IT-Gipfel: IKT als Wachstumsmotor

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Beim IT-Gipfel in Stuttgart diskutierten rund 800 Teilnehmer aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft über die Zukunft der IK-Technologien. Neben vier Ministern reiste Kanzlerin Merkel an. Auch eWEEK-Autor Stefan Girschner war vor Ort.

Der Rundgang der Bundeskanzlerin bei den Ausstellern wie auch die Abschlussrede stellte den Höhepunkt des IT-Gipfels dar. Merkel betonte vor den rund 800 Zuhörern im Plenum des Internationalen Congresscenters Stuttgart, dass die IT-Technologie ein unabdingbarer Faktor sei, um aus der Wirtschaftskrise wieder herauszukommen. Zudem setze die Bundesregierung mit ihrer Breitbandstrategie verstärkt auf die Kommunikations- und Informationstechnologie.

Neben Bundeskanzlerin Angela Merkel, hier in der Abschlussrede, nahmen am IT-Gipfel auch die Bundesminister des Inneren, der Justiz, der Bildung und der Wirtschaft teil. (Bild: Stefan Girschner)

Eingeläutet worden war der IT-Gipfel bereits einen Tag zuvor mit dem »Open House«, bei dem in der Region Stuttgart ansässige Unternehmen wie Alcatel-Lucent, Hewlett-Packard, IBM sowie SAP und Fraunhofer IAO dem Fachpublikum ihre aktuellen Projekte und Lösungen präsentierten. Zu einem Abendempfang hatte der Branchenverband Bitkom die Teilnehmer des IT-Gipfels in das Mercedes-Benz-Museum eingeladen.

Umgeben von Luxus-Automobilen und extravaganter Architektur, konnten hier Politiker, Unternehmenschefs, Verbandsvertreter und Experten die aktuelle Lage und Trends in der IT-Branche in Deutschland diskutieren.

Neue Strategien für die digitale Zukunft
Durch die strengen Sicherheitskontrollen strömten am an die 800 angemeldete Teilnehmer in das Internationale Congresscenter Stuttgart. Pünktlich um zehn Uhr eröffnete der neue Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle das Plenum.

Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle betonte auf dem IT-Gipfel: »Informations- und Kommunikationstechnologien können dazu beitragen, dass wir den zentralen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts besser begegnen.« (Bild: Stefan Girschner)

Er betonte, dass die Informations- und Kommunikationstechnologien dazu beitragen könnten, den zentralen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts besser zu begegnen. »Das gilt zum Beispiel für die Bereiche Klimaschutz und Energieeffizienz, Mobilität, Gesundheit und Sicherheit sowie demografischer Wandel. Ganz oben auf der Agenda steht für mich der zügige Ausbau der Breitbandnetze, damit ein schnelles Internet bald für alle Menschen in Deutschland verfügbar ist. Ein maßgeblicher Motor hierfür ist der Wettbewerb. Jetzt geht es darum, die Breitbandstrategie weiter zu entwickeln und noch stärker auf Wettbewerb und Investitionen auszurichten. Dazu werden wir rasch das neue EU-Recht in nationales Recht umsetzen und kleine und mittlere Unternehmen stärken.«

96,5 Prozent haben Breitbandzugang
Laut dem aktuellen Breitbandatlas des BMWi ist Breitband mit 1 Mbit/s seit Mitte 2009 für 96,5 Prozent der deutschen Haushalte verfügbar. Brüderle führte auch den Erfolg sogenannter Leuchtturmprojekte wie Theseus (Aufbau des Internets der Dienste), IT2Green (Technologiewettbewerb für energie- und umwelteffizienten ITK-Einsatz) und E-Energy – »Smart Grids made in Germany« an.

Ein Hingucker in der Kongresshalle waren die fliegenden Roboter-Pinguine der Festo AG, einem auf Antriebstechnik spezialisierten Hersteller. (Bild: Stefan Girschner)

Die Stuttgarter Erklärung
Zwei weitere Projekte wie De-Mail, eine rechtssichere E-Mail-Anwendung, und die bundesweite Behördennummer D115 sollen demnächst umgesetzt werden. Brüderle blicke nach vorn: »In den folgenden Jahren kommt es darauf an, die Infrastrukturen zu intelligenten digitalen Netzen auszubauen und das Internet der Zukunft zu gestalten. All diese Aspekte wird die Bundesregierung in einer neuen IKT-Strategie zur digitalen Zukunft bündeln, die wir bis Sommer 2010 erarbeiten wollen.«

Sämtliche Initiativen und Maßnahmen als Grundlage für eine neue IKT-Strategie hat der IT-Gipfel in der »Stuttgarter Erklärung« benannt. Das sind die für die Wirtschaft relevanten Projekte:

– zügige Umsetzung der Breitbandstrategie

– Zukunftsinitiative »Intelligente Netze« in den Bereichen Verkehrstelematik, Gesundheitsversorgung, E-Energy, E-Learning und E-Government

– Umsetzung von Forschung und Entwicklung in Markterfolge, unter anderem mit dem Zentralen Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM) und KMU-innovativ

– Start einer Software-Initiative

– Entwicklung des Internet der Zukunft mit dem Internet der Dinge und Internet der Dienste

– Umsetzung eines Green-IT-Aktionsplans

Intelligente Vernetzung in Industrie, Energie und Verkehr

Dazu kommen zahlreiche, vorrangig an den Bürger adressierte Projekte in den Bereichen Gesundheit, Sicherheit im Netz und Bildung.

