren ist das Maximum mit durchschnittlich 74 Euro erreicht – danach bleibt man aber mit 73 Euro fast auf diesem Niveau.

Regional gesehen wird mit 73 Euro in den Postleitzahlengebieten 5 und 6 am meisten gefordert, das sind die Großräume Köln und Bonn sowie Frankfurt am Main und Mannheim. Sie liegen zehn Euro vor den Regionen mit den niedrigsten Stundensätzen, dem Osten Deutschlands (Postleitzahlenbereich 0). In Österreich fordern IT-Freiberufler im Schnitt drei Euro mehr als in Deutschland, 74 Euro, in der Schweiz sogar 14 Euro mehr, und zwar 85 Euro.

(Foto: aboutpixel.de / Anna Nym)