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Diascanner im Dornröschenschlaf

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Enttäuschender Markt: Bei all den »neuen« hochwertigen Scannern hat sich wenig getan. Welcher Scanner unter 1000 Euro eignet sich für Dias und Negative?

Schlaf der Hersteller

Die IT-Branche ist notorisch kurzlebig, was dem Anwender in vielen Bereichen in immer kürzeren Produktzyklen höher entwickelte Produkte zum gleichen oder geringeren Preis beschert. So jagt beispielsweise bei Grafikkarten eine Innovation die nächste, aber es gibt eben auch noch Bereiche in denen die sich seit Jahren praktisch nichts mehr tut.

Das ist beispielsweise bei den hochwertigen Diascannern der Fall. Hier verharren die Hersteller weitgehend im Dornröschenschlaf. Es kommen zwar regelmäßig neue Produkte auf den Markt, aber von echter Weiterentwicklung von der man als Anwender tatsächlich profitiert, kann nicht die Rede sein.

PC Professionell hat sich genauer angeschaut, welche Scanner bis 1000 Euro heute der Anwender für das Digitalisieren von Dias und Negativen zur Verfügung stehen.


Je kleiner die Vorlage, desto kniffliger der Scan

Das Scannen von Dias und Negativen ist eine anspruchsvolle Angelegenheit, denn hier muss man aus der meist recht kleinen Filmvorlage ein Maximum an Informationen herausquetschen.

Bei Vergrößerungsfaktoren von 7x und mehr, die man beispielsweise braucht, um eine Kleinbildvorlage von 24×36 mm auf eine 13×18 cm Bilddatei aufzublasen, zeigen immer noch die meisten Scanner Schwächen.

Generell gilt: Je kleiner die Vorlage, desto hochwertiger muss der Scanner sein. Während bei Mittelformat und Großbildvorlagen oft schon ein Flachbettscanner mit Durchlichteinheit brauchbare bis gute Ergebnisse liefert, ist man beim weit verbreiteten Kleinbildformat mit einem speziellen Filmscanner besser bedient.

Es ist im übrigen ein weit verbreiteter Irrtum, dass man einen hochwertigen Scanner nur dann benötigt, wenn man ein Bild auf Postergröße bringen möchte. Tatsächlich erkennt man das Qualitätsgefälle zwischen einem guten und einem schlechten Scanner schon bei relativ kleinen Bildgrößen.

Bild: Der Epson v750 ist der beste Flachbettscanner unter 1000 Euro. Bei Kleinbild-Dias kommt er jedoch an seine Grenzen, wie dieser Bildausschnitt von einem Papgeiengefieder zeigt. 

 

 

Bild: Bei Auslösung, Schärfe und Farbwiedergabe eines Farbdias schlägt sich ein alter Filmscanner wie der Nikon Coolscan 5000 immer noch deutlich besser als die besten Desktop-Flachbettscanner. Die schillernden Farben des Vorlagendias kann der Filmscanner besser wiedergeben.

 


Hochwertige Filmscanner – Eine aussterbende Spezies

Bevor die digitalen Spiegelreflexkameras bezahlbar wurden, war – zumindest bei fortschrittlichen Fotografen – die hybride Fotografie schwer angesagt. Man fotografierte weiter analog, hat die Dias und Negative dann aber mit hochwertigen Filmscannern eingescannt und so für die elektronische Bildbearbeitung nutzbar gemacht. Im Gegensatz zu den weit verbreiteten und universell einsetzbaren Flachbettscannern handelt es sich bei Filmscannern um echte Spezialisten, die außer dem Scan von – meist nur einigen wenigen – Filmformaten eigentlich gar nichts können. In ihrer Spezialdisziplin, dem Filmscan, sind sie aber ungeschlagen. Filmscanner holen aus den analogen Vorlage mehr Bildinformationen heraus als jedes andere Gerät, das für den Amateur noch bezahlbar ist.

