IT-Outsourcing
Vom Putzlappenproduzent zum internationalen Rechenzentrums-Profi

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Das deutsche Familienunternehmen Freudenberg, das mit Marken wie »vileda« in vielen Supermärkten vertreten ist, zählt zu den erfolgreichsten IT-Auslagerern weltweit. Mit Rechenzentren in aller Welt und als IT-Berater trotzen die »Abkömmlinge der Putzlappen-Dynastie« der Wirtschaftskrise. Jetzt investiert die Firma nochmals 25 Millionen Euro in Rechenzentren.

Familien-IT-Betrieb

Rechenzentren in Familienbesitz – geht das? Freudenberg IT sagt »ja« und investiert noch einmal 25 Millionen Euro in den erneuten Trend zur Auslagerung von IT-Diensten. Große Rechenzentren entstehen in Weinheim in Deutschland und in Durham in den USA, bisher existieren bereits mehrere ausgelagerte IT-Dienstleister in anderen Ländern.

Nach einer Studie der Pierre Audoin Consultants (PAC), einer Beratungs- und Marktanalyse-Gesellschaft für die Software und IT-Services Industrie (SITSI), schon vom Februar 2008 liegt die Freudenberg IT in Deutschland an der Spitze der ausgegründeten IT-Unternehmen. Im internationalen Geschäft liege das Freudenberg-Unternehmen auf Rang zwei der IT-Ausgründungen deutscher Unternehmen, äußert das Marketing der Firma. Und nach eigenen Aussagen erwirtschaftet das outgesourcte Unternehmen aktuell mehr als 75 Prozent seines Umsatzes mit Geschäften im freien Markt – nur ein Viertel stammt vom Mutter-Unternehmen.

 

So fing’s an: mit Gummi wurden die Freudenbergs reich, mit Samthandschuhen wollen sie nun die IT anpacken.

 Statt auf große undurchschaubare »Clouds« im Internet zu setzen bekommt hier jeder Kunde offenbar seine eigene Wolke.

Dass dies alles einmal 1909 mit dem ersten Patent für Gummiprodukte begann, interessiert in modernen Zeiten fast niemand mehr. Das Patent stammte 1909 von der »Farbenfabrik«, der späteren Bayer AG. Doch der erste kommerzielle Produzent und Lizenznehmer von Kunst-Kautschuk war um 1915 die Firma Freudenberg. Noch heute existiert sie und produziert neben Gummi (Dichtungen und mehr) sowie Vließstoffen für die Haushaltsverwendung (hier bekannt unter dem Namen vileda) modernste Informationstechnik: Einer der größten Betreiber von weltweiten Rechenzentren ist aus der Auslagerung des IT-Helpdesks im traditionellen Familienbetrieb entstanden.


Haben die Indien-Outsourcings ausgedient?

Mit den beiden neuen Rechenzentren baut der IT-Dienstleister nun seine Kapazität aus. Damit hat die Freudenberg-Gruppe insgesamt elf Rechenzentren in Europa, Nordamerika und Asien. Die Investition soll eine wachsende Nachfrage mittelständischer Kunden im Bereich IT-Outsourcing und Application Hosting befriedigen – heute lagert man die IT dann aus, wenn die Dienstleistung dazu stimmt. Haben indische Dienstleister ausgedient?

Mittelstandsunternehmen setzen auf Dienstleister in der Nähe, die vor Ort beraten können. Wo die IT dann wirklich arbeitet, ist dem Kunden egal, denn wichtig ist für ihn sein lokaler Ansprechpartner, der von Anfang an auf Kundenprobleme eingeht.

Auch Dr. Martin Stark, Mitglied der Unternehmensleitung der Freudenberg-Gruppe, meint »Die Kundennähe durch weltweite Präsenz ist ein Erfolgsfaktor der Freudenberg IT«. Während viele ausgegründete IT-GmbHs ihre Aktivitäten inzwischen wieder zurückgenommen hätten, so heißt es in einer Pressemitteilung der Freudenberg IT, habe man selbst mitten in der Wirtschaftskrise Niederlassungen in Philadelphia (USA), Peking (China), Singapur (Singapur) und Kiew (Ukraine) eröffnet. Eine »stabile Zugehörigkeit zur Freudenberg-Gruppe« unterstreiche die Verlässlichkeit für die Kunden.

Und offenbar hat das Familienunternehmen frühzeitig erkannt, dass mit Gummi und Stoffen alleine in der Zukunft nicht mehr das große Geld zu machen ist: Die IT-Ausgründung fand 1995 mit dem festen Auftrag statt, externe Aufträge anzunehmen und dabei neben Rechenkapazitäten auch Beratungsleistungen zu verkaufen. Geholfen werden soll anderen Unternehmen beim IT-Outsourcing, angeblich nur mit Lösungen, die sich bei eigenen Aktivitäten schon bewährt haben.


Rund um die Uhr Support – und trotzdem FIT?

Man betreibe den weltweiten Kundensupport rund um die Uhr (im Follow-the-sun-Prinzip) sowohl in Englisch als auch Deutsch und in der jeweiligen Landessprache und betreut in Hosting und Infrastruktur-Services oder berät bei SAP-Lösungen und MES (Manufacturing Execution Systems).

Wer in diesen Zeiten noch einmal 25 Millionen ausgibt, schafft auch neue Arbeitsplätze: Der IT-Bereich alleine beschäftigt »über 550 Mitarbeiter an 16 Standorten in Europa, Amerika und Asien«, konstatiert das Unternehmen.

Experten werden übrigens noch gesucht, in Deutschland, Singapur und anderswo. Die Abkürzung für das Unternehmen soll ausdrücken, wie sich die Firm selbst sieht: FIT.

 

Die Familentradition der Dichtungsringe will man auch bei der IT ansetzen. Daten dürfen nicht verlorengehen und werden anderswo gesichert als die laufende IT agiert. Abgedichtet.eben.

Auch andere Unternehmen tummeln sich im Bereich des Rechenzentrums-Managements. Während HP erkärt, was für Hardware nöig ist, will Datacenter-Profi Avovent vor allem die passenden Management-Tools propagieren. Fujitsu-Siemens findet, dass Storage im Mittelpunkt stünde und Microsoft baut Dinge wie die Software Opalis zu seinen Tools dazu, um einen Weg ins lukrative Geschäft mit den Rechenzentren erlauben. Und IBM tummelt sich hier schon lange.

Wie Big Blue, aber etwas mittelständischer, will die Freudenberg-Familie die vielen Techniken nur integrieren. Denn auch bei Schlagworten wie Cloud Computing und Outsourcing gilt: Das klassische konservative Systemhaus ist wieder gefragt, um Lösungen zu erzielen. Die Tradition mit Dichtungsringen und Putzhandschuhen ist willkommenes Beiwerk zu Vermarktung modernerer Technologien.

 

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