China wird Google wohl doch nicht ganz blockieren

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Wohl aus wirtschaftlichen Gründen und weil man politische Stabilität bewahren will, so analysiert Piper Jaffray, wird China die US-Suchmaschine nicht ganz blockieren.

John Paczkowski, der die IT-Branche schon seit den Achtziger-Jahren als Nachrichtenjournalist begleitet, berichtet nun im Blog »Digital Daily« des Wall Street Journals über die neuesten Erkenntnisse der Börsenanalysten von Piper Jaffray. Diese hätten beobachtet, was seit dem Wechsel des Suchkrösus von Shanghai nach Hongkong  mit dem Google und den Blockaden der Chinesen passiert ist.

Umgeleitet ja, aber?
Wer Google.cn aufruft, landet inzwischen auf google.com.hk – denn wenngleich Hongkong seit 10 Jahren wieder zur Volksrepublik China gehört, gilt noch immer »ein Land, zwei Systeme«. Im seinerzeitigen Streit um Zensur und angebliches Staats-Hacking hatte Google begonnen, folgende Worte am Ende des Suchergebnisses anzuzeigen: »Aufgrund lokaler Gesetzgebungen und Regulierungen werden einige Suchergebnisse nicht angezeigt«. Kurz nach dem Umzug nach Hongkong war Google dann auch von der »großen Firewall« Chinas ausgenommen und zeigte wieder alle Suchergebnisse.

Im Gespräch war dann bereits, dass die chinesische Regierung sämtliche Zugriffe auf Google einfach blockieren wird. Dem ist wohl doch nicht mehr so.

Zensur zur Stabilität
Trotz aller scharfen Rhetorik zwischen China und den USA habe China, so Piper Jaffray, Interesse am Bleiben des US-Suchgiganten. Gründe seien zum einen der Druck der chinesischen Firmen, die auf Google tatsächlich Werbung schalten wollten und zum anderen der Versuch, bei der jüngeren Generation nicht als Zensor dazustehen. Soll heißen: Von China auf Google Hongkong zuzugreifen ist zwar möglich, und die »freie Rede« gilt nach chinesischer Wortmeldung- aber offenbar wieder nur im Sinne des chinesischen Gesetze.

Gene Munster, Piper Jaffray-Analyst, führte vergangenes Wochenende mit seinem Team einige Test-Suchen durch und fand heraus: Die Ergebnisse werden sogar noch strikter gefiltert. Während die alltäglichen Themen durchgingen, kamen zu den politischen Begriffen  wie »Tiananmen« und » Falun Gong« gar keine Ergebnisse mehr.  Munster erklärt sich das so: »Wenn die chinesische Regierung den Zugriff zu Google komplett sperren wollte, hätte sie das schon längst getan« und wiederholte die eigenen Annahmen über Wirtschaft und Stabilität. Denn während die Mainstream-Medien den »Fall Google« gar nicht erwähnten, dürften die jüngeren Bürger auf anderem Wege mindestens Wind von der Sache gekriegt haben. Der Analyst meint, eine Komplettblockade durch China sei inzwischen sehr unwahrscheinlich. µ

L’Inqs:
All Things Digital über Googlesund hinas halbherzige Strategien
Google Chinas kurzer Ausflug in die Hongkonger Meinungsfreiheit
Gene Munster von Piper Jaffray
Googles Abwehr chinesischer Zensur
…und der Umzug nach Hongkong
Chinesische Angriffe über Leck im Internet Explorer

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