iPad-Rivalen kommen spät oder nie – sagt Mr. Ballmer

Allgemein

Während alle Welt gebannt auf das iPad und seinen wieder einmal einsamen Erfolg starrt, fragen sich unerschütterliche Windows-Jünger, warum es beim Thema Tablet-PC denn immer noch klemmt.

Der oberste Boss des weltgrößten Software-Konzerns argumentierte auf einem Analystentreffen in Seattle mit ungewöhnlicher Offenheit: »Apple hat mehr Tablets verkauft als mir lieb ist«, gab Microsoft-Chef Steve Ballmer mit Blick auf Apples iPad dort unumwunden zu, wie die FTD berichtet. Und der für seine Angriffslust bekannte MS-Obermotz schickte noch eine weitere, wenig Mut machende Erklärung hinterher: Bis Windows 7 basierende  Tablets auf den Markt kommen würden, würde es realistisch gesehen wohl noch mehrere Monate dauern. Soviel ehrliche Einsicht in die eigenen Schwächen klingt fast schon nach Kapitulation, hat aber wohl ihre Berechtigung: Zwar sind Tablet-PCs verschiedener Hersteller schon seit Jahren – mit eher mäßigem Erfolg – käuflich erwerbbar, aber erst der Charismatiker aus Cupertino zeigte der Welt anscheinend wieder einmal, wie so ein Gerät wirklich aussehen muss. Vor allem die iPad-einfache Bedienung per Finger-Schnipp scheint den Entwicklern von Windows Tablets ja immer noch Probleme zu bereiten.

»Apple verkauft 3 Millionen Geräte im Quartal, wir peilen 400 Millionen an«, gab sich indes ein weiterer MS-Chef auf besagter Konferenz kampfeslustig. Zumindest die in Seattle versammelten Analysten halten offensichtlich weiter zu Microsoft. »Aufgrund der soliden Partnerschaften mit zahlreichen Hardwareherstellern und des riesigen Angebots an Windows-Programmen dürfte Microsoft in diesem Markt ungeachtet des Rückstands einen beträchtlichen Marktanteil ergattern«, lässt sich etwa ein Walter Pritchard von der Citygroup zitieren.

Weiteren Auftrieb für seine Windows-Tablets erwartet sich Ballmer von einem neuen Intel Atom-Prozessor  ab Anfang des Jahres 2011. Der vorerst unter dem Codenamen Oak Trail laufende Mobil-Chip soll unter anderem eine längere Akkulaufzeit gewährleisten. Ballmer deutete in Seattle allerdings auch leise an, dass einige der bereits vorgestellten Tablets vielleicht gar nicht auf den Markt kommen werden. So zum Beispiel der von ihm höchstselbst auf der CES hochgehaltene HP Slate. HP hat nach dem Aufkauf von Palm mittlerweile nämlich andere Pläne.