Microsoft übertrifft Erwartungen und bleibt vor Apple

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Der Software-Konzern profitiert vom wieder anziehenden Geschäft mit Unternehmenskunden und darf sich über einen Umsatz von 16,04 Milliarden Dollar freuen, mit dem man weiterhin vor Apple liegt – wenn auch nur knapp. Die Frage bleibt: Wie ist Microsoft für die Zukunft aufgestellt?

Windows hui, Online und Mobile pfui

Es wurde schon spekuliert, Apple könne Microsoft dank der von iPad und iPhone 4 angetriebenen Umsatzexplosion überholen, doch diesen Angriff hat der Software-Konzern erst einmal abgewehrt. Für das zweite Quartal 2010 vermeldet er einen Umsatzanstieg von 22 Prozent auf 16,04 Milliarden Dollar und profitiert wie zuletzt Intel vom sich erholenden PC-Markt. Speziell das Unternehmensgeschäft zieht laut Microsoft-COO Kevin Turner wieder an, wozu der Start von Office 2010 seinen Teil beiträgt. Aber auch die Verkäufe von Windows 7 sind weiter stark: Microsoft zufolge hat man bereits 175 Millionen Lizenzen abgesetzt.

Die Windows & Windows Live Division des Software-Konzerns steuert zum Unternehmensergebnis einen Umsatz von 4,55 Milliarden Dollar bei und damit 43 Prozent mehr als im Vorjahresquartal. Der Bereich Server and Tools legt um knapp 14 Prozent auf 4,01 Milliarden Dollar zu und die Business Division um 15 Prozent auf 5,25 Milliarden Dollar. Das klassische Microsoft-Geschäft läuft also gut – Sorgenkinder bleiben die Online Services Division und die Entertainment und Devices Devision. Letztere konnte ihren Umsatz zwar um 27 Prozent auf 1,6 Milliarden Dollar steigern, häufte aber auch einen um 22 Prozent gewachsenen operativen Verlust an (172 Millionen Dollar). Noch schlechter steht es um Microsofts Online-Geschäft, das nur einen Umsatz von 565 Millionen Dollar erwirtschaftete – 12,8 Prozent mehr als im zweiten Quartal 2009, aber enttäuschend, wenn man bedenkt, wie viel Anstrengungen der Software-Konzern unternimmt, um sich neben Google zu etablieren. Der operative Verlust der Sparte stieg um 19 Prozent auf 696 Millionen Dollar.

Insofern bleibt fraglich, wie gut Microsoft für die Zukunft aufgestellt ist. Sicher, mit Windows und Office wird man auch künftig ein erkleckliches Sümmchen verdienen, doch Märkte mit großer Zukunft, sprich: rasantem Wachstum, sind das nicht. Hierzu zählen das Internet und der Mobilmarkt und dort steht man im Schatten von Google und Apple. So hilft es wenig, wenn Microsoft stolz verkündet, der Marktanteil von Bing sei den dreizehnten Monat in Folge gewachsen – das Ergebnis der Online Services Devision spricht eine andere Sprache. Und dass Apple beim Umsatz zu Microsoft aufschließt, dürfte nur eine Momentaufnahme sein. iPad und iPhone werden sich weiter gut verkaufen, Apple-Chef Steve Jobs versprach sogar noch weitere spannende neue Produkte in diesem Jahr. Microsoft dagegen schob seine Handy-Reihe Kin nach nur zwei Monaten Hals über Kopf aufs Abstellgleis und hofft nun auf Windows Phone 7. Gut möglich, dass Apple schon bald vorbei zieht.

Die Erwartungen der Analysten hat Microsoft mit den aktuellen Quartalszahlen (Nettogewinn: plus 48 Prozent auf 4,52 Milliarden Dollar) übertroffen. Wenn man das auch künftig schaffen will, muss man sich aber anstrengen, denn die Stars der Branche sind andere, innovativere Unternehmen. Zudem hat Microsoft nicht jedes Jahr ein neues Windows oder ein neues Office, das für Umsatzwachstum sorgt.