Steve Jobs: Kein moderner Videocodec ist frei von Copyrights

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Ein aktueller Schlagabtausch zwischen Free-Software-Foundation-Aktivist Hugo Roy und Apple-Chef Steve Jobs deckt nicht nur einen geplanten Angriff von Patentinhabern auf Ogg Theora auf. Im Grunde, so Jobs, nutzten alle aktuellen Videocodecs copyrightgeschützte Software.

Hugo Roy schrieb wegen Steve Jobs’ Ablehnung von Adobe Flash einen offenen Brief an den Apple-Chef. Jobs selbst habe geantwortet, schreibt Roy, die Antwort aber erschreckte ihn. Demnach versuche gerade ein Patentpool, den einzigen noch freien Videocodec anzugreifen. Jobs schreibt im Originalton: »All video codecs are covered by patents. A patent pool is being assembled to go after Theora and other’open source’ codecs now. Unfortunately, just because something is open source, it doesn’t mean or guarantee that it doesn’t infringe on others patents. An open standard is different from being royalty free or open source.«

Die Macher des freien Codecs reagieren noch gelassen, obwohl die Stürme der Entrüstung schon im Web auflodern. So habe die MPEG-Patentvertretung MPEG-LA lange unterstellt, dass kein Videocodec mehr entwickelt werden könne ohne die von  ihr vertretenen Patente zu verletzen, schreiben Nutzer. »Bis die Ogg-Theora-Entwickler ihren Codec  als OpenSource  deklarierten«, antwortet ein anderer.

Die Firma On2,  deren Entwicklungen hinter dem Ogg-Code stecken, gehört mittlerweile zu Google. Und so wird der Schlagabtausch zwischen Apple und Google auf der Video-Ebene wahrscheinlich ungemindert  weitergehen.

Haben die Patent-Krieger um Jobs Erfolg, sind so keine günstigen Videodarstellungen oder Videokonferenzen mehr möglich, befürchten Aktivisten. Florian Müller, der seinerzeit die Kampagne gegen Softwarepatente in der EU  startete, würde Rechtssicherheit in Patentabkommen suchen, sagt er zu itespresso: »Hierzu muss man sagen, dass Lizenzdeals wie die zwischen Microsoft und HTC bzw. Microsoft und Amazon Sicherheit geben.« Auch wenn es in seinem Beispiel effektiv (ganz oder überwiegend) um umstrittene Microsoft-Patente auf Linux-Funktionalitäten gegangen war, bedeuteten solche Abkommen »für die Kunden der betreffenden Firmen ein Stück Rechtssicherheit.«. sagt Müller. Das vertrüge sich natürlich nicht mit dem Konzept der Free Software, weder im Sinne von free beer noch von free speech.

Und selbst wenn Apple und die Patentinhaber (vermutlich von der MPEG-LA) den Codec von  Ogg Theora (das ist die Wahl der Mozilla Foundation für HTML5) angreifen: Eine Patentvereinbarung könnte die preiswerten Videolösungen retten. (Manfred Kohlen)

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