Zukunftsreport: Arbeiter schwärmen aus

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Trends wie Social Media oder Mobile Internet werden immer stärker und drohen die Arbeitswelt mehr zu verändern, als vielen lieb ist. Eine Studie von Gartner behauptet, dass Routine-Jobs und Team-Arbeit bald der Vergangenheit angehören werden.

Technologische Entwicklungen wie Cloud Computing, soziale Netzwerke, Smartphones und mobiles Internet sind gerade dabei, den Arbeitsalltag in Unternehmen umzukrempeln. Hinzu kommen Entwicklungen wie Globalisierung und regelmäßig wiederkehrende Wirtschafts- und Finanzkrisen.

Das Marktforschungsunternehmen Gartner hat jetzt einen Report vorgelegt, der die wichtigsten Änderungen in der Arbeitswelt beschreibt. Das Papier verkündet etwas plakativ, aber publikumswirksam den Anspruch, die 10 wichtigsten Veränderungen in den kommenden 10 Jahren beschreiben zu wollen.

Bei genauerer Lektüre lassen sich die zehn Punkte in vier oder fünf Aspekten zusammenfassen. Sie werden im Folgenden auch nicht vollständig aufgeführt. Dennoch zeigt der lesenswerte Bericht, auf welche Trends sich Unternehmen und ihre IT-Abteilungen in den nächsten Jahren einstellen müssen.

24 Stunden im Job
Die Verschmelzung von Freizeit und Beruf, verursacht durch Phänomene wie das Beantworten von beruflichen Mails nach Feierabend oder die Präsenz von Unternehmen auf Facebook und Co. ist schon vielfach beschrieben worden. Dieser Megatrend gilt auch den Gartner-Analysten als ausgemachte Sache. Sie ziehen daraus die Schlussfolgerung, dass der Arbeiter der Zukunft 24 Stunden am Tag mit sich überlappenden Anforderungen konfrontiert sein wird, sei es aus dem Privatleben, sei es aus dem Job. Mitarbeiter müssen also lernen, die zunehmende Komplexität im Alltag zu organisieren.

Der High-Performance Workplace der Zukunft fordert den Mitarbeitern eine Menge spontane Entscheidungen und schnelles Reaktionsvermögen ab. Routinearbeit gehört dann weitgehend der Vergangenheit an.

Grundsätzlich geht der Report davon aus, dass das Business im kommenden Jahrzehnt noch stärker als bisher von Unsicherheit und schnellen Änderungen geprägt sein wird. So heißt es beispielsweise in Punkt eins der Gartner-Liste, dass Standard- oder Routineaufgaben immer mehr verschwinden.

Keine Routine mehr
Stattdessen werden wir in Zukunft zunehmend mit Aufgaben konfrontiert werden, die überraschend oder schnell auftauchen. Da sind spontanes Entscheidungsvermögen, schnelles Lernen und analytisches Denken gefragt. Herkömmliche Routine-Arbeiten werden immer stärker von automatisierten Tools erledigt. IT-Technik macht´s möglich.

Diese Entwicklung wird durch die Globalisierung der Wirtschaft noch intensiviert. Dadurch ergeben sich für Unternehmen ständig neue Situationen, Geschäftsfelder und Herausforderungen.

Weil die Menschen immer häufiger mit wechselnden oder neuen Aufgaben konfrontiert sind, stehen ihnen auch keine festen Vorgehensweisen mehr zur Verfügung. In Zukunft werden wir also stärker improvisieren und spontaner entscheiden müssen. Kompetenz zählt und nicht Routine oder Erfahrung. Laut Gartner wird es lange dauern, bis sich standardisierte Prozesse für solche Nicht-Routine-Aufgaben herausgebildet haben werden.

Durch die immer schneller wechselnden Strukturen und Gegebenheiten auf den Märkten werden Unternehmen sogar spezielle Teams bilden müssen, die neue Strukturen oder Muster auf dem Markt entdecken, beobachten und bewerten. Nur so können die Unternehmen mit ihren Produkten und Services auch angemessen darauf reagieren.

Swarming statt Teamarbeit: In einigen Jahren wird es für jedes neue Projekt ein völlig neues Team geben, das auch nur für kurze Zeit zusammenbleibt.

Komplexe Datensimulation
Einen weiteren Punkt fasst Gartner unter den Begriffen Simulation und Experimentieren zusammen. Viele Manager verbringen bislang noch eine Menge Zeit mit mehr oder weniger eindimensionalen Tools wie beispielsweise Excel-Tabellen. In Zukunft müssen sie dagegen mit komplexen und mehrdimensionalen Darstellungen von Daten zurecht kommen. Die Daten stammen aus ganz unterschiedlichen Quellen und werden von Software-Agenten je nach Bedarf für den jeweiligen Mitarbeiter aufbereitet.

