EIF – offener Standard für Europa oder nur Industrielobby?

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Stärkt das »European Interoperability Framework« wirklich die Zusammenarbeit von IT-Produkten und Standards – oder hilft es eher den großen Unternehmen, sich zu behaupten?

Zwei Interessengruppen streiten sich durch intensivste Lobbyarbeit bei der EU, ob das EIF (»European Interoperability Framework«) wirklich dem Austausch dient, wie es seine Verfechter im »OpenForum Europe« IBM, Oracle, Google und Red Hat vertreten.

In höchsten Tönen lobte etwa die New York Times das OpenForum Europe, das mit dem EIR versuche, die »Festung Microsoft« anzugreifen. »Diese Story war mir ein bisschen zu viel«, sagt Florian Müller, Betreiber des Blogs »FOSS Patents« und kritischer Beobachter der europäischen Softwarebranche. Die involvierten Organisationen seien schließlich »Alles Andere als offen, egal wie sehr sie das behaupten«.

Alle Teilnehmer lebten in einer Art Doppelmoral, wie auch die aktuellen Nachforschungen der EU bezüglich IBMs Großrechnergeschäft zeigen-würden. Der Wettbewerbskommission sei vor allem die Bindung von IBMs Software-Angeboten an die Hardware ein Dorn im Auge – schließlich seien die Erlös aus dem Mainframe-Geschäft immer noch ein brummendes Geschäft mit über 25 Milliarden Dollar Umsatz im Jahr. Bei wirklich offenen Standards kämen eher die Anbieter kleiner Server und offener Software zum Zug.

Im FOSS-Patents -Blog geht Müller auf die Doppelmoral jeder einzelnen beteiligten Firma im Detail ein. Sein Credo: Das »OpenForum Europe« und seine Mitglieder sollten da eher die viel wichtigere »Interoperability Initiative« der EU fördern. Zu der gibt es noch zu wenige Dokumente online und so dümpelt sie quasi im Öffentlichkeits-Nirvana herum. In einer Rede fasst EU-Kommissarin Neelie Kroes den Zweck jedoch gut in Worte: »Jede Art von IT-Produkt sollte künftig  in der Lage sein, mit jeder Art von Service zu kommunizieren«.

Die Tätigkeiten des OpenForum sehen noch nicht danach aus, als ob dies schon gewünscht wäre. Doppelmoral oder Unverständnis?

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