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Virtualisierung: Nicht immer nützlich

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Virtualisierung liegt im Trend. Nach der Server-Virtualisierung geht es nun um Storage, Desktops und Anwendungen. Doch viele gehen davon aus wird, dass jede Form der Virtualisierung Nutzen bringt. Doch ist das wirklich immer so?

Das Konzept der Server-Virtualisierung hat sich durchgesetzt. Zu Recht, wenn man eine ausreichende Zahl von Servern hat. Denn damit lassen sich die physischen Server besser und flexibler auslasten. Dass sich auch unterschiedliche Betriebssysteme einfacher nebeneinander betreiben lassen und dazu noch die Betriebssysteme von der physischen Hardware entkoppelt werden und damit die Hardware einfacher gewechselt werden kann, ist ebenso ein feiner Nebeneffekt wie die Vorteile für die Verfügbarkeit durch den Wechsel auf andere Hardware.

Storage-, Desktop- und Application-Virtualisierung
Inzwischen gewinnen auch die Storage-, Desktop- und Application-Virtualisierung immer mehr an Bedeutung. Nur: Machen diese Ansätze genauso viel Sinn? Gerade bei der Desktop- und Anwendungsvirtualisierung muss man sich diese Frage stellen, denn hier gibt es berechtigte Zweifel. Die Storage-Virtualisierung – wie beim Server am Backend – ist dagegen im Grundsatz durchaus sinnvoll.

»Wenn Unternehmen darüber nachdenken, gerade die Standard-Anwendungen wie Office-Anwendungen zu virtualisieren, stellt sich doch sehr deutlich die Frage nach dem Warum.« Martin Kuppinger

Kein klarer Nutzen bei der Desktop-Virtualisierung
Ganz anders stellt sich die Situation bei der Desktop-Virtualisierung dar. Desktop-Virtualisierung ist zum aktuellen Zeitpunkt vor allem auf die Bereitstellung weniger Varianten von relativ einheitlichen Systemumgebungen ausgerichtet. Das bekommt man aber mit Terminaldiensten und auch mit klassischem Client Lifecycle Management gut in den Griff.

Die Variantenvielfalt bei den Benutzern, die sich nicht in das Standard-Raster pressen lassen, ist aber damit nicht effizient beherrschbar – und für mobile Benutzer steckt die Technologie auch noch in den Kinderschuhen. Desktop-Virtualisierung bringt durchaus einige Vorteile. Aber so klar wie auf der Server-Seite ist der Nutzen nicht. Deshalb sollte man Desktop-Virtualisierung auch eher als eine Deployment-Option für Client-Systeme sehen und nicht als die perfekte Lösung.

Hoher Aufwand für Anwendungsvirtualisierung
Auch bei der Anwendungsvirtualisierung ist eine kritische Distanz sicher kein Fehler. Wenn Unternehmen darüber nachdenken, gerade die Standard-Anwendungen wie Office-Anwendungen zu virtualisieren, stellt sich doch sehr deutlich die Frage nach dem Warum.

Denn diese Anwendungen lassen sich einfach in virtualisierten Desktops oder über die Software-Verteilungsfunktionen auf physische Desktops verteilen. Interessant wird es eigentlich erst mit Anwendungen, die nur Teile der Benutzer benötigen – und das nicht dauernd.

Die Homepage von Kuppinger Cole. Das Analystenunternehmen beschäftigt sich mit Themen wie digitalen Identitäten, Identity und Access Management, GRC (Governance, Risk Management, Compliance) und Cloud Computing.

Diese Anwendungen bereitzustellen und auch zu deinstallieren ist die eigentliche Herausforderung. Gerade bei solchen Anwendungen darf man aber auch den Bereitstellungsaufwand bei der Anwendungsvirtualisierung nicht unterschätzen. Und gerade bei spezialisierten Anwendungen kann man auch eher auf Kompatibilitätsprobleme stoßen.

Die Marketing-Versprechen der Hersteller
Letztlich empfiehlt sich gerade am Frontend eine gewisse Skepsis gegenüber den Marketing-Versprechen der Hersteller. Denn nicht alles, was am Backend Sinn macht, stiftet auch beim Client einen vergleichbaren Nutzen. Zudem ist die Variantenvielfalt beim Client auch schwieriger zu beherrschen. Hier geht es eher um ein Sowohl-als-auch als um ein Entweder-oder.
(Martin Kuppinger/mt)

Martin Kuppinger ist Gründer des Analystenunternehmens Kuppinger Cole, das sich mit digitalen Identitäten, Identity und Access Management, GRC (Governance, Risk Management, Compliance) und Cloud Computing beschäftigt. Kuppinger Cole ist Ausrichter der European Identity Conference 2010, die sich als Leitveranstaltung rund um diese Themenbereiche etabliert hat. Kuppinger hat darüber hinaus eine Vielzahl von IT-Fachbüchern und Fachartikeln veröffentlicht. Weitere Informationen finden Sie hier: www.kuppingercole.com.

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