TechCrunch: Yahoo-Chefin Carol Bartz zerstört ihre wichtigste Finanzbeteiligung

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Vor Jahren beteiligte sich Yahoo mit 40 Prozent Anteil am chinesischen Startup Alibaba.com. Mittlerweile einer der größten Onlinekonzerne der Volksrepublik, ist er der wertvollste Aktienwert des US-Onlinepioniers. Dennoch bekriegen sich jetzt Alibaba-Gründer Jack Ma und Yahoo-Chefin Carol Bartz.

Der Webservice TechCrunch hat keine gute Meinung von Yahoo-Chefin Bartz. Schon in einem Gespräch auf offener Bühne mit TechCrunch-Chef Michael Arrington sei sie schon undiplomatisch gewesen und habe Schimpfkanonaden von sich gegeben Nun setzt Arrington eben seine Mitarbeiterin Sarah Lacey darauf an, aktuelle Themen zu Yahoo zu recherchieren und zu kommentieren, denn Yahoo scheint Arrington persönlich keine Auskünfte mehr geben zu wollen. Doch auch Lacey schreibt jetzt nichts Gutes.

Die neueste Tat von Bartz, die die TechCrunch-Leute aufregt, ist die Art, wie die Yahoo-Chefin mit ihrem wichtigsten chinesischen Geschäftspartner Jack Ma umsprang. Vor seinem versammelten Management-Team putzte sie ihn herunter, weil er Yahoo Chinas Marktanteile so tief hätte fallen lassen. Die »strategische Partnerschaft«, die 2005 Yahoos damaliger Chef Jerry Yang mit Alibaba knüpfte, rettete Yahoo China zwar vor ähnlichen Problemen wie die, die Google später mit der chinesischen Regierung hatte, doch so strategisch nützlich war dies laut Alibaba-CEO David Wei wohl doch nicht. In einem Interview mit dem Wirtschaftsdienst Bloomberg++++ schlägt er nun zurück: »Wozu brauchen wir einen Finanzinvestor ohne geschäftliche Synergie und ohne Technologie?«

Klar: Die anderen Websites des chinesischen Konzerns sind weitaus wichtiger und einträglicher. Logisch, dass Wei und Ma baldmöglichst Yahoo als Teilhaber loswerden wollen. Doch Yahoo dürfte an der Beteiligung festhalten, bis die einträglichsten Teile der Alibaba-Group an die Börse gehen – sonst verliert man Geld und Bedeutung. Finanzanalysten zufolge machen Yahoos asiatische Aktivitäten 85 Prozent des Börsenwertes der Firma aus. Im Silicon Valley alleine wäre das Unternehmen schon weitestgehend wertlos.

Derzeit profitiert Yahoo durch seine Beteiligung sehr von Alibabas anderen Aktivitäten, als da wären:
–    Taobao, Chinas größter E-Commerce-Dienst mit 170 Millionen Nutzern und 80 Prozent E-Commerce-Marktanteil in China. Der Service ist vergleichbar mit eBay und schon 70 Prozent so groß. Doch das Wachstum ist weitaus größer als das des amerikanischen Originals.
–    Alipay, größter chinesischer Zahlungs-Service, vergleichbar nur mit PayPal.

Kurz und gut Yahoo hatte nur so viel Glück, weil sich Yang und Ma so gut verstanden – und Yahoos Aktienwert profitiert noch heute davon. Bartz habe das nicht so richtig begriffen, kann man zwischen den Zeilen aus dem aktuellen TechCrunch-Artikel lesen. Sie sei von Börsenexperten ohnehin schon dafür kritisiert worden, zu wenig von Aktienkursen zu halten. Möglicherweise zerstöre sie mit ihrer direkten und rücksichtlosen Art noch ihr wichtigstes Kapital.

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