Tablet PC: Microsoft plant Comeback

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Während Apple mit dem iPad Verkaufserfolge feiert, ist Microsoft in der Defensive. Doch die Microsoft-Manager arbeiten weiter an einem eigenen Tablet PC – und haben dafür gerade ein neues Betriebssystem vorgestellt.

Zwei Millionen iPads hat Apple nach eigenen Angaben in den ersten Wochen verkauft und feiert damit einen triumphalen Erfolg. Experten halten es für möglich, dass Apple in diesem Jahr noch sieben Millionen Stück verkauft.

Wenn man wissen will, warum das iPad so erfolgreich ist, muss man aber nicht unbedingt Steve Jobs fragen. Sein ehemals schärfster Konkurrent Bill Gates weiß das auch. Der hatte nämlich bereits vor zehn Jahren – im Herbst 2000 – den Prototypen eines Tablet-Rechners auf der Comdex vorgestellt.

Zwei Jahre später – im November 2002 – wurden dann die ersten Geräte mit Windows XP angekündigt. Die Rechner hatten zwar noch keinen richtigen Touchsreen, konnten aber schon mit Stift bedient werden. Die Microsoft-Manager wussten damals schon, was die digitale Zukunft bringt.

Der Mutter aller Tablets. Microsofts Prototyp aus dem Jahr 2000. (Bild: Microsoft)

Nur umsetzen konnten sie ihr Wissen nicht. Trotz all der Milliarden, die der Software-Gigant in der Kasse hat. Die Geräte, egal, ob von Acer, Samsung oder anderen konnten sich auf dem Markt nie durchsetzen.

Bittere Niederlage für Microsoft
Für Microsoft ist der Erfolg von Apples iPad eine bittere Niederlage. Und es ist nicht die einzige. Kurz zuvor hatte HP angekündigt, demnächst einen Tablet-Rechner mit Palms WebOs auf den Markt zu bringen und Microsofts Windows damit den Laufpass gegeben. Kurz danach hat der Softwareriese aus Redmond die Entwicklung des vielversprechenden Courier-Rechners vorerst gestoppt. Zu allem Überfluss hat Apple den Konkurrenten letzte Woche auch in puncto Börsenwert überflügelt und war zumindest kurzzeitig das wertvollste IT-Unternehmen der Welt.

Es sieht ganz so aus, also ob Apple den Softwareriesen erfolgreich aus dem Feld geschlagen hat.

95 Prozent aller Netbooks nutzen Windows
Allerdings will Microsoft auch nach dieser langen Serie von Rückschlägen nicht aufgeben. So zitiert das Wall Street Journal den Microsoft-Manager Steve Guggenheimer (corporate vice president Original Equipment Manufacturer Division) mit den Worten: »Eine neue Gerätekategorie macht am Anfang immer viel Lärm«, eine Anspielung auf den Hype um Apples iPad.

Offensichtlich schöpft Guggenheimer Hoffnung aus dem Erfolg von Windows bei Netbooks. »Zuerst waren 95 Prozent der Netbooks nicht mit Windows ausgestattet und drei Jahre später laufen 95 Prozent der Netbooks mit Windows.« Möglicherweise ein Hinweis darauf, dass Microsoft auf Zeit spielt und hofft, in einem Zeitraum von zwei oder drei Jahren nennenswerte Marktanteile erobern zu können.

Windows Embedded Compact 7
Zum Erfolg verhelfen soll aber nicht unbedingt Windows 7, sondern das gerade auf der Computex angekündigte Windows Embedded Compact 7. Die Software soll im vierten Quartal fertig sein. Damit würden erste Geräte wohl frühestens zum Weihnachtsgeschäft in den Handel kommen, vielleicht auch erst im ersten Quartal 2011. Embedded Compact 7 ist der Nachfolger eines alten Bekannten, nämlich Windows CE.

Das Betriebssystem läuft im Gegensatz zu Windows 7 auch auf ARM-Prozessoren, die auf Mobilgeräten häufig zum Einsatz kommen. Daneben soll Embedded Compact 7 auch Multitouch-Technik. Daneben unterstützt das Betriebssystem auch die Multimedia-Technike Silverlight und Adobes Flash.
Laut Presseberichten hat Asus bereits einen Tablet-Rechner mit dem neuen Betriebssystem angkündigt, das Eee Pad EP101TC.

Windows gegen Android, Chrome und WebOS
Dabei muss Microsoft mit seiner Betriebssystem-Plattform nicht nur gegen Apple antreten, sondern auch gegen Googles Betriebssysteme Android beziehungsweise Chrome OS sowie gegen das bereits erwähnte WebOS aus dem Hause HP.

Bill Gates im Mai 2002. Der damalige Microsoft-Chef demonstriert stolz einen Tablet PC. Heute hat Gates viel mehr graue Haare, aber immer noch keinen richtigen Tablet PC. (Bild: Microsoft)

Für Microsoft spricht wiederum, dass es genügend PC-Hersteller gibt, die Windows 7 oder das neue Embedded Compact 7 als leistungsfähige technische Basis für eigene Tablet-PC-Kreationen sehen und es sich mit Microsoft auch nicht ganz verderben möchten. Schließlich ist Windows auf dem Desktop-PC im Home Office und im Büro nach wie vor das Maß aller Dinge.

Asus kündigt Tablets an
Wie oben erwähnt hat Asus beispielsweise Tablet-Modelle auf Windows-Basis angekündigt. Das Unternehmen hatte mit den Eee PCs die Welle der Netbooks erfolgreich losgetreten und bewiesen, dass es auch jenseits von Apple noch innovative Produkte gibt. Auch PC-Hersteller wie Acer, MSI, Toshiba oder Dell kommen als Kandidaten für Tablet-PCs mit Microsoft-Betriebssystem in Frage.

Plant Steve Jobs schon den nächsten Coup?
Apple muss sich deswegen aber sicher keine Sorgen machen. Der iPad wird für lange Zeit die Nummer eins auf dem Markt bleiben. Marktforscher sagen voraus, dass im nächsten Jahr bis zu 17 Millionen Exemplare über den Ladentisch gehen könnten.

Das wird eine Menge Geld in die Kassen des Nobelherstellers aus Cupertino schwemmen. Geld, das Steve Jobs und sein Team zweifellos nutzen werden, um den nächsten Hightech-Coup nach dem iPad auszuhecken.
(mt)

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