iPad = »I paid« (for content)? Verlegervisionen

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Kindle und Co und jetzt erst recht das hier noch gar nicht auf dem Markt erhältliche iPad schüren Hoffnungen, für digital publizierte Texte endlich wieder Geld verlangen zu könnnen. Bei Klingeltönen funktioniert es doch schließlich auch.

Ex-»Milchstrassen«-Boss Dirk Manthey (Milchstrasse heißt die Adresse und in Branchenkreisen flapsig der Verlag, bei dem unter anderem so hochgeistige Print-Contents wie TV Spielfilm, MAX oder Fit for Fun erscheinen) träumt bereits von einer besseren Welt. Noch vor kurzem hatte er in seinem Medien-Newsletter die Zukunft der Medienkonzerne angesichts der großen Gratis-Reste-Rampe Internet als »trostlos« bezeichnet. Doch nun erscheint ihm – und noch einigen seiner Verlegerkollegen – Apples neuester Geniestreich, das iPad – nun ja, nicht als Erlöser, das Etikett könnte man allenfalls seinem Schöpfer Steve Jobs anhängen – aber als »Game-Changer«. Womit keine Alternative zu X-Box und Wii gemeint ist, sondern das mobile Internet. Und Geräte wie das iPhone oder auch andere Smartphones (ja doch, die gibt es), in gewisser Weise Amazons Kindle (das ja selber nicht aktiv ins Web geht) und eben Apples iPad.

Weil die Displays zu klein sind, um Internetseiten adäquat, sprich lesbar abbilden zu können, werden digitale Tools benötigt, so genannte Apps. Und hier wittern alte Hasen wie Manthey (und noch einige andere) natürlich Geld. Denn der Markt für Apps floriert, wie sich am Beispiel des iPhone zeigt. Dessen Nutzer zahlen für die aberwitzigsten Dinge, warum also nicht für entsprechend aufbereitete Nachrichten von etablierten Portalen? Da schlagen auch Redakteursherzen schneller. Und selbst Blogger träumen davon, endlich von ihrer Arbeit leben zu können.

Aber halt, das wäre ja zu schön, um wahr zu sein, oder? Manthey rudert sofort zurück: Nicht für die Inhalte sollen User zahlen, sondern für die Werbung drumrum. Hatten wir schon mal, oder? Was ist dabei herausgekommen? Paid Content jedenfalls nicht. »Wir füllen bloß den Platz zwischen den Anzeigen«, hörte man zynisch gewordene Zeitschriftenredakteure früher gelegentlich lästern. »Wir suchen unsere Nische zwischen Sexbildern und Klingeltönen«, sagen einstmals selbstbewusste Verleger. Oder, Originalton Manthey: »If you can’t beat them, join them.« Wie gesagt, hatten wir schon mal, ist noch gar nicht so lange her: Dem Gewinner Gratisportal haben sich Zeitungs- und Zeitschriftenverleger damals geschlagen gegeben. Hoffnungsträger iPad? Nur wenn man selbstbewusst zuschlägt.