Das ist die gute Nachricht, die schlechte ist: Es gibt kaum noch echte Filmscanner am Markt, denn die digitale Revolution hat insbesondere die hochwertigeren Vertreter dieser Gattung dahingerafft. Zu den wenigen Herstellern die noch neue Filmscanner im Sortiment haben, zählen Reflecta, Braun, Plustek und Quato. Geräte wie der Plustek OpticFilm 7600i, die diversen Reflecta-Modelle (CrystalScan 7200, RPS 7200 Professional, i-Scan 3600) und der Quato IntelliScan 5000 entsprechen dem klassischen Design eines Filmscanners, der Filmvorlagen einzeln oder streifenweise einliest. Daneben gibt es noch Exoten wie den Braun Multimag SlideScan 4000b und den Reflecta DigitDia 5000 die Dias magazinweise verarbeiten können.

Vom Markt verschwunden sind Hersteller wie Canon, Nikon und Minolta, die mit ihren Filmscannern in der Vergangenheit in punkto Bildqualität im Amateurbereich führend waren. Wer einen hochwertigen Filmscanner haben möchte – beispielsweise einen Nikon Coolscan 5000 – wird im Handel kaum noch fündig. Nachdem Nikon die Einstellung der Produktion bekannt gab, sind zumindest auf dem deutschen Markt die Preise für Nikon Scanner in absurde Höhen gestiegen. Man bezahlt inzwischen für einen Nikon-Scanner mehr als doppelt soviel wie noch vor einem Jahr. Selbst die Gebrauchtpreise für gut erhaltene Geräte sind inzwischen höher als die historischen Neupreise. Filmscanner für das Mittelformat gibt es im Desktopbereich gar nicht mehr, der letzte Vertreter dieser Art war der Nikon Coolscan 9000 – und der ist inzwischen ausverkauft.

Die letzte größere Qualitätsssprung bei den Filmscannern war übrigens die Einführung eben der vorgenannten Nikon Coolscan 5000+9000 im Jahr 2003, was die derzeitige Misere der Filmscanner besonders augenfällig macht. Das gibt es in keinem anderen Bereich der IT, dass ein inzwischen 6 Jahre altes Gerät technisch immer noch führend ist. Es zeigt vielmehr, dass kein Unternehmen noch ein nennenswertes Entwicklungsbudget für Filmscanner bereitstellt.

Bild: Hochwertige Desktop-Filmscanner gibt es derzeit am Markt als Neugeräte nicht mehr zu kaufen. Als Konsequenz hieraus sind die Preise für Gebrauchtgeräte wie den Nikon Coolscan 5000 in absurde Höhen geschnellt.

 


Hochwertige Flachbettscanner – Einschränkungen bei Kleinbildern

Interessanter als der Markt der Filmscanner sind für die Hersteller traditionell die Flachbettscanner, denn diese haben einen viel größeren Einsatzbereich als die Filmspezialisten und lassen sich daher auch in größeren Stückzahlen absetzen. Soviel vorweg: An die Qualität eines guten Filmscanners reichen auch die neuesten Flachbettscanner noch nicht heran. Anders als bei den Filmspezialisten liegt bei Flachbettscannern zwischen Film und Scaneinheit immer eine Glasplatte, die sich qualitätsmindernd auswirkt. Gerade für Mittel- und Großformatfotografen ist die erzielbare Qualität aber als durchaus ausreichend zu betrachten.

Im Grund eignet sich jeder Flachbettscanner mit Durchlichteinheit für das Digitalisieren von Filmmaterial. Wer aber eine halbwegs brauchbare Qualität erzielen möchte, sollte mindestens 200 Euro investieren. Klassische Einsteigergeräte sind der Canon CanoScan 8800F und der Epson Perfection V500 die beide um die 200 Euro kosten und schon eine passable Qualität liefern. Top-Geräte wie der Epson Perfection V750 Pro kosten dann mit rund 700 Euro schon dreimal soviel. Die Qualität ist dann naturgemäß etwas höher als bei den Einsteigermodellen, reicht aber immer noch nicht an die eines echten Filmscanners heran. Vorteil des v750: Man kann vollflächig in Din A4 Durchsichtscannen, beim günstigeren v500 ist die Durchlichteinheit schmaler und reicht gerade einmal für zwei Filmstreifen.

