Misshandlungsvideo und Datenschutz: Italien verklagt Google-Mitarbeiter

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Schon 2006 stellten italienische Schüler ein Video auf YouTube, in dem sie einen Mitschüler mit Down-Syndrom misshandelten. Dass die Täter verklagt wurden, reicht den italienischen Staatsanwälten nicht: Es sollten auch Google-Mitarbeiter dafür büßen. Jetzt wurden sie verurteilt.

In Italien hat ein Gericht jetzt vier Google-Mitarbeiter wegen »Verstößen gegen den Datenschutz« verurteilt, berichten unsere italienischen Kollegen von itespresso Italien (auf italienisch).

Zwar waren die Google-Angestellten nicht an dem umstrittenen Video beteiligt, das Schüler aus Turin schon 2006 online stellten (itespresso berichtete damals)  – und die Google-Leute sorgten sogar dafür, dass es schnell verschwand. Doch ein Mailänder Gericht hat sie nun trotzdem verurteilt.

Die Täter selbst wurden zu zehn Monaten gemeinnütziger Arbeit verurteilt, doch die Staatsanwälte Alfredo Robledo und Francesco Caiani klagten danach noch vier Google-Mitarbeiter an: den Entwickler Arvind Desikan, den Datenschutzbeauftragen Peter Fleischer, den Google-Anwalt David Drummond und den früheren Finanzchef George Reyes. Alle vier wurden nun verurteilt.

Google will für seine Mitarbeiter natürlich Revision einlegen, denn dem Gerichtsspruch zufolge wären alle Mitarbeiter von Hosting-Plattformen und Providern strafrechtlich verantwortlich für sämtliches Tun der User. Das richte sich gegen das Internet und seine Freiheitsprinzipien, erklärte Google-Sprecher Bill Echickson gegenüber AFP.

Da greife vor allem das EU-Recht, das Hosting-Anbieter explizit von dieser Haftung ausnehme, wenn sie auf entsprechende Hinweise reagieren und entsprechende Inhalte entfernen. (Manfred Kohlen)

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