OpenSource-Netzwerksteuerung mit Spiceworks
OpenSource im Business, Teil 4: Netzwerkmanagement

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Ein Mischmodell aus OpenSource-Community und Werbefinanzierung bringt kostenfreies Netzwerkmanagement mit zahlreichen Schnittstellen für Add-ons.

Raus aus der FreewareEcke

Mit der werbefinanzierten Business-Software wagt sich Spiceworks aus der bislang von Unternehmen mit Skepsis betrachteten »Freeware-Ecke« heraus. Ist dies der Königsweg? – Eine Beobachtung von Heiner Strubbe.

Wer auf der Suche nach einer IT-Management-Lösung ist, wird weniger vor der Entscheidung stehen, wessen Produkt die eigenen Ansprüche am besten abdeckt, sondern eher über die Geschäftsmodelle nachdenken, die hinter den Produkten stehen. Auf der einen Seite steht das klassische Lizenzmodell von Lösungen wie FCS Asset.Desk , das alles von der Inventarisierung bis zum Help-Desk zu bieten hat und mit erheblichen Einsparungspotenzialen wirbt, aber gleichzeitig für eine Infrastruktur von 200 Geräten mit einem vierstelligen Betrag zu Buche schlägt. Gerade in kleinen und mittelständischen Unternehmen wird sich die Geschäftsleitung jedoch die Frage stellen, warum Technik der Technik wegen notwendig wird, und warum hierfür weitere Investitionen getätigt werden müssen, die mit den eigentlichen Betriebszielen nur noch indirekt im Zusammenhang stehen.

Leidtragende dieses Paradoxes waren bis zuletzt die IT-Verantwortlichen, die sich mit einem Sammelsurium aus Kleinstanwendungen durchgeschlagen haben oder sich in langwierigen Debatten mit Finanzgremien rechtfertigen mussten, warum ihre Arbeit von entsprechenden Tools abhängig ist, während sich Hilfsanfragen in ihren Email-Postfächern oder auf Post-Its an der Bürotür aufstauten.


Werbefinanzierung hält Tool kostenfrei

Doch inzwischen versprechen alternative Geschäftsmodelle Licht am Ende des Tunnels und beschränken sich nicht mehr nur auf das »Paralleluniversum« der Open-Source-Tüftler. Wie das Beispiel des werbefinanzierten IT-Desktops von Spiceworks zeigt, ist das Open-Source-Produkt Nagios längst nicht mehr die einzige Alternative zum Lizenzmodell und steht diesen inzwischen auch kaum noch in etwas nach. Wenn man nun Zeiten knapper Budgets und den Druck einer stetig wachsenden Komplexität der Unternehmens-IT berücksichtigt, werden sich viele Unternehmen nicht nur die Frage nach dem Preis-Leistungs-Verhältnis stellen, sondern stehen bei Gratis-Software auch vor der Entscheidung einer viel allgemeineren Kosten-Nutzen-Funktion.

Hierbei scheint der Einwand, dass Werbung nicht an den Arbeitsplatz gehört, zunehmend dadurch aufgewogen zu werden, dass branchenbezogene Werbung lästige Produkt- und Dienstleister-Recherchen verkürzt. Spiceworks befindet sich inzwischen weltweit bei mehr als 980.000 Nutzern im Einsatz, die nach Angaben des Unternehmens knapp 31 Millionen Angestellte betreuen, die wiederum an mehr als 50 Millionen Computern und Netzwerkgeräten arbeiten.

Doch wie hat es die Freeware aus dem Umfeld zwischen Spyware und dem leicht durchschaubaren Marketingtrick der Probeversion herausgeschafft? »Beispiele wie Linux, Skype oder iTunes haben gezeigt, dass kostenlose Software nicht nur sofort einsetzbar, sondern auch von erstklassiger Qualität ist. Schaut man sich den Erfolg von Produkten wie Googles Suchmaschine und kostenlosen Anwendungen genauer an, dann wird klar, dass Verbraucher Werbung akzeptieren, wenn diese unaufdringlich, relevant und vor allem informativ ist. Da lag der Schritt zu einer werbefinanzierten betrieblich genutzten Software wie Spiceworks IT Desktop nahe«, sagt Jan Hantke, der das Europageschäft von Spiceworks leitet. Darüber hinaus haben wir mit unserem Community-Konzept genau an die Punkte angeknüpft, die seit jeher die treibende Kraft hinter dem Open-Source-Modell waren: Die direkte Zusammenarbeit mit den Anwendern und der Abschied von dem Dogma, dass ein Produkt ausschließlich dem Hersteller gehört. Am Ende bleiben es unsere Nutzer, die am besten wissen, was sie für ihre tägliche Arbeit brauchen – und nicht die Marktforscher, die bestenfalls vermuten können, welches die wichtigen Variablen künftiger Produktentwicklungen sind«.

Demnächst erreiche man mit diesem Konzept wohl eine Million Anwender, lässt Hantke durchblicken. Man verfolge dabei den »radikalen Ansatz, mit dem das Interesse der Nutzer aufrechterhalten werden soll: Die Nutzer selbst entscheiden, welche Produktmerkmale die größte Bereicherung darstellen, und die Spiceworks-Programmierer setzen die Anregungen der Community in die Tat um«.