Alle Hersteller von Flachbettscannern werben mit unglaublich hohen Auflösungswerten, tatsächlich erreichen die meisten Geräte, wenn es gut geht, gerade einmal einen Bruchteil der nominellen Auflösung. Während ein hochwertiger Filmscanner wie der Nikon Coolscan 5000 seine Nennauflösung von 4000 spi (Samples per Inch) nur äußerst knapp verfehlte, ist es bei Flachbettscannern gang und gäbe, dass die tatsächliche Auflösung nicht ansatzweise an die Herstellerangaben heranreichen. So hat der teure Epson v750 eine nominelle Auflösung von 6400 spi, erreicht aber tatsächlich nur etwa 2300 spi.

Bild: Selbst teure Flachbettscanner erreichen nicht ansatzweise ihre nominelle Auflösung. Theoretisch schafft der Epson v750 stolze 6400 spi, in der Realität sind es kümmerliche 2300 spi.


CMOS-Scanner – Masse statt Klasse

Der neue Stern am Scannerhimmel sind seit einiger Zeit CMOS-Scanner, die sich trotz eher lausiger Qualität in großen Stückzahlen bestens verkaufen. Es vergeht kaum ein Monat, wo nicht ein neues Modell auf den Markt geworfen wird, die Modellvielfalt ist in diesem Sektor inzwischen völlig unübersichtlich.

Das stärkste Kaufargument für einen CMOS-Scanner ist der verglichen mit anderen Scannerkategorien äußerst günstige Preis. Die meisten Modelle kosten um die 100 Euro, dafür bekommt man eine kleine Box mit einem CMOS-Chip. Während ein klassischer Scanner die Vorlage zeilenweise abtastet, fotografiert ein CMOS-Scanner die Vorlage ab.

Das Verfahren ist prinzipiell deutlich schneller als ein Scan, allerdings ist die Bildqualität der aktuellen CMOS-Scanner durch die Bank als eher schlecht zu beurteilen. Sie können weder mit Filmscannern noch mit Flachbettscannern mithalten. Allerdings handelt es sich auch um eine recht junge Geräteklasse, die sich noch in der Entwicklung befindet. Wichtige Features wie eine infrarotbasierte Staub- und Kratzerentfernung – bei besseren Scannern gehört diese schon lange zur Standardausrüstung – halten erst langsam bei den CMOS-Scannern Einzug. Reflecta hat kürzlich mit dem Memoscan das erste Gerät auf den Markt gebracht. das eine infrarotbasierte Kratzerentfernung aufweist. Bei den meisten anderen Geräte fehlt diese.

Bild: Bei der noch recht jungen Gattung der CMOS-Scanner dominieren Billiggeräte, die Bildqualität ist dem Kaufpreis entsprechend niedrig.

 


Fazit : Lieber scannen lassen

Es gibt aktuell ein überaus reichliches Angebot an Scannern auf dem Markt, die für das Digitalisieren von Dias und Negativen konzipiert sind – oder besser gesagt für diesen Anwendungszweck vermarktet werden.

Leider überzeugt bei den meisten Modellen die Bildqualität nicht. Für qualitätsbewusste Anwender sind insbesondere im Kleinbild-Bereich die Auswahlmöglichkeiten sehr beschränkt, denn bei den hier benötigten starken Vergrößerungsfaktoren kommen auch teure Flachbettscanner an ihre Grenzen.

Hier kann man eher – mit gewissen Abstrichen – zu einem der wenigen noch erhältlichen Filmscanner raten. Wobei man mit einem hochwertigen gebrauchten Filmscanner von Nikon oder Minolta immer noch eine deutlich bessere Qualität erzielen kann als mit allen derzeit verfügbaren Neugeräten.

Bei den CMOS-Scannern muss man abwarten, wo die Entwicklung hingeht, die derzeitige Schwemme an Billiggeräten aus diesem Segment überzeugt nicht. Als Alternative zum Selberscannen bieten sich Scanservices an, mit denen man das leidige Hardwareproblem elegant umschiffen kann. Zudem spart man viel Zeit, wenn man den Scanvorgang outsourct. Wer sich ein eigenes Bild von der Leistungsfähigkeit aktueller Scanner machen möchte, findet unter www.scanguru.info hochaufgelöste Sample-Scans von Scannern aller Preisklassen sowie eine Übersicht mit Scanservices aus Deutschland.