Studie: Fast ein Drittel der Amerikaner ist offline

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Es gibt in Amerika offenbar nicht nur eine Fly-Over-Zone, sondern auch eine Never-Surfing-Area. Beide wahrscheinlich einigermaßen deckungsgleich.

Wer die cleveren wie kritischen Diskussionen der TV-Serie Boston Legal verfolgt und sich manche soziologische Studie anschaut, ahnt so langsam, dass die Vereinigten Staaten von Amerika ziemlich auseinander driften und womöglich gar nicht mehr so furchtbar lange vereint sein werden. Es gibt weite Landstriche, in denen Enthaltsamkeit, Kreationismus und ein Offline-Leben propagiert und oft genug auch gelebt werden. Welche Ausmaße das hat, da machen wir uns keine Vorstellungen. Eine aktuelle Studie der Regierungsbehörden (Department of Commerce’s National Telecommunications and Information Administration) deckt nun auf, dass sich über 30 Prozent aller Amerikaner, darunter auch viele Jugendliche, ziemlich bewusst vom Internet fernhalten und es praktisch NIE betreten. Über ein Drittel der Bevölkerung hat im eigenen Heim keinen Online-Anschluss oder nur einen Einwahlkontakt via Modem, der selten benutzt wird. Kein Facebook, keine E-Mails, keine Tweets – nichts Modernes!

»Der Studienreport bestätigt, dass trotz 21. Jahrhunderts viele zu viele Amerikaner immer noch offline sind oder auf veraltete Schmalband-Verbindungen sitzen«, holt NTIA-Chef Lawrence Strickling im Vorwort der Untersuchung aus. Dahinter stehe auch die Haltung, dass diese Menschen Blogs, Facebook, YouTube, P2P oder E-Mail rundweg ablehnen. Sie wollen nicht teilnehmen am digitalen sozialen (unmoralischen?) Leben. Man könne das zwar verstehen, aber gleichzeitig geben viele junge Leute damit auch (mehr oder weniger freiwillig) den Zugang zu Fortbildung, Uni- und Job-Portale auf. Zudem würden ihre Computer-Fähigkeiten schon bald hinter dem üblichen Niveau des Landes hinterherhinken, warnt Strickling.

Sein Team untersuchte im ganzen Land 54.000 ausgewählte Haushalte mit 129.000 Bewohnern. Demnach haben 75,8 Millionen Haushalte einen Breitbandanschluss. Der Rest eben nicht. Und 31,6 Prozent der Bevölkerung geben zu, dem Internet komplett den Rücken zu kehren. 47,2 Prozent begründen es damit, es nicht zu brauchen oder nicht interessiert zu sein. 22,3 Prozent fehlt die nötige (gute) Hardware, 11,1 Prozent hätten keine Versorgung in ihrer Gegend, 8,6 Prozent sei es zu teuer, gut 4 Prozent hätten nicht das nötige technische Verständnis. Aber diese Angaben müssen nicht immer den wahren Beweggrund wiederspiegeln. (Quelle: TheInquirer.de)