Operas Web Evangelist Patrick H. Lauke im Interview
»Uns geht es um die Browser-Wahl«

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Ab dem 17. März werden Nutzer des Internet Explorers von Windows gefragt, ob sie nicht lieber mit einem anderen Browser surfen wollen. ITespresso.de sprach mit Patrick H. Lauke, Web Evangelist beim norwegischen Browser-Hersteller Opera, über die neue Browser-Wahl und ihre Auswirkungen, Webstandards und Opera Mini für das iPhone.

Die neue Freiheit

Mit seiner Beschwerde bei den Wettbewerbshütern der EU war Opera maßgeblich daran beteiligt, dass Windows-Nutzer nun ein Auswahlmenü mit zwölf Browsern eingeblendet bekommen. Zwar wäre es schön, wenn jetzt alle Nutzer Opera installieren würden, doch auch die anderen Browser seien gut, sagt Operas Web Evangelist Patrick H. Lauke im Interview. Opera käme es vor allem auf die Wahlmöglichkeit an, denn die sorge dafür, dass Webentwickler sich nicht auf wenige Browser konzentrieren, sondern an Webstandards halten. Das mache das Web ganz allgemein besser.

In einigen europöischen Ländern wir das Browser-Auswahlmenü bereits per Windows Update ausgeliefert. In Deutschland ist der offizielle Start für den 17. März angesetzt.

ITespresso.de: Dass Opera sich über ein Browser-Auswahlmenü freut, ist klar. Doch ist ein solches überhaupt noch notwendig? Immerhin ist der Internet Explorer schon lange nicht mehr der dominierende Browser; auf vielen Websites liegt sogar Firefox vorn.

Patrick H. Lauke: Die Beschwerde, die wir bei der EU eingereicht haben, stammt ja aus dem Jahr 2007. Damals war die Situation natürlich anders, sie hat sich in den letzten zwei Jahren tatsächlich verändert. Wir glauben aber trotzdem, dass es noch sehr viele User gibt, die gar nicht wissen, dass sie beim Browser eine Wahl haben. Für viele Benutzer ist das Internet einfach das blaue »e« auf ihrem Desktop. Die kennen das gar nicht anders und erkennen jetzt zum ersten Mal, aha, da gibt es eine Auswahl.

Uns geht es um die Wahlmöglichkeit. Wenn Verbraucher nicht wissen, dass sie die haben, dann ist das so als hätten sie keine Wahlmöglichkeit. Klar käme es uns sehr gelegen, wenn jetzt alle Opera installieren. Aber alle anderen Browser in der Auswahl sind in Ordnung, sie halten sich an Standards. Ich sage ganz ehrlich: selbst der Internet Explorer 8 ist gar nicht so schlecht in Sachen Webstandards.

ITespresso.de: Gibt es schon Zahlen, wie sich das Browser-Auswahlmenü auf die Download-Zahlen von Opera ausgewirkt hat?

Patrick H. Lauke: Wir haben einen Zuwachs gesehen. Wie groß dieser ist, ist schwer zu sagen, da wir mit Opera 10.50 auch eine neue Version rausgebracht haben. Die ersten Zahlen zeigen aber schon, dass der Anstieg größer ist als bei normalen Versionssprüngen.

ITespresso.de: Ursprünglich war der Algorithmus, der die Reigenfolge der Browser im Menü regelt, nicht ganz so zufällig, wie er sein sollte. Ausgerechnet der Internet Explorer wurde, statistisch gesehen, am schlechtesten platziert. Sehr fair von Microsoft, oder?

Patrick H. Lauke: Die ganze Browser-Auswahl, der Code dahinter, da graust es einem. Vor allem uns, wo es uns doch um Webstandards geht. Aber lassen wir das – wir sind froh, dass es jetzt die Browser-Wahl gibt. Schließlich wird die auch dazu führen, dass Entwickler ihre Seiten mit mehreren Browsern testen und nicht mehr nur für zwei oder drei große Browser entwickeln.

Wir schauen uns die Seiten, die mit Opera Probleme machen, ganz genau an und kontaktieren auch die Agenturen und Firmen. Denen sagen wir dann nicht nur, hey, eure Seite läuft nicht in Opera, sondern, wenn ihr den Code in Zeile 32 so ändert, dann ist die Seite standardkonform. Uns geht es nicht nur darum, dass die Seite in Opera läuft. Es hört sich vielleicht etwas komisch an, aber wir wollen das Web zu einem besseren Ort machen.

ITespresso.de: Unter Windows gibt es jetzt also ein Auswahlmenü. Wollen Sie ein solches vielleicht auch für Mac OS und iPhone OS? Beide kommen schließlich mit vorinstalliertem Safari.

Patrick H. Lauke: Beide haben aber nicht den gleichen Marktanteil wie Windows. Es handelt sich nicht um ein Monopol.

ITespresso.de: Dennoch ist Apple ziemlich restriktiv, gerade was Apps für das iPhone angeht. Was macht eigentlich Opera Mini für das iPhone?

Patrick H. Lauke: Den haben wir noch nicht bei Apple eingereicht, sind aber kurz davor. Wir sind gerade in der letzten Phase und gespannt, wie es ausgeht. Wir sind davon überzeugt, dass wir alle brennenden Reifen, die Apple uns hingehalten hat, durchsprungen haben. Alles entspricht genau Apples Vorgaben. Deshalb haben wir Opera Mini für das iPhone ja auch auf dem Mobile World Congress in Barcelona vorgestellt. Ich hab ihn auch hier auf meinem iPhone. Er funktioniert – es ist keine Vaporware!

Da sind aber viele politische Entscheidungen dabei, ob Apple Opera Mini akzeptiert oder nicht. Deshalb haben wir auch im Vorlauf schon mal ein bisschen PR gemacht. Wir werden sehen, ob das geholfen hat.

ITespresso.de: Herr Lauke, vielen Dank für das Gespräch.