Toshiba im Exabyte-Rausch

Data & StorageStorage

Nach der Übernahme des Speichergeschäfts von Fujitsu setzt Toshiba zum Angriff auf Weltmarktführer Seagate an. Die Zukunft sehen die Manager bei Highspeed-SSDs für Enterprise-Server, externen Festplatten – und extrem robusten Mini-Festplatten für Autos.

Eine feine Adresse hatte sich Toshiba ausgesucht, um seine neue Unternehmensstrategie vorzustellen – das Gebäude »BMW Welt« des bayerischen Autoherstellers in München. Das Gebäude dient als Auslieferungszentrum und Museum zugleich.

In der »Exklusiv Lounge« des avantgardistisch gestalteten Auto-Tempels erklärten die Toshiba-Manager, wie es nach der Übernahme des Festplattengeschäfts von Fujitsu weitergehen soll. Die Übernahme hatte die »Toshiba Europe Storage Device Corporation« im Oktober abgeschlossen. Nun möchte Toshiba seine starke Position bei kompakten HDs in den Formfaktoren 2,5 oder 1,8 Zoll ausbauen. Dabei will der japanische Konzern auch Marktführer Seagate angreifen.

Im Enterprise-Bereich setzen sich die energieeffizienten 2,5-Zoll-Festplatten immer mehr durch. (Bild: Toshiba)

Die Gelegenheit scheint günstig, denn derzeit ist das Enterprise Segment in puncto Massenspeicher in einer Umbruchphase. Immer mehr Unternehmen steigen von der klassischen 3,5-Zoll-Festplatte auf das kompaktere 2,5-Zoll-Format um.

Weitere Vorteile des kompakten Formats liegen im niedrigeren Energieverbrauch. Als Folge davon sinkt wiederum der Aufwand für Kühlmaßnahmen, etwa, wenn die Festplatten dicht gepackt in Racks untergebracht sind. Die energieeffizienter arbeitenden 2,5-Zoll-Disks sind bei gleicher Speicherkapazität auch nur noch wenig teurer als herkömmliche 3,5-Zöller. Laut Toshiba-Manager Georg Dietsch, Sales Director EMEA, haben sich die Kosten für den Umstieg von 3,5 auf 2,5 Zoll in spätestens 12 Monaten amortisiert.

1773 Trillionen Byte im Jahr 2011

Der Markt für Wechselspeicher gehört neben dem Mobilmarkt zu den Bereichen, die nach wie vor ein rasantes Wachstum verzeichnen. Platz genug für alle Expansions-Pläne der fünf wichtigen Player, Seagate, Hitachi, Western Digital, Samsung und Toshiba (inklusive der Fujitsu-Produkte). So sollen der benötigte Speicherplatz im »digitalen Universum«von 281 Exabyte (1 Exabyte = 1 Trillion Byte) in diesem Jahr auf 1773 Exabyte im Jahr 2011 anwachsen.

Georg Dietsch illustrierte mit einem Beispiel das rasante Anwachsen des Speicherbedarfs. Eine schlichte E-Mail mit einem Dateianhang, die beim Versenden nur 1,1 MByte beansprucht und an vier Empfänger verschickt wird, benötigt am Ende bis zu 51,5 MByte. Denn Mail und Anhang werden nicht nur viermal verschickt, sondern auch viermal gespeichert, viermal auf Servern gesichert und schließlich viermal auf Bandlaufwerken archiviert.

Externe Laufwerke für Privatanwender
Auch bei Privatanwendern steigt der Bedarf an Massenspeichern enorm an. Das beschert vor allem externen Festplatten schnell steigende Verkaufszahlen. Viele Privatanwender sichern ihre Videos, Musikbibliotheken, Fotos und sonstigen Daten jeweils auf einem eigenen Laufwerk.

Nach einer Schätzung von IDC werden 2009 allein in Europa über 12 Millionen externer Festplatten verkauft, 2010 sollen es dann schon mehr als 16 Millionen sein. Toshiba ist hier ebenfalls stark vertreten. Georg Dietsch schätzt den Marktanteil des Unternehmens im Raum EMEA auf circa 30 Prozent.

Highspeed-SSD für Unternehmen
Auch für die derzeit von vielen Experten hochgelobten SSDs (Solid State Drive) wollen sich die Toshiba-Manager einsetzen. Dafür haben sie sich allerdings ein exklusives Segment ausgesucht – die weniger auf Kapazität und mehr auf Schnelligkeit getrimmte Enterprise-Disk. Die so genannte eSSD besticht mit blitzschnellem Datenzugriff. Als Highspeed-Enterprise-Disk soll sie die herkömmlichen Festplatten ergänzen und so das Auftreten von Flaschenhälsen beim Zugriff auf die Server verhindern.

Erste Modelle der eSSD wird Toshiba aber wohl erst in der zweiten Jahreshälfte 2010 auf den Markt bringen.

Als Zulieferer von besonders robusten Festplatten für Autos ist Toshiba nach eigenen Angaben die Nummer eins in Europa. (Bild: Toshiba)

Die Veranstaltung fand nicht zufällig im Automuseum von BMW statt. Denn gerade in der Automobil-Technik sieht Toshiba ein wichtiges Spielfeld seiner Storage-Produkte. Schließlich sind moderne Autos inzwischen prall mit Computertechnik gefüllt, so dass auch die Nachfrage nach kompakten Harddisks steigt.

Diese müssen allerdings in Sachen Robustheit besonders hohe Anforderungen erfüllen. So müssen sie starke Vibrationen und Beschleunigungen klaglos schlucken, winterliche Temperaturen von zwanzig Grad Minus bis zu 70 Grad Plus im Hochsommer vertragen und nebenher noch auch in 5000 Metern Höhe zuverlässig Daten liefern. Nach eigenen Angaben ist Toshiba in Europa mit einem Anteil von 84 Prozent Marktführer im Geschäft mit Festplatten für den Automobil-Bereich.

(mt)
Weblinks
Toshiba Europe Storage