Auch wenn viele Beispiele gezeigt haben, dass Open-Source-Modelle kommerzielle Anbieter ohne Probleme in die Tasche stecken können, bleibt das Problem einer bestimmten kritischen Masse, die Frage nach der Koordination – und letzten Endes die Notwendigkeit und Verfügbarkeit eines Pools von Spezialisten zur Umsetzung der gemeinsamen Projektziele. »Durch unser werbefinanziertes Modell und die Community besitzen wir gleichzeitig die Offenheit gegenüber den Nutzern und die eigene qualifizierte Manpower, um Anregungen rasch in einem neuen Release umzusetzen« resümiert Hantke selbstbewusst.


Kosten für IT-Management niedrig halten

Nicht verschweigen darf man aber die potenziellen Stolperfallen, die es bei der Beurteilung von Gratis-Software abzuwägen gilt:

* Wie schlägt sich das Produkt im Vergleich zum kostenpflichtigen Konkurrenten? Angenommen eine Freeware verfügt über 80% der Merkmale einer 1.800 Euro teuren Alternative. Lohnt sich die Investition von 1.800 Euro für diese 20%? Wie verändert sich diese Gleichung bei 40% der Merkmale?
Mit dieser Abwägung lässt sich sicherstellen, dass eine funktionale Parität erreicht wird und trotz der  Aufbruchsstimmung des Informationszeitalters ökonomische Ziele gewahrt bleiben.
* Kein Produkt ist perfekt oder funktioniert so reibungslos, wie uns die Werbung versprechen will. Stellt der Anbieter einen Support zur Seite?
Existiert eine aktive und kompetente Community, die neuen Mitgliedern
 offen gegenübersteht, die dort schnell Antworten bei der Einarbeitung in die Software finden können?
* Wie nachhaltig ist das Projekt? Freeware war früher häufig das Produkt von Ein-Mann-Betrieben, was sich heute grundlegend geändert haben dürfte. Inzwischen bieten auch kapitalkräftige Organisationen wie Google, Skype oder Facebook Informationsgüter zum Nulltarif an. Sicher ist jedoch, dass eine dynamische und wachsende Community, die hinter Produkten wie beispielsweise Spiceworks oder Nagios steht, eine Bereicherung ist und kaum von heute auf morgen von der Bildfläche verschwinden wird.

Wer diese Fragen zufriedenstellend beantworten konnte, für den heißt »kostenfrei« vor allem eines: Kosten für IT-Management gehören der Vergangenheit an, so dass IT-Manager ihre Zeit und das zur Verfügung stehende Kapital in einträglicherer, produktivitätsgerichtete Maßnahmen investieren können. Bei Community-Konzepten kommt noch hinzu, dass IT-Anbieter heute die Chance haben, den Finger auf den Puls ihrer Kundschaft zu legen, die Entwicklung neuer Technologien und deren Bereitstellung grundlegend zu überdenken und so im Dialog mit den Anwendern das eigene Angebot den konkreten Bedürfnissen des Marktes abzustimmen.


In 5 Minuten bis zu 1000 Arbeitsplätze verwaltet

Doch welche Features machen Spiceworks zur kostenlosen und ernsthaften Alternative zu den etablierten und lizenzbasierten Konkurrenten? Spiceworks ist in knapp fünf Minuten installiert und scannt die komplette Infrastruktur, inklusive virtualisierter und drahtloser Geräte, ohne dass eine vorherige Installation auf den einzelnen Clients notwendig wird. Das Tool verwaltet so bequem bis zu 1000 Arbeitsplätze und ermöglicht durch die det
aillierte Inventarisierung ein umfangreiches Monitoring, wie beispielsweise des Tonerstandes von Netzwerk-Druckern, verbleibende Festplattenkapazitäten oder Benachrichtigungen über unerlaubte Softwareinstallationen sowie das Hinzufügen von externen Geräten wie USB-Sticks.

Der integrierte Help-Desk ermöglicht die komfortable Verwaltung von Support-Anfragen, die manuell, via E-Mail bzw. einem Intranet-Portal eingestellt  werden können. Diese Tickets können auch innerhalb eines Administratoren-Teams weiter zugeteilt, auf Smartphones umgeleitet und so abgearbeitet werden.

Seit der Version 4.5 ist auch eine, aus der Community vorgeschlagene, 2-dimensionale Network-Map enthalten, die nicht nur darstellt welche Geräte untereinander vernetzt sind, sondern auch Informationen zu den Geräten selbst und den jeweiligen Bandbreitenverbrauch innerhalb der Infrastruktur anzeigt. Zahlreiche Reporting-Vorlagen, die durch die Anwender individualisiert und mit der Community geteilt werden können, machen die tägliche Arbeit übersichtlicher und für Vorgesetzte nachvollziehbar.

Neben knapp einer Million Nutzern, die bei akuten Fragen zum Management des eigenen Netzwerkes zu Rate gezogen werden können, bietet die Community zahlreiche Foren zu IT-Themen, Herstellern sowie unabhängige Produktberichte und How-To-Anleitungen zu »Best Practices« der Mitglieder.

In Zusammenarbeit mit den Nutzern und Partnern aus der Industrie stellt Spiceworks zahlreiche Plug-Ins zur Individualisierung der Software, eine Bibliothek aus Whitepapers und den eigenen Video-Channel Spiceworks TV  mit ebenfalls kostenlosen Tutorials und Webinaren zur Verfügung.


Mehr aus der Reihe »OpenSource im Business«

Serie OpenSource im Business:

Teil 4: Netzwerkmanagement (dieser hier)
Teil 3: Business Intelligence
Teil 2: CRM
Teil 1: Datenintegration