PwC: Holpriger Start für E-Books in Deutschland

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Das Angebot an E-Books sei zu klein und zu teuer, meinen die Wirtschaftsprüfer von Pricewaterhouse Coopers, die deutsche Buchbranche drohe, die Digitalisierung zu verschlafen. Wenig hilfreich ist da, dass die meisten Bundesbürger schon mit den Begriffen »E-Book« und »E-Reader« nichts anfangen können.

Der Umsatz mit E-Books aus dem Bereich Belletristik sei mit 20 Millionen Euro in diesem Jahr zu vernachlässigen, heißt es bei PwC. Das liege nicht nur daran, dass die Bundesbürger gedruckte Bücher bevorzugen, sondern auch daran, dass das Angebot an deutschsprachigen E-Books zu gering sei. Es gäbe etwa 100 000 Titel in digitaler Form und damit nur acht Prozent aller lieferbaren Bücher; beschränke man sich auf das offene ePUB-Format schrumpfe das Angebot gar auf 8000 Titel. Viele Bestseller, die Verlage nicht in digitaler Form anbieten, seien allerdings in Tauschbörsen zu finden.

Zudem gehe die Preisgestaltung an den Vorstellungen der Käufer vorbei, kritisieren die Wirtschaftsprüfer. So hätten immerhin 14 Prozent der für die Untersuchung Befragten im vergangenen Jahr mindestens ein E-Book gekauft, der Durchschnittspreis habe bei 6 Euro gelegen. Dass die digitale Ausgabe eines Hardcover-Bestellers rund 15,50 Euro und ein digitaler Taschenbuch-Bestseller rund 9,20 Euro kosten, sei daher viel zu viel. Der Preisunterschied zur gedruckten Ausgabe sei zu gering und betrage nur 3 Euro beim Hardcover und gar nur 40 Cent beim Taschenbuch, so die PwC-Experten.

»Die deutsche Buchbranche droht, die Digitalisierung zu verschlafen«, fasst Werner Ballhaus von PwC zusammen. »Verlage und Buchhandel müssen funktionierende Geschäftsmodelle entwickeln, bevor internationale und teilweise sogar branchenfremde Player wie Amazon, Google oder Apple an ihnen vorbeiziehen.« Denn dass der Markt anzieht, hält man für sicher und prognostiziert für das Jahr 2015 einen Umsatz von 350 Millionen Euro mit deutschsprachigen E-Books aus dem Bereich Belletristik. Bis dahin muss man aber auch die Bundesbürger überzeugen. »Noch ist Lesern hierzulande das ‘haptische Erlebnis’ ausgesprochen wichtig – das elektronische Lesegerät wird trotz scharfer und kontrastreicher Bildschirme nicht als gleichwertige Alternative zum gedruckten Buch akzeptiert«, hat Ballhaus festgestellt. Dazu kommt, dass viele Verbraucher gar nicht wissen, was sich hinter dem Begriff »E-Book« verbirgt. Mehr als die Hälfte der Befragten konnte damit nichts anfangen – was mit »E-Reader« gemeint ist, wusste gar nur ein Fünftel.

Bei PwC geht man davon aus, dass reine E-Book-Reader nur bei Viellesern werden punkten können. Der Massenmarkt werde voraussichtlich von Tablets wie dem iPad dominiert, die nicht in erster Linie für das Lesen von E-Books erworben werden.