»Für Unternehmen veredelt«

Cloud

Google-Manager Kai Gutzeit spricht im eWEEK-Interview über die vier Säulen der Business-Strategie, die Vorteile von Cloud Computing – und die aktuellen Imageprobleme.

Der Name Google steht für die meisten Anwender für Suchtechnologien oder Dienste wie Maps oder E-Mail. Doch der Internet-Konzern hat weit mehr zu bieten. Inzwischen hat Google eine ganze Reihe von internetbasierten Diensten für Unternehmen.

Darunter beispielsweise die Google Apps. Was als Sammlung simpler Web-Programme für Texte oder Tabellen angefangen hat, ist inzwischen eine umfangreiche Suite von Produktivitäts-Tools. In der Google Apps Premier Edition wurde der Dienst aufgerüstet für den (kostenpflichtigen) Einsatz in Unternehmen.

Seit Kurzem gibt es auch den Apps Marketplace, in dem Entwickler und Dritthersteller ihre eigenen Programme einstellen können. Die Redaktion eWEEK europe hat Google-Topmanager Kai Gutzeit, Head of Enterprise DACH & Nordic, zu den professionellen Applikationen befragt. Das Interview fand im Münchner Büro des Internetkonzerns statt.

Welche Bedeutung hat eigentlich Google Apps Premier Edition in der Business-Strategie von Google?
Sie ist eine von vier Säulen in unserem Portfolio. Säule Nummer eins ist die Google Search Appliance, sozusagen das Google für Unternehmen. Die Google Search Appliance haben wir seit fast 10 Jahren. Weltweit haben fast 30 000 Unternehmenskunden diese im Einsatz. Dazu gehört beispielsweise Google Site Search. Das ist ein Cloud-Service, bei dem wir die Webseiten des Unternehmens indizieren und dem Besucher der Webseite einen Suchservice bieten.

Die zweite Säule heißt Geo Spatial …
… das auf Google Maps und Earth aufbaut, den kostenlosen Angeboten für Privatanwender …
Ja, diese Produkte bieten wir eben auch für Unternehmen an.

Was ist der Unterschied zu den kostenlosen Angeboten?
In der Regel sind das Support-und Service-Aspekte. Der Kunde kann zum Beispiel seine eigenen Anwendungen mit Google Maps verbinden. Die Deutsche Post hat zum Beispiel einen Store Location Finder. Damit findet der Kunde Post-Stores oder Briefkästen via Google Maps. Man kann auch Asset Tracking realisieren. Das machen manche Unternehmen, um ihre Fahrzeugflotten zu verfolgen. Die Einsatzmöglichkeiten sind fast unendlich.

Google Apps Premier Edition kostet 40 Euro im Jahr pro Mitarbeiter.

Die dritte Säule heißt Postini, ein Sicherheits- und Archivierungsservice für E-Mails. Den Anbieter hatten wir 2007 übernommen. Das funktioniert wie eine Art E-Mail-Hygiene fürs Unternehmen. Der E-Mail-Strom läuft einmal durch ein Google-Datencenter und wird dort nach Spam, Viren und Trojanern gefiltert. Der Archivierungs-Service speichert die E-Mails der Kunden sozusagen »in der Wolke«. Mittlerweile haben wir mit Postini über 50 000 Unternehmenskunden. Ein Referenzkunde ist beispielsweise die BASF in Deutschland.

Was ist die vierte Säule?
Die Google Apps Premier Edition. Die ist vor gut sechs Jahren aus Google Mail entstanden. Sie wurde zuerst auf dem Consumermarkt gelauncht und dann mit weiteren Features für Unternehmenskunden veredelt. Über die Jahre haben wir die Premier Edition zu einer kompletten Messaging- und Collaboration Suite weiterentwickelt. Sie haben damit einen kompletten Workspace in der Wolke: E-Mail, Kalender, Collaboration, Chat-Client, Videoconferencing, Textverarbeitung, Präsentation und Tabellenkalkulation. Das bekommt der Unternehmenskunde für 40 Euro pro Mitarbeiter und Jahr, inklusive 25 GByte Speicherplatz pro Mitarbeiter. Als zahlender Kunde können sie auch ihren eigenen Domain-Namen verwenden.

