Experten warnen: IT-Unterricht eher armselig

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Die heute übliche Schulausbildung braucht eine Frischzellenkur, will sie mit der stürmischen technologischen Entwicklung Schritt halten. Sonst wird das nichts mit der künftigen IT-Karriere.

Schätzungen der EU-Kommission zufolge fehlen in den Mitgliedsländern bis 2015 schon 384.000 Fachkräfte in der ITK-Branche. Daran seien nicht nur geburtenschwächere Jahrgänge Schuld, sondern eine mangelnde Attraktivität der Ausbildungsgänge für technische Berufe. EU-Bürokrat André Richier verwies gestern bei einem Event namens e-Skills darauf, dass heute schon bei einer Erhebung herauskomme: Nur die Hälfte aller Top-Jobs in der IT- und Telekom-Branche seien von jemandem besetzt, der in seinem Tätigkeitsfeld auch einen Abschluss habe.
Die Ursache für den Status Quo und den negativen Trend sieht David Clarke, Chef der British Computer Society, in der Art und Weise, wie Schulen in Europa die Grundlagen für die Hochtechnologien vermitteln. »Eigentlich sind doch junge Leute von Computern, Internet, Handys und IT begeistert. Wo liegt das Problem? Es kann doch nur daran liegen, wie die IT von den Lehrern vermittelt wird. Langweilig. Angestaubt. Mit Highlights wie Word oder Excel«, kritisiert Clarke.
Im üblichen Frontalunterricht, bei dem der Lehrer etwas erzählt und die Kinder mitschreiben, lassen sich solche Themen ohnehin schlecht vermitteln. Man bräuchte praktische Arbeitsgruppen am Rechner, selbst zu lösende Aufgaben, moderne Technologie, die auch etwas mit den aktuellen Gerätegenerationen von heute zu tun hat. »Schauen Sie sich doch die Lern-Methodik außerhalb der Schule an. Die ist interaktiv, modern, motivierend. In der Schule ist es das Gegenteil«, regt sich Clarke auf. Damit will er auf Erfolge wie Online-Lernkurse oder die vielen Gehirnjogging-Titel für Nintendo DS anspielen.
Stephen Uden von Microsoft gibt ihm Recht: »Das Problem ist doch: Die in der Schule gelehrten IT-Kenntnisse passen überhaupt nicht zusammen mit ihren täglichen Technologie-Erfahrungen.«
Diese Behauptung können Soziologen und Marktforscher sogar an Zahlen festmachen: In einer CBI-Befragung gaben jüngst 64 Prozent aller arbeitenden Hightech-Fachkräfte an, dass ihre Ausbildung an Uni oder Fachhochschule inhaltlich überhaupt nicht relevant waren für den Job, den sie nun bekleiden. »Was wir brauchen, sind Qualifizierungen, die junge Leute fit für die Jobs von heute und morgen machen«, bringt es CBI-Beraterin Lizzie Holman auf den Punkt. Die Zusammenarbeit in diesem Gesichtspunkt zwischen der ITK-Industrie und den Bildungseinrichtungen sei einfach lausig.
(Quelle: TheInquirer.de)