Kaffee ohne WLAN

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Schlechte Zeiten für Mobil-Surfer: In den USA gehen Cafè-Ketten wie Starbucks & Co neuerdings dazu über, ihre eben erst eingerichteten Gratis-Netzzugänge wieder abzuschaffen. Der Grund: Web-oholics vergraulen angeblich die normale Kundschaft – und konsumieren natürlich zu wenig.

Beim Geld hört der Spaß auf: Wie Zeitungsartikel im Economist, der New York Times und der Los Angeles Times übereinstimmend behaupten, sind Internet-Nutzer in den Cafés neuerdings nicht mehr wohlgelitten. Kneipen und Cafés sind schließlich zum Konsumieren da. Und da sind eilige Esser oder fleißige Trinker eben eher willkommen als arme Schlucker und studentische Surfer, die bloß das Gratis-WiFi schnorren wollen. Teilweise soll in den neuen »Non-WiFi-Cafés« sogar das Aufklappen des Notebooks schon verboten sein, erst recht der Anschluss desselben an die Steckdose. Dabei hatten große Ketten wie Starbucks oder San Francisco Coffee Company doch gerade erst damit begonnen, Besucher durch Gratis-Zugänge ins Internet anzulocken – auch in Deutschland. Wenn der kalte Trend aus den ach so coolen Kaffee-Ketten tatsächlich demnächst zu uns herüberschwappen sollte, dann werden Laptop und Latte (Macchiato) wohl zumindest dort nicht mehr zusammengehören.

Zum Leidwesen mancher Kaffee-Kneipiers haben es einige Nutzer wohl übertrieben, wie Stefan Winterbauer für Meedia in seinem Beitrag resümiert: Stars der New Economy sollen einst ganze Firmenimperien vom bandscheibenmordend unbequemen Starbucks-Sofa aus aufgebaut und dabei allzu raumgreifend ihre Papiere über die Tische gebreitet haben. So bekam Starbucks angeblich den Spitznamen »Startbucks«. Im Eifer des Gefechts halten sich solche Extrem-Surfer ja den ganzen Tag an einer einzigen Tasse Kaffee fest – schließlich muss das ganz große Geld erst noch verdient werden. Was gesundheitlich gesehen von Vorteil sein dürfte. »Wir nennen es Arbeit”, meinte Buchautor und Vorzeige-Blogger Sascha Lobo einmal. »Wir nennen es Herumlungern«, lautet die Antwort kaltschnäuziger Kaffeekellner.

Bevor Café-Betreiber dem falschen Beispiel folgend jetzt massenhaft ihre Router in den Keller tragen, sollten sie sich allerdings vor Augen halten, wie einst bekannte Schriftsteller und Künstler – wenn auch auf andere, altmodische  Weise vernetzt – den Ruhm der Wiener Kaffeehäuser begründet haben. Täglich Champagner bestellt haben die in der Regel damals auch nicht. Dennoch haben sie damit manches Haus zur heutigen Touristenattraktion befördert. Die aus Amerika eingeschleppte Seuche wässrig lauwarmen Blümchen-Kaffees oder fantasievoll verfremdeter, überzuckerter Pseudo-Cappucino-Kreationen hat so gesehen noch nicht viel zur Bereicherung der Kulturwelt beigetragen – zur Kaffeekultur im übrigen auch nicht. Herr Ober, bitte einen Einspänner. Und das Log-in.