Auf dem Gipfel wurde ein wahres Feuerwerk an neuen Studien und Zahlenwerken zum IKT-Standort Deutschland gezündet. Laut dem »Monitoring Report Deutschland Digital« konnte sich Deutschland auch in der aktuellen Wirtschaftskrise als IT-Standort gut behaupten.

So liegt es bei der Anwendung von IKT nach den USA, Norwegen und Großbritannien auf dem vierten Platz.
Unter Berücksichtigung aller Kernindikatoren des Reports konnte sich Deutschland sogar von Rang neun auf sieben verbessern.

Zum Abendempfang in das Mercedes-Benz-Museum hatten der Bitkom und mehrere Partnerunternehmen eingeladen. (Bild: Stefan Girschner)

Die neue Delphi-Studie beleuchtet die »Zukunft und Zukunftsfähigkeit der Informations- und Kommunikationstechnologien und Medien«. Hierfür haben die Herausgeber Münchner Kreis, EICT, Deutsche Telekom und TNS Infratest 144 Zukunftsszenarien der Informationsgesellschaft für die nächsten 20 Jahre von rund 550 IT-Experten bewerten lassen.

Hieraus ergaben sich fünf zentrale Botschaften:

– Die zunehmende Digitalisierung und Durchdringung aller Lebensbereiche mit Informations- und Kommunikationstechnologien verändert die Informationsgesellschaft umfassend und nachhaltig.

Akzeptanz und Vertrauen im Umgang mit IKT sind die Grundlage der Entwicklung einer modernen und offenen Informationsgesellschaft.

Leistungsfähige Kommunikationsnetze sind Voraussetzung für eine wettbewerbsfähige Informationsgesellschaft.

– Die mobile Nutzung des Internets schafft neue eigenständige Anwendungsfelder.

– Die Entwicklung der IKT-Basistechnologien hat umfassende Auswirkungen auf viele Schlüsselindustrien der deutschen Wirtschaft.

Als wichtigste Handlungsbereiche werden in der Studie Datenschutz und Datensicherheit, Förderung der Medienkompetenz, stärkere Unterstützung neuer Ideen, Ausbau der Kommunikationsnetze und Überwindung der Digitalen Spaltung benannt. Dr. Bernd Pfaffenbach, Staatssekretär im BMWi, fordert hierfür eine enge Zusammenarbeit von Politik und Wirtschaft: »Die Delphi-Studie zur Zukunft der Informations- und Wissensgesellschaft unterstreicht, dass Deutschland in vielen Innovationsfeldern das Potenzial hat, eine internationale Führungsrolle zu übernehmen.«

IKT-Branch
e treibt Klimaschutz voran

Die ebenfalls neue Studie »SMART 2020 Deutschland«, herausgegeben von der Deutschen Telekom, Huawei, SAP, Siemens und The Boston Consulting Group, beschäftigt sich mit dem Klimaschutz durch ressourcensparende IKT-Lösungen. Demnach könnten bis zu 25 Prozent der CO2-Emissionen oder äquivalenter Schadstoffe im Jahr 2020 mit Hilfe von Informations- und Kommunikationstechnologie in Deutschland eingespart werden. Für Anbieter sogenannter »SMART«-Konzepte zur Energieeinsparung ein lukratives Geschäftsfeld, dessen Wert auf bis zu 84 Milliarden Euro bis zum Jahr 2020 geschätzt wird.

Prof. Arnold Picot, Münchner Kreis; Ignacio Campino, Deutsche Telekom; Sabine Graumann, TNS Infratest Forschung und Bernd Pfaffenbach, Staatssekretär im BMWi, stellten aktuelle Studien zur IKT in Deutschland vor. (Bild: Stefan Girschner)

Das »SMART«-Konzept besteht aus fünf Ansatzpunkten: Standardisierung (Standardization), Überwachung (Monitoring), Verantwortlichkeit (Accountability), Umdenken (Rethinking) und Umwandlung (Transformation).
Die Herausgeber der Studie haben fünf Kernbereiche identifiziert, in denen IKT-Lösungen zu einer Reduktion der CO2-Emissionen in den nächsten Jahren beitragen können: Gebäudewirtschaft (Smart Buildings), Logistik (Smart Logistics), Stromwirtschaft (Smart Grid), Industrieautomation (Smart Motors) und Dematerialisierung.

BITKOM erwartet für 2010 Wachstumsschub
Für Bitkom-Präsident Prof. August-Wilhelm Scheer setzte der IT-Gipfel einen wichtigen Meilenstein für den Aufbau intelligenter Infrastrukturen in Deutschland: »Intelligente Netze sind eine unverzichtbare Voraussetzung dafür, die Energieversorgung und Mobilität unserer Gesellschaft zu sichern, den Klimawandel zu stoppen, das Bildungs- und Gesundheitswesen zu modernisieren und den Bürokratieabbau zu beschleunigen.«

Außerdem brauche das Land eine langfristige Perspektive für die Zeit nach der weltweiten Wirtschaftskrise. Neben einer Infrastrukturinitiative sei eine gezielte Förderung von Zukunftsbranchen notwendig, unter anderem durch eine Software-Initiative.

Nach Einschätzung des Bitkom blickt die deutsche Hightech-Industrie optimistisch ins nächste Jahr. Wie aus dessen aktueller Branchenbefragung hervorgeht, rechnen 57 Prozent der Unternehmen mit einem Umsatzplus und weitere 17 Prozent mit einem stabilen Geschäft im Jahr 2010.
(Stefan Girschner/mt)

Weblinks
Bundeswirtschaftsministerium
Gesi
TNS Infratest
Zukunft IKT