Selbstmord: Abmahnanwalt Gravenreuth ist tot

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Der als Abmahnanwalt bekannt gewordene Günter Freiherr von Gravenreuth hat sich in der vergangenen Nacht erschossen. Einer der Gründe für die Tat war wohl die anstehende Haftstrafe, zu der er im vergangenen Jahr verurteil wurde.

Bayerntext zufolge hatte Gravenreuth seinen Selbstmord telefonisch angekündigt, woraufhin die Polizei alarmiert wurde. Als diese in die Wohnung des 61-Jährigen eindrang, erschoss er sich.

Gulli zufolge gab es auch eine Abschiedsmail, die um 1:15 Uhr verschickt wurde. Das Webportal berichtet zudem, im Umfeld des Münchner Anwalts habe man schon länger mit einer solchen Aktion gerechnet – zu unwahrscheinlich erschien es seinen Bekannten, dass er die anstehende Haftstrafe antreten würde.

Graveneuth wurde in den 80ern und 90ern durch zahlreiche Abmahnungen wegen Urheberrechtsverstößen bekannt, vor allem durch die so genannten Tanja-Briefe. In diesen gab er sich als 15-Jährige Tanja Nolte-Berndel aus und versuchte, die Leser von Computer-Zeitschriften zum Software-Tausch zu überreden. Wer darauf einging, wurde mit einer Abmahnung bedacht. Später vertrat er die Firma Symikron, die zahlreiche Unternehmen und Website-Betreiber wegen der Nutzung der Marke Explorer abmahnte.

In Foren lieferte sich Gravenreuth zum Teil endlose Streitgespräche mit seinen Kritikern und klagte sich nach Sperrung seines Accounts wieder ein. Er wurde wiederholt verurteilt, unter anderem wegen Urkundenfälschung und Untreue. Im vergangenen Jahr wurde er schließlich wegen Betrugs zu 14 Monaten Haft verurteilt. Er hatte die taz wegen eines Newsletters abgemahnt und, obwohl die Zeitung zahlte, versucht, ihre Domain zu pfänden. Die taz stellte Strafanzeige – ein in Gravenreuths Kanzlei sichergestelltes Fax, dessen Erhalt er bis dahin bestritten hatte, belegte die Zahlung der Zeitung. (Daniel Dubsky)