Selbstmordhäufung in iPod-Fabrik: Berater, Mönche und Exorzisten sollen helfen

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Die festlandschinesische Fabrik des taiwanischen Auftragsherstellers Foxconn ist mit acht Selbstmorden in den letzten drei Monaten konfrontiert. Man greift zu außergewöhnlichen Maßnahmen.

Der Hersteller, der in großen Mengen Mobiltelefone, Apple-iPods, Xbox-Spielekonsolen und Amazons Kindle aus seinen Fließbändern ausspuckt, hat nach der seltsamen Häufung von Todesfällen jetzt Myriaden von Beratern und chinesischen Medien zufolge sogar noch einen Exorzisten zur Hilfe gerufen.

Die Berater sollen die Mitarbeiter befragen, um herauszufinden, warum eigentlich so viel Menschen bei Foxconn Selbstmordversuche unternahmen und es ein paar davon sogar schafften. Die britische Zeitung »The Telegraph« spricht von 30 verhinderten Selbstmordversuchen in nur drei Wochen.

Ein buddhistischer Mönch soll nun das Gebäude nach Feng-Shui-Manier durchforsten, andere Berater sollen herausfinden, welche Hintergründe sonst noch eine Rolle spielen könnten. In einigen lokalen Medien wird gleich ein wenig übertrieben: Ein Exorzist würde auch noch hinzugezogen werden.

Nachdem Dienstag vergangene Woche eine junge Mitarbeiterin vom Foxconn-Fabrikgebäude gesprungen war,  berichteten chinesische Medien, sie könnte ja Beziehungsprobleme gehabt haben. Aber warum passierten in den vergangenen drei Monaten sieben andere Selbstmorde bei Foxconn-Mitarbeitern – und am Montag dieser Woche schon wieder einer?

Am 15. Mai fiel ein 21jähriger Mitarbeiter mit mehreren Schnittwunden aus dem Fenster des siebten Stockes einer Arbeiterunterkunft von Foxconn. Schon vergangenes Jahr war ein Selbstmord bei Foxconn groß in den Medien:  Damals ging es um den ersten verschwundenen Prototypen des neuen iPhones und die Angst des Mitarbeiters, daraus Konsequenzen ziehen zu müssen.

Telegraph-Korrespondent Malcolm Moore sprach mit chinesischen Journalisten, die ihre Praktikanten auf der Suche nach Gründen in die »Monsterfabrik« Longhua (400.000 Mitarbeiter) zur Recherche gesendet hatten. Sie berichten, dass durch die viele Dauerarbeit wohl kaum Zeit für das Bilden sozialer Verbindungen sei – und die Selbstmorde vor allem bei jüngeren, weniger gefestigten Persönlichkeiten stattfanden. µ

L’Inqs:
Neuer Selbstmordfall in der iPod-Fabrik
Foxconn-Selbstmordliste beim Daily Telegraph
Mehr zu den Foxconn-Arbeitsbedingungen
Schon vergangenes Jahr ein Selbstmord – angeblich wegen des nächsten iPhones

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