Illegale Datenbestände gesucht! Zahle Höchstpreise! (Kommentar)

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Nigeria-Connection, CIA oder Russenmafia? Alles Amateure! Unser Staat zeigt, wie man hochöffentlich gestohlene Daten ankauft, damit richtig Kasse macht, absolut straffrei bleibt und auch noch von Teilen der Bevölkerung dafür bejubelt wird.

Gemerkt? Wir leben jetzt in einer anderen Welt. Frei von Rechtsstaatlichkeit. Ohne Skrupel oder moralische Bedenken. Hey, hat jemand vernichtendes Material über das Kabinett? Her damit, zahle gut! Solche Aufrufe scheinen ja mittlerweile statthaft, wo schon die Bundesregierung in tagelanger öffentlicher PR-Arbeit den Datendieben in aller Welt klarmacht: Wir machen Höchstpreise locker für Infos zu deutschen Steuersündern. Der aktuelle Tarif von umgerechnet fast 1.700 Euro pro validem Steuersünder ist schließlich überaus üppig, verglichen mit den paar Dollars, die ein Kreditkarten-Datensatz gerade mal bringt. Wetten, dass dadurch ein lukratives Business entsteht? Zahlreiche Trojaner, Keylogger und Injections aus Afrika, Russland und der übrigen Welt dürften sich gerade zu allen einschlägigen Steuerparadiesen aufmachen, um die wertvollen Kontoinformationen deutschsprachiger Inhaber auszuspähen. Wahrscheinlich gibt es dann im Frühjahr täglich eine fette CD/DVD voller Steuersünder im Angebot. Um die alle auf Tauglichkeit zu prüfen und den Ankauf abzuwickeln, braucht man dann ein eigenes Ministerium mit tausenden Beamten. Plus Minister. Nebst zwei Staatssekretären. Um eine juristische Prozesslawine zu vermeiden, wird schnell noch das “Einnahmebeschleunigungsgesetz” durch den Bundestag geprügelt. In der Sommerpause brütet dann ein findiger Hinterbänkler aus, für ganz Europa eine Steuersünderbörse einzurichten, in denen die Finanzämter/Ministerien der Mitgliedsländer jene Datensätze untereinander verkloppen können, die nicht in ihre Zuständigkeit fallen. Hier dürfen dann auch Hobby-Datendiebe ihre einzelnen Datensätze zum Standard-Tarif uploaden. Das Ganze entwickelt sich derart lukrativ, dass im Herbst Apple darüber nachdenkt, einen iTax-Shop aufzusetzen…
Wer jetzt denkt, ich überziehe hier maßlos, erinnere sich bitte daran, dass die heutige Handlungsweise von Merkel & Co. vor nur zehn Jahren undenkbar gewesen wäre. Damals hätte auch niemand jemals für möglich gehalten, dass die Europäer ALLE ihre internationalen Kontobewegungen von Firmen, Staat und Privat komplett an die Amerikaner übermitteln (direkt von Swift aus), damit diese mit diesen Daten machen können, was sie wollen. Industriespionage inklusive.
Die Bevölkerung jedenfalls ist begeistert. Bei diversen Umfragen (Welt, Spiegel, Öffentlich-Rechtliche Anstalten, n-tv) votete stets eine Mehrheit der Teilnehmer dafür, dass der Staat 2,5 Millionen Euro deutscher Steuergelder für die angebotene CD mit den Daten über 1.500 mutmaßlichen Steuerhinterziehern ausgeben soll. Als einsamer Rufer in der Wüste warnte Bundesdatenschutzbeauftragter Peter Schaar, dass die Rechtmäßigkeit eines solchen Datenankaufs zu bezweifeln ist. Man könne schon von Hehlerei sprechen. “Wir akzeptieren es zu Recht nicht, dass ausländische Staaten oder auch Hacker bei uns Daten abgreifen, um sie nach eigenem Gusto zu verwerten”, merkt Schaar ironisch an. Doch die Junta hört ihm schon lange nicht mehr zu. Großinquisitor Wolfgang Schäuble gab gestern Abend lässig im Vorbeirollen bekannt, dass der Datenkauf “schon durchgehen werde”.

Übrigens hat uns ausgerechnet Italien unter Führung des so oft gescholtenen Berlusconi jüngst vorgeführt, wie man das ganze Thema Steuersünder superelegant und ergebnisorientiert löst: Sie haben eine Amnestie ausgerufen und verlangen von reuigen Schwarzgeldbesitzern lediglich eine niedrige Pauschalsteuer und die Investition der Gelder in den eigenen Wirtschaftskreislauf. Et voilá, schon über 100 Milliarden Euro kehrten zurück und bescherten der römischen Staatskasse mehr Einnahmen als die Deutschen mit ihren windigen Maßnahmen je sehen werden. Ohne böses Blut, ohne Nachgeschmack, ohne juristische Zänkereien. Und das war nur der Anfang. So macht man das, Berlin! (Quelle: TheInquirer.de)