10 Stolpersteine für Android

MobileMobile OSSmartphone

Android entwickelt sich zwar gut, aber Zweifel an der Sicherheit, dem Datenschutz und der Eignung für den Unternehmenseinsatz könnten das mobile Betriebssystem zurückwerfen.

Googles Android-Plattform könnte sich momentan nicht besser entwickeln. Dank Droid X erobert die Software immer mehr Haushalte. Während in den USA der bevorstehende Ausverkauf des Smartphones innerhalb der nächsten Wochen durch die Nachrichten geht, beginnen die Käufer zu realisieren, dass Googles mobiles Betriebssystem als Alternative zum iPhone wohl der beste Kandidat ist.

Aber mit dem Erfolg kommt auch Verantwortung. Die Tage sind vorüber, an denen man versuchte, sich Apple auf dem mobilen Markt anzunähern. Heute muss Google den Markt analysieren, die richtigen Entscheidungen treffen und das Wachstum fortsetzen. Das kann nur geschehen, wenn Google Händlern und Kunden eine Lösung offeriert, die das Versprechen des Konzerns einlöst, Gutes zu tun statt Böses.

Es gibt aber einige signifikante Stolpersteine, die das Wachstum von Android aktuell behindern oder sich in Zukunft noch als Problem erweisen werden. Hier kommen die Schwierigkeiten, die Andoids Entwicklung beeinträchtigen können.

1. Sicherheit
Sicherheit ist zu einem heißen Eisen für Android-Anwender geworden. Kürzlich wurde eine Android-Applikation bekannt, die persönliche Informationen »von Millionen Anwendern« sammelte, um sie an eine Website in China zu senden. Dieser Vorfall unterstreicht einen früheren Bericht, der besagt, dass Android-Apps auf Grund der Zugriffsmöglichkeiten auf das OS, die Google ihnen gewährt, für die Anwender gefährlich werden können. Google sagt jedoch, das mobile Betriebssystem sei sicher und die Nutzer müssten sich keine Sorgen machen. Doch wenn die Sicherheitsprobleme andauern, werden sie sich Sorgen machen. Und das könnte die Fähigkeit des Unternehmens, Kunden anzuziehen, nachhaltig beeinträchtigen.

2. Apple
Apple könnte für Google ein großes Problem auf seinem weiteren Weg werden. Obwohl Android OS Marktanteile hinzugewinnt und Geräte wie Droid X sich weiterhin gut verkaufen, hat Apple seine Zukunft im mobilen Markt verankert. Das letzte, was Apple will, ist Google eine größere Scheibe vom Markt abzutreten und damit seine eigenen Ziele in Gefahr zu bringen. Passt auf, wie Apple Google direkt anvisiert und alles tut, um Android Kunden zu stehlen. Wenn das geschieht, muss Google reagieren und einen nachhaltigen Gegenangriff einleiten, sonst wird es Schwierigkeiten bekommen.

3. Das Droid X, und was sonst?
Das Motorola Droid X ist zweifellos ein äußerst populäres Smartphone, das dazu beigetragen hat, Android ins Spiel zu bringen. Aber wohin gehen Google und seine Vertriebspartner von hier aus? Das Droid X ist sehr wohl das erste und einzige Android-basierte Smartphone, das die Aufmerksamkeit erhält, derer sich Apple mit jeder Neuauflage des iPhones gewiss sein kann. Mit weiteren Android-Geräten, die in Kürze herauskommen, muss Google diesen Schwung beibehalten. Wenn diese Produkte es nicht schaffen, die Aufmerksamkeit der Käufer auf sich zu ziehen, wird der ganze Hype, den man mit dem Droid X entfacht hat, verpuffen. Letztlich wird Android OS wieder in die Situation geraten, nur das andere Betriebssystem im mobilen Sektor sein.

4. Ist Flash die Rettung?
Google setzt große Hoffnungen auf Adobes Flash. Wenn Android 2.2 auf jedes Android-Smartphone kommt, werden die Anwender endlich die Möglichkeit haben, jedes Online-Video anzuschauen und jedes Online-Spiel über den mobilen Chrome-Browser zu spielen. Wenn das allerdings nach hinten losgeht und Sicherheitsprobleme aufwirft, der mobile Chrome häufig abstürzt oder andere Probleme auftauchen, steht Google dumm da. Und Apple, die Firma, die Flash den Zutritt zu seiner mobilen Plattform verweigert hat, wird der strahlende Gewinner sein. Flash sollte sich besser als Volltreffer für Google erweisen.

5. Der iPhone-Vorsprung im Unternehmen
Google hat mit der letzten Version von Android OS unmissverständlich klar gemacht, dass es für attraktiver für Unternehmensanwender werden möchte. Android-2.2.-Nutzer haben besseren Zugriff auf Exchange und verschiedene andere Unternehmens-relevante Optionen, mit denen sich mehr Nutzen aus dem Open-Source-Betriebssystem ziehen lässt. Aber Apple drängt ebenfalls auf den Business-Markt. Bisher macht Apple seine Sache mit den iPad und dem iPhone sogar besser. Wenn sich Apple weiterhin so gut entwickelt und den Wert der Unternehmenskunden erkennt, wird die Firma alles tun, um Google daran zu hindern, einen Fuß in die Tür zu bekommen.