Was ist der größte Vorteil? Dass sich die IT-Verantwortlichen nicht mehr um Software und Wartung der Server kümmern müssen?
Ja, das ist aber nur einer von vielen Vorteilen. Da die Daten in der Cloud gespeichert sind, haben die Mitarbeiter jederzeit und von überall Zugriff darauf. Sie sind nicht mehr auf einen bestimmten PC oder ihr Notebook angewiesen. Außerdem können beispielsweise mehrere Mitarbeiter gemeinsam ein Dokument bearbeiten. Der eine sitzt in München oder Frankfurt, der andere ist in London unterwegs und beide arbeiten gleichzeitig an einem Dokument.

Es gibt aber viele Betriebe, die nicht global operieren und deren Mitarbeiter auch nicht ständig unterwegs sind, sondern jeden Tag im Büro ihre Arbeit tun. Profitieren die auch von solchen Lösungen?
Für kleine und mittelständische Unternehmen ist natürlich die Kostenseite sehr wichtig. 40 Euro pro Mitarbeiter und Jahr für eine nahezu komplette Software-Umgebung, das bedeutet eine massive Ersparnis.

E-Mail-Services wie Archivierung im Web oder Filterung von Spam und Viren bieten die hostbasierten Postini-Dienste.

Besteht nicht auch die Gefahr der Abhängigkeit von Google? Man ist schließlich davon abhängig, was auf den Google-Servern passiert und wie Google seinen Service weiterentwickelt?
Genau diese Abhängigkeit wollen wir eben nicht. Deshalb können Sie mit ein paar Mausklicks aus Google Apps aussteigen und in eine andere Lösung wechseln. Die Kunden sollen nicht auf Gedeih und Verderb von einer einzigen Lösung abhängig sein. Und das motiviert uns gleichzeitig, soviel wie möglich dafür zu tun, dass die Kunden bei uns bleiben.

Viele haben bei solchen Cloud-Computing-Lösungen noch Bedenken, weil sie befürchten, die Kontrolle über ihre Daten zu verlieren?
Immer, wenn Sie innovative Produkte in die Unternehmen hineintragen wollen, stoßen Sie auf solche Bedenkenträger. Die muss man mit einer möglichst transparenten Produktpolitik überzeugen.

Wenn IT-Manager mit einer gewissen konservativen Haltung an das Thema rangehen, denken sie vielleicht: Was macht Google eigentlich mit meinen Daten. Sind die da wirklich sicher?
Wir tun alles, damit die Daten absolut sicher sind. Wenn wir Schindluder damit treiben würden, würden wir unser Businessmodell ad absurdum führen.

Wie sieht es denn aus mit deutschsprachigen Anwendungen für Google Marketplace? Wird es eine deutschsprachige Version des Marketplace geben?
Wir werden natürlich Apps Marketplace weiterentwickeln, haben aber aktuell keine weitere Ankündigung in diesem Bereich. Man kann aber ohne weiteres auch die englischsprachigen Anwendungen in Deutschland nutzen.

»Immer, wenn Sie innovative Produkte in die Unternehmen hineintragen wollen, stoßen Sie auf Bedenkenträger.« Google-Manager Kai Gutzeit.


Wie viele Kunden haben sie in Deutschland für die Premier Edition von Google Apps?
Wir brechen das nicht auf einzelne Länder herunter, doch weltweit sind es 25 Millionen Nutzer in zwei Millionen Unternehmen und Universitäten. Wir gewinnen pro Tag 3000 neue Kunden hinzu.

Wenn man die Berichte der letzten Monate über Google verfolgt hat, bekommt man den Eindruck dass ihr Unternehmen ein Imageproblem hat: »Google als Datenkrake«, »Datenschützer protestieren gegen Streetview«, »Verbraucherschützer kritisieren Google« und anderes mehr. Beeinträchtigt das eigentlich die Geschäfte mit Unternehmenskunden?
Es gibt schon Kunden, die sich durch die nicht immer korrekte Berichterstattung verunsichern lassen. Aber speziell innovative Unternehmen, die Kosten sparen wollen und sich nach neuen Lösungen umschauen oder auch die neue Generation der Digital Natives stehen dem Thema Cloud Computing sehr
aufgeschlossen gegenüber.

Wird Cloud Computing den Desktop-Computer ablösen?
Teilweise schon. Der Desktop neben dem Schreibtisch ist schon lange abgelöst worden durch Notebooks und die wiederum durch Netbooks. Der Trend zum internetbasierten Computing wird außerdem durch die Smartphones verstärkt. Durch unsere Google Apps Premier Edition haben wir sozusagen das erste Kapitel der Reise zum Cloud Computing aufgeschlagen.
Danke für das Gespräch.
(mt)

Weblinks
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