Ausgediente Politiker und das Internet

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Tony Blair sucht Glück im Silicon Valley, berichteten diverse Informationsdienste. Und Horst Köhler verzweifelte wohl an Internet-Nachrichten – meinten zumindest die Kollegen vom ZDF. Was macht eigentlich Roland Koch?

Den früheren britischen Regierungschef Tony Blair zieht es zum Venture Capital. Im Silicon Valley könne er wenigstens noch Geld verteilen, zuhause sei ja keines mehr da, lästern bösmeinende Stimmen. Als »Senior Consultant« der VC-Fima  Koshla Ventures soll er Startups helfen, die den Bereich Cleantech avisieren: »Klimaschutz und Unternehmens-Effektivität vereint« ist das Metier dieser Firmen.  Die New York Times zitierte Blair als überzeugt davon, dass Technologie die meisten Umweltprobleme lösen könne.

Koshla Ventures entstand, als Vinod Koshla die Kapitalfima Kleiner Perkins Caufield & Byers verließ, die hinter zahlreichen IT-Erfolgsgeschichten aus dem Valley steht, etwa Google, Verisign, Amazon und Sun. Technik-Nerds im
Silicon Valley würden aber oft nicht verstehen, wie wichtig Zusammenarbeit mit Politikern  sei, zitiert das Branchenportal Cleanthinking den Chef der VC-Firma.

Bei Umwelt-Unternehmen mag dies auch mehr zuzutreffen als im reinen IT-Umfeld. Doch selbst die »reine Informationstechnik« ist inzwischen schon Mainstream, an den sich Politiker anpassen müssen. Schon jetzt hat das Internet einen großen Einfluss auf die Entscheidungen von Politikern. Den Beitrag im ZDF über den Rücktritt Horst Köhlers und dessen zu dünne Elefantenhaut zu Facebook- und Twitter-Nachrichten beendete Modertor Claus Kleber mit den Worten »Nie wieder wird man Twitter, Facebook und Co für ein Spielzeug halten«.

Wer eher mit Internet-Anfeindungen umgehen könnte wäre sicher Hessens Ex-Ministerpräsident Roland Koch – als Elefant im Porzellanladen zerbrach er ohnehin so viel politisches Geschirr, dass letztendlich nur ein Fünftel der Bevölkerung seinen Rücktritt bedauert.

Gerüchte, dass er ebenfalls in die IT-Branche wechseln würde, erweisen sich jedoch bislang als falsch. Auch, wenn es hieß, er wolle in die Wirtschaft wechseln,  wird dies wohl eher seine Tätigkeit als Anwalt betreffen als die Technikbranche. Ganz los kommen vom Medium wird er aber auch nicht:  Die Internet-Aktivisten melden sich sicher dann wieder, sobald der politische Elefant irgendwo erneut zutritt.µ

L’Inqs:
New York Times zu Blairs Wechsel ins Silicon Valley
Umwelt-VC-Firma Koshla Ventures
Monster-Risikokapital-Unternehmen Kleiner, Perkins, Caufield & Byers
Koch-Rücktritt wird nicht bedauert

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