6. Windows Phone 7
Windows Phone 7 gilt momentan als Joker. Obwohl Microsofts mobile Strategie etwa drei Jahre zu spät kommt, hat der Konzern immer noch einen bedeutenden Einfluss auf die Unternehmenslandschaft. Mit Windows Phone 7 wird Microsoft endlich ein Betriebssystem ausliefern, das mit dem Rest des Marktes konkurrieren kann. Google sollte besonders besorgt sein über die Auswirkungen, die Windows Phone 7 haben könnte. Microsofts Strategie ist es, Vertriebspartnern die Lizenzierung seiner Software zu ermöglichen, so dass diese sie auf ihren eigenen Handys einsetzen können. Die Strategie ist die gleiche wie die von Google. Stellt sich aber heraus, dass Microsofts Betriebssystem das bessere für Endanwender und Geschäftskunden ist, wird der Erfolg, den Google mit seiner Plattform hatte, zunichte gemacht und die Hersteller laufen zu Microsoft über. Google muss diese Möglichkeit im Auge behalten.

7. Googles Datenschutz-Probleme
Googles Schwierigkeiten mit dem Datenschutz könnten auch auf die mobile Plattform zurückfallen. Im vergangenen Jahr wurde Google für den Umgang mit Daten auf seiner Plattform Buzz kritisiert, die jedem Google-Anwender Einblicke in die Beziehungen eines Buzz-Nutzers zu dessen Freunden gewährte. Dann sammelt Google Daten über offene WLAN-Netzwerke in seinem Streetview-Dienst. Einige Leute fangen an sich zu fragen, ob Google möglicherweise nicht so „gut“ ist, wie sein berühmtes Motto besagt. Bisher haben solche Datenschutzprobleme nicht für große Schlagzeilen gesorgt. Falls sie aber anhalten und das Unternehmen weiterhin Schwierigkeiten auslöst, wird es nur eine Frage der Zeit sein, bis es sich die Kunden zweimal überlegen, bevor sie ein Produkt des Suchgiganten kaufen. Der Datenschutz ist den Konsumenten heute wichtig. Das muss Google verinnerlichen.

8. Schlechter Unternehmens-Fokus
Wie erwähnt plant Google mit Android 2.2 einen deutlichen Schritt nach vorn in Richtung Unternehmenseinsatz. Einige Kritiker behaupten aber, dass Google längst nicht genug dafür tut. Seine derzeit schlechte Business-Ausrichtung könnte auch die mobile Plattform ausbremsen. Das ist eine nachvollziehbare Befürchtung. In den vergangenen vier Jahren hat Apple seine Plattform kontinuierlich ausgebaut, um sie so unternehmensfreundlich wie möglich zu machen. RIMs Blackberry-OS wird allgemein als die beste Unternehmenssoftware auf dem mobilen Markt anerkannt. Derweil hat Google gerade erst damit begonnen, sich mit Android OS auch auf Geschäftskunden einzustellen. Auch mit Exchange-Unterstützung gibt es noch viel zu tun. Es ist schön zu sehen, dass Google Unternehmen anspricht, aber wenn es nicht schnell handelt, könnte es unter die Räder kommen.

9. Schlechte Tablets
Googles Android OS erobert langsam aber sicher auch Tablets. Die Geräte sind weitgehend auf Endanwender zugeschnitten, mit Ausnahme des Cisco Cius, das für den Unternehmenseinsatz entwickelt wurde. Mit den Android-Tablets steht einiges auf dem Spiel. Sind sie erfolgreich, verfügt Google über eine weitere Plattform, mit der es Konsumenten ansprechen kann. Sollten sie versagen und die Kunden finden heraus, dass das gleiche Betriebssystem auch auf Smartphones läuft, könnte es für Google desaströs enden. Android-Tablets müssen ein Erfolg werden.

10. Googles Vision
Googles Vision ist im Moment von allem etwas. Auf der einen Seite weiß der Konzern, dass er Anbieter einer mobilen Lösung ist. Auf der anderen Seite betrachtet Google diese mobile Plattform als einen Weg, Profit über Werbung zu machen. Jedes Unternehmen braucht ein Geschäftsmodell, und das von Google scheint auch gut zu funktionieren. Aber wenn das Unternehmen zu viel Zeit damit verbringt, sich über Werbung Gedanken zu machen und zu wenig an die Auswirkungen zu denken, wird es Probleme bekommen. Mobile Produkte sind immer nur so gut wie ihre letzte Aktualisierung. Wenn Google Android vernachlässigt, wird es die Konsequenzen tragen. Da gibt es keine Zweifel.