Skype im Unternehmen: mehr Chancen als Risiken

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Für Unternehmen, die bisher noch keine Unified-Communications-Lösung einsetzen, kann ein internetbasierter Dienst für Sprach- und Videotelefonie wie Skype eine brauchbare Ergänzung sein. Die Analysten von Berlecon Research empfehlen aber, den geschäftlichen Einsatz des Telefoniedienstes genau zu regeln.

Das Beratungshaus Berlecon Research und die Fraunhofer-Einrichtung für Systeme der Kommunikationstechnik (Fraunhofer ESK) haben in ihrem neuen Report „Skype im Unternehmenseinsatz 2010“ Chancen, Risiken und Policy-Empfehlungen des Voice-over-IP-Dienstes untersucht.
Wenngleich viele Unternehmen noch Bedenken gegenüber solchen Diensten haben, bestehen aus Sicht der Berlecon-Analysten keine generellen Einwände gegen eine geschäftliche Nutzung von Skype. Allerdings sollten für den Einsatz im Unternehmen genaue Regeln definiert werden. Für Bereiche, bei denen besondere Richtlinien der Geheimhaltung bestehen würden, sei Skype allerdings ungeeignet.

Alternative zu einer Unified-Communications-Lösung
Skype steht bis heute für die kostenfreie Sprach- und Videotelefonie über das Internet. Der Internetdienst zählt heute weltweit über 500 Millionen Nutzer, von denen im Durchschnitt rund 20 Millionen ständig online sind. Skype hat inzwischen auch zahlreichen Funktionen wie Präsenzanzeige, Instant Messaging sowie File- und Desktop-Sharing für den geschäftlichen Einsatz entwickelt. Diese stellen gerade für kleinere Unternehmen eine kostengünstige Alternative zu umfassenden UC-Lösungen dar.

Die Vorteile des geschäftlichen Skype-Einsatzes überwiegen deutlich die möglichen Nachteile. (Bild: Berlecon Research)

Das Problem: In vielen Unternehmen wird Skype ohne Abstimmung mit dem IT-Verantwortlichen von den Mitarbeitern eingesetzt. Dies ist möglich, da – anders als bei vielen Kommunikationsdiensten – für die Installation von Skype keine Administrationsrechte erforderlich sind. Da die Skype-Nutzung einige Sicherheits- und Rechtsfragen mit sich bringt, wollen viele Betriebe dessen Verwendung durch ihre Mitarbeiter unterbinden. Von IT-Experten wird häufig kritisiert, dass die Programm-Protokolle nicht offen gelegt sind und der Quellcode von Skype nicht überprüft werden kann.

Chancen und Risiken genau abwägen
„Auch wenn Skype seit Erscheinen unserer ersten Analyse im Jahr 2007 verstärkt die Belange von Geschäftskunden adressiert, ist die Kritik nach wie vor be rechtigt. Allerdings sind die Risiken gegen die Vorteile abzuwägen und sprechen nicht generell gegen eine ergänzende Nutzung von Skype“, empfiehlt Nicole Dufft, Geschäftsführerin von Berlecon Research. Wichtig sei es daher, die Mitarbeiter über die entsprechenden Risiken aufzuklären und klare Regeln für den Umgang mit Skype aufzustellen.

»Zweifelsohne ist Skype kein Ersatz für eine professionelle Telefonie- oder UC-Umgebung. Unter Beachtung der von uns definierten Regeln und Policy-Empfehlungen kann Skype aber durchaus als Ergänzung zur klassischen Telefonie eingesetzt werden«, sagt Nicole Dufft, Geschäftsführerin von Berlecon Research.

»Dem Trend, dass die Endsysteme verwundbarer werden und der Schutz durch klassische Firewall-Konzepte abnimmt, müssen Unternehmen sich aber ohnehin stellen. Und nicht nur Skype ist ein potenzieller Kanal zum Transfer unternehmenskritischer Daten«, erklärt Sven Brandt, Leiter Communication Solutions der Fraunhofer ESK.

Skype-Boom durch Aschewolke
Skype hatte kürzlich im Zusammenhang mit der Aschewolke über Europa ein Statement abgegeben, in dem über die deutliche Zunahme von Skype-Anrufen berichtet wurde. So hätten Skype-Nutzer über 20 Millionen Minuten mehr Videoanrufe getätigt als normalerweise in fünf Tagen. Um den wartenden Reisenden an den Flughäfen eine Kontaktmöglichkeit zu geben,  hat Skype den WLAN-Zugang an weltweit über 100.000 Hotspots, davon rund 2.000 in Deutschland freigeschaltet. Skype Access kann noch bis 23. April kostenlos genutzt werden.
(sg)

Weblinks
Berlecon Research
Fraunhofer-Einrichtung für Systeme der Kommunikationstechnik ESK
Skype Unternehmenslösungen