Schwarm statt Team
Auch die Teamarbeit, wie wir sie heute kennen, wird es laut Gartner in zehn Jahren kaum mehr geben. Stattdessen werden sich die jeweiligen Spezialisten und Manager für jedes neue Projekt wieder eine neue Gruppe bilden und sich dabei mit neuen Mitstreitern zusammenraufen müssen. Gartner nennt das Arbeits-Schwärme (Swarming).

Man findet, unterstützt durch moderne Techniken wie Notebooks, Smartphones oder Videokonferenzen, für ein bestimmtes Projekt zu einem neuen Team, sprich: Schwarm, zusammen. Nach Abschluss des Projekts geht man wieder auseinander, um kurz darauf wieder in einem ganz anderen Schwarm zu landen.

Durch den schnellen Wechsel von Kollegen und Mitarbeitern werden auch die sozialen Beziehungen zwischen den Menschen flüchtiger. Mitarbeiter werden also lernen müssen, sich geschickt in ihren professionellen und sozialen Netzwerken zu bewegen. Sie müssen dann auch mit neuen Kollegen schnell klarkommen, von denen man nur weiß, was ihr Spezialgebiet ist.

All diese Trends und Veränderungen sind zum großen Teil durch die Möglichkeiten der modernen IT-Technik erst entstanden. Nun bleibt den Manager nichts anderes übrig, als diese IT-Technik einzusetzen, um die so entstandenen Herausforderungen zu bewältigen.

Kienbaum fordert bessere Change Communication
Zum Gartner-Report passt auch die neue Studie der Managementberatung Kienbaum. Für die Studie wurden die Kommunikationsverantwortlichen in 54 DAX-Konzernen und großen mittelständischen Unternehmen in Deutschland befragt. Sie untersucht den Stellenwert von Change Communication, wie das im Business-Deutsch heißt. Darunter versteht man die “kommunikative Begleitung unternehmerischer Veränderungsprozesse”. In erster Linie geht es hier darum, die eigenen Mitarbeiter über Veränderungen zu informieren.

Akzeptanz bei den Mitarbeitern steigern
Laut Studie steht Change Communication für 69 Prozent der Kommunikationsverantwortlichen in Unternehmen ganz oben auf der Prioritätenliste. Vor allem »krisenbedingte Restrukturierung-und Neuausrichtungsprozesse« müssen durch diese kommunikative Maßnahmen gegenüber den Mitarbeitern begleitet werden. Das wiederum dient vor allem dem Ziel, die Akzeptanz bei den Mitarbeitern steigern, sagen 95 Prozent der Befragten Kommunikations-Profis. 47 Prozent meinen immerhin, das Change Communication auch die Produktivität der Mitarbeiter steigert.

»Ein professionelles und sensibles Kommunikationsmanagement trägt entscheidend zur optimalen Mobilisierung der Mitarbeiter bei.« Erik Bethkenhagen, Geschäftsführer von Kienbaum Communications. (Bild: Kienbaum)

Ganz leicht scheint die interne Kommunikation in Unternehmen aber nicht zu sein. Denn die Hälfte der Teilnehmer an der Studie findet es schwierig, die kommunikativen Maßnahmen bei Veränderungen erfolgreich umzusetzen. In knapp einem Drittel der Firmen sind solche Maßnahmen sogar schon gescheitert.

Beim Thema Change Communication gibt es also Verbesserungspotenzial. Zumal Kienbaum ähnlich wie Gartner zum Ergebnis kommt, dass die Lage in der Geschäftswelt auch in den nächsten Jahren weiterhin instabil bleibt. 52 Prozent der Studienteilnehmer gehen davon aus, dass sich ihr Betrieb auch nach überstandener Wirtschaftskrise mit ständigen Veränderungen herumschlagen muss. Ein Drittel glaubt, dass das Veränderungstempo sogar noch steigt.

Flexibilität, Kreativität und kollaboratives Arbeiten sind für die Experten vom Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation wichtige Erfolgsfaktoren in den Büros der Zukunft. Ein Standbild aus einem Fraunhofer-Video. Das komplette Video ist auf der Website zu sehen (siehe Weblinks.)

Wer sich eingehender mit den Arbeitswelten der Zukunft auseinandersetzen will, sollte sich auch einmal die Projekte des Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation ansehen. Dort gibt es beispielsweise ein »Office Innovation Center«. Darin sollen »zukunftsweisende Arbeitsumgebungen« konzipiert und erforscht werden.
(mt)

Weblinks
Gartner High-Performance Workplace
Kienbaum
Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO